Teamcheck Montag, 26.11.2012

Die TSG im Teamcheck

Angekommen im Bundesliga-Alltag: fcn.de sah sich den kommenden Gegner genauer an.

Foto: Picture Alliance

Ist es wirklich schon vier Jahre her? Vier Jahre, seit Carlos Eduardo, Demba Ba, Chinedu Obasi und Vedad Ibisevic die Bundesliga mit atemberaubendem Fußball verzaubert haben? Im Trikot von 1899 Hoffenheim, das gerade unter Trainer Ralf Rangnick aus der Drittklassigkeit bis in die Bundesliga durchmarschiert war und dort von der Tabellenspitze grüßte? Eine Mannschaft, so stark, dass sogar der FC Bayern Gefahr witterte, ein neuer, ernst zu nehmender Konkurrent werde dort entstehen? Hoffenheim, die Sensation des deutschen Fußballs, emporgestiegen dank der gönnerhaften Hilfe von Mäzen Dietmar Hopp.

Ja, es sind tatsächlich vier Jahre seitdem vergangen, und das Beispiel Hoffenheim zeigt, dass dieser Zeitraum gerade im schnelllebigen Profifußball mehr als nur eine gefühlte Ewigkeit bedeutet. Glänzende Vergangenheit, triste Gegenwart. Das Hoffenheim von damals galt als echte Bereicherung, der Sprung ins europäische Geschäft schien nur eine Frage von Monaten. Aktuell nistet sich 1899 im unteren Tabellendrittel ein, vom damaligen Charme ist nur noch wenig zu spüren. Viel ist im Kraichgau seit jenem Sommer und Herbst 2008 passiert.

Auf der Suche nach Kontinuität

Rangnick, der Aufstiegsheld, überwarf sich irgendwann mit Hopp, auf dem Trainerstuhl versuchten sich danach Marco Pezzaiuoli und Holger Stanislawski mit eher mäßigem Erfolg, seit Februar nun steht Markus Babbel auf der sportlichen Kommandobrücke. Man sucht Kontinuität, ebenso wie auf dem Managerposten, den seit Kurzem der Ex-Schalker Andreas Müller verantwortet. Irgendwie wirkte und wirkt der Verein auf Identitätssuche. Soll der Weg mit Stars eingeschlagen werden oder doch die Hopp’sche Vision von den Talenten aus der eigenen Region? Oder ein Mix aus beidem?

Babbel versuchte es im Sommer jedenfalls mit einem Umbruch. Einerseits holte er bekannte Namen: Tim Wiese fürs Tor Eren Derdiyok – der Schweizer Nationalstürmer kam aus Leverkusen – Mathieu Delpierre sollte mit seiner Routine die Abwehr stärken. Promis der Szene, ergänzt durch junge Spieler, denen Babbel tatsächlich auch eine Chance gibt. Vincenzo Grifo, Denis Streker oder Pelle Jensen kannten vor dieser Spielzeit höchstens Insider, unter Babbel durften sie in der Bundesliga debütieren. Erfolge kann der Europameister von 1996, der zuvor schon den VfB Stuttgart trainiert und Hertha BSC zurück in die Bundesliga geführt hatte, allerdings noch nicht so recht vorweisen.

Tragische Erfahrung

Eines sollte man aber nicht vergessen: Auch Fußballer sind Menschen, die auf äußere, nicht eingeplante Umstände reagieren. Die Hoffenheimer Profis machten eine tragische Erfahrung, als ihr Mitspieler Boris Vukcevic im September, am Tag vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg, schwer mit dem Auto verunglückte. Er geriet auf dem Weg zum Abschlusstraining auf die Gegenfahrbahn, verursachte einen Frontalzusammenstoß, wohl hervorgerufen durch eine Unterzuckerung des Diabetes-Patienten.

Der talentierte U-21-Nationalspieler schwebte tagelang zwischen Leben und Tod, so etwas lässt niemanden unberührt, da wird Fußball schnell zur Nebensache. Erst kürzlich ist Vukcevic aus dem künstlichen Koma erwacht. Eine seriöse Prognose, ob er je wieder wird Fußball spielen können, ist aber noch nicht möglich. Babbels Mannschaft fing sich in der Zwischenzeit wieder, schlug daheim beispielsweise Hannover und Schalke, leistete sich aber auch immer wieder Patzer. Der Traum von Europa ist daher vier Jahre nach dem Fußball-Rausch weiter denn je entfernt.

Spieldaten

14. Spieltag, 1. Bundesliga 2012/2013
4 : 2
1. FC Nürnberg
6. Hiroshi Kiyotake 1:0
43. Per Nilsson (Kopfball) 2:1
69. Sebastian Polter 3:1
86. Hiroshi Kiyotake 4:2
1899 Hoffenheim
33. Sven Schipplock (Kopfball) 1:1
81. Sejad Salihovic (Elfmeter) 3:2
Stadion
Stadion Nürnberg
Datum
28.11.2012 19:45 Uhr
Schiedsrichter
Dr. Jochen Drees
Zuschauer
31000

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Chandler (58. Cohen) - Nilsson - Klose - Pinola - Simons - Balitsch - Kiyotake (87. Mak) - Gebhart - Frantz - Polter (73. Pekhart)
Reservebank
Rakovsky, Plattenhardt, Korczowski, Esswein, Mak, Cohen, ??, Pekhart
Trainer
Dieter Hecking
1899 Hoffenheim
Casteels - Beck - Compper - Delpierre (46. Usami) - Johnson - Rudy - Salihovic - Firmino (68. Joselu) - Volland - Williams - Schipplock
Reservebank
Grahl, Schröck, Streker, Usami, Grifo, Derdiyok, Joselu
Trainer
Markus Babbel

Ereignisse

6. min Spielstand: 1:0
Hiroshi Kiyotake

14. min Spielstand: 1:0
Roberto Firmino

18. min Spielstand: 1:0
Matthieu Delpierre

23. min Spielstand: 1:0
Timm Klose

33. min Spielstand: 1:1
Sven Schipplock

43. min Spielstand: 2:1
Per Nilsson

46. min Spielstand: 2:1
Takashi Usami kommt für Matthieu Delpierre

58. min Spielstand: 2:1
Almog Cohen kommt für Timothy Chandler

65. min Spielstand: 2:1
Sebastian Rudy

68. min Spielstand: 2:1
Joselu kommt für Roberto Firmino

69. min Spielstand: 3:1
Sebastian Polter

73. min Spielstand: 3:1
Tomas Pekhart kommt für Sebastian Polter

81. min Spielstand: 3:2
Sejad Salihovic

86. min Spielstand: 4:2
Hiroshi Kiyotake

87. min Spielstand: 4:2
Robert Mak kommt für Hiroshi Kiyotake

89. min Spielstand: 4:2
Andreas Beck