Duell der Rekordspieler: "Die Entwicklung steht im Vordergrund"
200 vs. 184 Clubspiele, beide aber Rekordspieler in der 2. Bundesliga für den 1. FC Nürnberg – am Wochenende steht ein ganz spezielles Duell auf dem Programm. Denn Enrico Valentini trifft im Rahmen eines Leistungsvergleichs auf dem DFB-Campus mit seiner U14 auf die U14 des HSV, bei der Hanno Behrens als Co-Trainer an der Seitenlinie steht. Wir haben mit beiden über das bevorstehende Wiedersehen gesprochen.
Vier Jahre lang waren sie gemeinsam für den 1. FC Nürnberg auf dem Platz, waren jeweils Kapitän des FCN und stiegen mit dem Club in die Bundesliga auf – am Samstag wird es aber zu einem etwas anderen Wiedersehen kommen: "Es wird komisch, da man auf der anderen Seite steht. Ich denke, wenn wir nebeneinander an der Seitenlinie stehen, wird es das ein oder andere Grinsen geben. Wir haben eine lange Zeit den Platz geteilt und jetzt stehen wir da auf einmal als Trainer", blickt Enrico Valentini auf den bevorstehenden Leistungsvergleich gegen Hanno Behrens. Dieser geht mit ähnlichen Gefühlen an die ganze Sache ran: "Ich freue mich darauf, ihn wiederzusehen. Aber wir werden uns natürlich beide auf unsere Aufgabe konzentrieren. Dennoch glaube ich, dass wir vorher noch um eine Kleinigkeit wetten werden. Vielleicht, wer dem anderen bei meinem nächsten Nürnberg-Besuch etwas ausgeben muss", so Hanno.
"Noch nicht, aber das wird bestimmt noch kommen. Ich muss mir noch was überlegen. Aber ich denke, er wird sich nicht provozieren lassen", ist sich Vale noch unsicher, ob es davor vielleicht die ein oder andere spitzfindige Nachricht in Richtung Hamburg geben wird. "Er kann es gerne versuchen, aber ich bin gewappnet (lacht)", lautet die Antwort von Behrens.
Neue Rolle – neue Prioritäten
Für den allgemeinen Club-Romantiker scheint es zwar ein sehr besonderes Duell zu werden, für die beiden Coaches aber nicht, da sie in ihrer neuen Rolle schon vollends aufgehen, wie sie klarstellen: "Das Ergebnis ist natürlich zweitrangig. Ich denke da nicht so sehr an das Duell gegen Hanno, sondern an meine Jungs und deren Entwicklung", so Valentini. Eine Aussage, der Hanno beipflichtet: "Die Spielerentwicklung steht bei uns natürlich im Vordergrund. Da geht es, nicht wie bei unserer gemeinsamen Zeit, um Ergebnisse."
"Ich bin, was meine Jungs betrifft, relativ ruhig. Ich habe gegenüber meinen Spielern ja auch eine Vorbildfunktion", besinnt sich die ehemalige Nummer 22 auf seine neue Aufgabe als Cheftrainer und auch die ehemalige Nummer 18 sieht dies so. Wenngleich ein etwas lauterer Valentini kein schlechtes Zeichen für den HSV bedeuten würde: "Es geht um keine Punkte, deswegen gilt es für uns, erst einmal die Vorbildfunktion zu wahren. Wenn wir aber einen etwas lauten Vale erleben, wird meine Mannschaft nicht so viel falsch machen."
Gegenseitige Wertschätzung
Über 100 Partien absolvierten beide gemeinsam für den FCN auf dem Platz, teilten sich vier Jahre lang eine Kabine. Die gegenseitige Einschätzung, welcher Trainertyp daraus nun entstand, fällt dem Duo also nicht schwer: "Ich denke, wir ticken sehr ähnlich. Immer wenn wir uns auf einen Kaffee trafen und gesagt haben, dass wir nicht über Fußball sprechen wollen, waren wir fünf Minuten später wieder darüber am Diskutieren. Er versucht natürlich seine Erfahrungen weiterzugeben, kann aber durch seine italienische Art die Jungs auch emotional packen. Das konnte er schon früher als Kapitän", sagt Hanno und Vale legt folgendermaßen nach: "Ich denke, dass er seine entspannte und besonnene Art beibehält. Aber wenn es darauf ankommt, kann er schon einmal laut werden. Er war für lange Zeit Kapitän und weiß, wie der Profifußball funktioniert. Das kann er seinen Jungs schon mitgeben."
Auf persönlicher Ebene will sich aber dann doch keiner eine Niederlage gegen den Kumpel erlauben, weshalb Behrens eventuell auch noch einmal ein wenig nachhelfen wird: "Ich werde aber vielleicht meinen Jungs eine kleine Extra-Belohnung in Aussicht stellen, aber er wird sich bestimmt auch etwas einfallen lassen. Somit werden beide Mannschaften sehr motiviert sein", verrät er und auch Vale sagt zum Abschluss: "Verlieren will ich aber natürlich nicht gegen ihn – das ist klar. (lacht)". Es geht ja dann zumindest auf persönlicher Ebene um das nächste gemeinsame Abendessen in Nürnberg.