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Teamcheck Samstag, 16.02.2013

Die dunkle Seite des Erfolgs

96 hat sich in den letzten Jahren im oberen Tabellendrittel etabliert. Die Messlatte liegt hoch.

Wehe den Erfolgreichen! Klingt seltsam, vor allem für die Ohren eines historisch bewanderten Menschen. Das aus der Römerzeit stammende Originalzitat lautet schließlich "wehe den Besiegten" - und sagt damit das Gegenteil aus. Nur, auch wenn das Original unstrittig stimmt muss deswegen das abgewandelte Remake nicht zwangsläufig falsch sein. Zweifel? Frag nach bei Hannover 96, das derzeit davon berichten kann, dass der Erfolg auch eine dunkle Seite besitzen kann.

Dazu muss man wissen, dass die Niedersachsen in der jüngeren Vergangenheit nicht immer ein Synonym für Erfolg waren – wenn man das obere Drittel der Bundesliga als Maßstab für Erfolg nimmt. Bis zum Sommer 2010 schloss der 2002 in die Bundesliga zurückgekehrte Traditionsverein, klammert man den achten Platz von 2008 aus, die Bundesliga nie einstellig ab. Doch dann kam es, das katapultartige Eindringen in die Spitzengruppe des deutschen Fußballs. Dem sensationell anmutenden vierten Rang in der 2011er Endabrechnung folgte in der vergangenen Spielzeit die Bestätigung mit dem siebten Platz in der Schlusstabelle.

Ansprüche gestiegen

Zweimal in Folge fürs internationale Geschäft qualifiziert, das weckte und weckt in und um den Verein herum Begehrlichkeiten. Und so ist ein einstelliger Tabellenplatz für die aktuelle Saison bereits das Minimalziel, das "Triple", also das erneute Lösen eines internationalen Tickets, aber das eigentliche Objekt der Begierde. Tja, die Geister, die Trainer Slomka und seine Mannen riefen, werden sie so schnell nicht los – sie werden an den vergangenen beiden Jahren gemessen und an sonst nichts.

Gut, nun ist es ja nicht so, dass die Hannoveraner das "Triple" abschreiben müssen, mittendrin im engen Tabellen-Getümmel stecken sie, die begehrten Plätze fünf und sechs sind nur zwei Punkte entfernt – und doch ist die Stimmung an der Leine ein wenig angespannt. Das fängt mit der Auswärtsbilanz der Slomka-Elf an: Mit acht Niederlagen und sechs geholten Punkten ist sie in der Fremde das zweitschlechteste Team der Liga. Hinzu gesellt sich der Umstand, dass ihr die einst so flotte, ansehnliche Spielweise ein wenig abhanden gekommen ist. Die beeindruckende Kompaktheit in der Defensive, das blitzartige Umschalten bei Ballgewinn, das überfallartige Ausschwärmen, das schnelle, schnörkellose Spiel in die Spitze und der  eiskalte Abschluss – all dies geht den Slomka-Schützlingen ein wenig mühsamer als einst von den Füßen.

Letzte Saison 50 Pflichtspiele

Dies ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, denn der Erfolg führte und führt zu einem ungewohnten Mammutprogramm. Die Bayern sind es über Jahre hinweg gewohnt, auf verschiedenen Hochzeiten zu tanzen, für die Hannoveraner und deren bei weitem nicht so breit besetzten Kader ist es hingegen Neuland. In der vergangenen Saison bestritten sie, die bis ins Viertelfinale der Europa League vorstießen, 50 Pflichtspiele, aktuell sind es derer 35.

Der Mehrfachbelastung versuchten die Macher bei der Kaderplanung zwar Rechnung zu tragen, eine gewisse Abhängigkeit von Leistungsträgern wie Szabolcs Hustzi, Jan Schlaudraff oder Pinto besteht dennoch. Kann übrigens auch gar nicht anders sein, nur Klubs, die über viele Jahre hinweg konstant international vertreten sind, können eine Rotation ohne nennenswerten Qualitätsverlust durchführen. Kein Wunder also, dass es die 96-er nicht unbeeindruckt wegstecken, wenn mit dem am Knie verletzten Steven Cherundolo einer der Führungsspieler komplett wegbricht oder es mit den oben erwähnten Akteuren entscheidende Figuren im Spielsystem an der notwendigen Frische und Konstanz mangelt.

Slomka unterschrieb bis 2016

Ihr Anhang jedoch sieht es wenig anders aus. Vom jüngsten Erfolg verwöhnt legt er die Messlatte hoch und ist mit Kritik schnell bei der Hand. Zu schnell, wie Pinto unlängst meinte. "Schwierig, was uns abverlangt wird. Die Pfiffe kann ich nicht verstehen", so der Dampfmacher im defensiven Mittelfeld. Umso wichtiger war es, dass er und seine Kollegen die jüngste Aufgabe in der Liga gegen Hoffenheim (1:0) pflichtgemäß und letztendlich auch souverän lösten. Es war das erste Zu-Null in diesem Jahr, die Defensivleistung des ganzen Teams erinnerte an alte Zeiten – ebenso das Zustandekommen des Siegtreffers. Pinto fing am eigenen Strafraum einen Hoffenheimer Angriff ab, Sekunden später zappelte der Ball nach den Stationen Schlaudraff-Huszti-Diouf ruckzuck im Netz der 1899er.

Alles zusammen ergibt einen echten Mutmacher für die heutige Auswärtsaufgabe in Nürnberg – findet Trainer Mirko Slomka, der Anfang Dezember nach langem Hin und Her seinen Vertrag bis 2016 verlängerte. Was indes uns Mut macht: Die Niedersachsen mussten am Donnerstag in der Europa League-Zwischenrunde beim russischen Erstligisten Machatschkala ran – jene Partie steckt den Hannoveraner also in den Beinen. Muss jetzt nicht unbedingt ein Nachteil sein, wenn es heute für den Club heißt Revanche zu nehmen für die bittere 1:4-Hinrundenniederlage gegen 96.

Spieldaten

22. Spieltag, 1. Bundesliga 2012/2013
2 : 2
1. FC Nürnberg
53. Timm Klose 1:1
90. Sebastian Polter 2:2
Hannover 96
41. 18466 0:1
68. Didier Ya Konan 1:2
Stadion
Grundig Stadion
Datum
17.02.2013 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Thorsten Kinhöfer
Zuschauer
36101

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Chandler, Nilsson, Klose, Pinola - Simons, Kiyotake, Feulner (82. Mak), Balitsch, Frantz (62. Kanazaki) - Pekhart (81. Polter)
Reservebank
Polter, ??, Rakovsky, Plattenhardt, Esswein, Kanazaki, Mak
Trainer
unbekannt
Hannover 96
Zieler - Sakai, Djourou, 18466, 18466 (66. 18466) - Ya Konan (75. Schmiedebach), Hoffmann, 18466, 18466 - Diouf, Abdellaoue
Reservebank
18466, 18466, 18466, Sobiech, 18466, Schmiedebach, 18466
Trainer
Mirko Slomka

Ereignisse

41. min Spielstand: 0:1
18466

53. min Spielstand: 1:1
Timm Klose

61. min Spielstand: 1:1
Hiroki Sakai

62. min Spielstand: 1:1
Mu Kanazaki kommt für Mike Frantz

66. min Spielstand: 1:1
18466 kommt für 18466

68. min Spielstand: 1:2
Didier Ya Konan

75. min Spielstand: 1:2
Manuel Schmiedebach kommt für Didier Ya Konan

81. min Spielstand: 1:2
Sebastian Polter kommt für Tomas Pekhart

82. min Spielstand: 1:2
Robert Mak kommt für Markus Feulner

90. min Spielstand: 1:2
18466

90.(+2) min Spielstand: 2:2
Sebastian Polter