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Profis Teamcheck Donnerstag, 23.01.2014

Dank Gisdol - Aus 1899 wird wieder 1899

Im Teamcheck schaut sich fcn.de den Gegner aus dem Kraichgau etwas genauer an.

Foto: Picture Alliance

Ein Hoch auf die Vorurteile! Sie vereinfachen, mir nichts dir nichts, die mitunter so komplizierte Welt um uns herum auf wundersame Weise. Siehe Hoffenheim. Das ist doch der keinerlei Emotionen weckende Retortenklub, der, entstanden am Reißbrett des millionenschweren SAP-Mitgründers Dietmar Hopp, von gestern auf gleich in der Bundesliga landete.

Doch das Ganze hat einen Haken: Natürlich würde es den Bundesligisten ohne einen Dietmar Hopp höchstwahrscheinlich nicht geben. Andererseits verbirgt sich hinter dem Aufstieg der 1899er eben nicht die ermüdende Geschichte eines steinreichen Emporkömmlings, sondern die eines wohldurchdachten und innovativen Projekts. Die TSG investierte in junge, hochtalentierte Ausnahmekönner aus aller Herren Länder, die hierzulande zunächst nur absoluten Insidern ein Begriff waren.

Im Eiltempo in die 1.Bundesliga

Zugegeben, dass die Hoffenheimer dabei richtig viel Geld in die Hand nehmen konnten, erleichterte ihnen das Umsetzen ihres Projekts gewaltig. Aber prophezeiten damals nicht alle Experten, dass die Ansammlung der blutjungen Hochkaräter im rauen deutschen Profifußball gnadenlos Schiffbruch erleiden würde? Sie irrten sich bekanntlich – die von Ralf Rangnick dirigierte Mannschaft stürmte von 2006 bis zum Sommer 2008 im Wortsinn von der 3. in die 1. Liga und sorgte auch dort mit ihrem herzerfrischenden, temporeichen Offensivstil auf Anhieb für Furore. Dass die Hoffenheimer Spielweise alles andere als langweilig war, mussten selbst jene zugeben, die den Erfolg rein auf die Formel „alles nur erkauft“ reduzierten.

Und war es zudem nicht höchst interessant mit anzusehen, wie aus dem Dorfverein mit einer besseren Bezirkssportanlage in Windeseile auch in punkto Infrastruktur ein „echter“ Bundesligist wurde. Mit allem Drumherum. Einem schmucken Stadion, einem hochmodernen Trainingsgelände und einem Top-Nachwuchsleistungszentrum.

Zurück auf dem Pfad des Erfolges

Die TSG polarisiert und kann damit nicht langweilig sein. Vor allem jetzt, wo 1899 wieder 1899 ist. Von dem Pfad, auf dem sie in die Bundesliga geklettert sind, waren sie zwischenzeitlich nämlich ein wenig abgekommen. Die Spieler, die sie holten, wurden arrivierter, der Spielstil der Mannschaft sprang von wild und unbekümmert auf vergleichsweise ruhig und berechenbar um. Auf der Strecke blieb das Spektakel – und vergangene Saison lange Zeit auch der Erfolg. Als im April 2013 der einstige Coach der zweiten Mannschaft und Rangnick-Vertraute Markus Gisdol als Chefcoach verpflichtet wurde, schien die TSG unweigerlich dem Abstieg geweiht.

Doch der Rückkehrer schaffte das Wunder, indem er die Hoffenheimer „Tradition“ der Durchmarsch-Zeit reanimierte: So kommt das Team mit einem Altersdurchschnitt von rund 24 Jahren wieder äußerst jugendlich daher. Nur der SC Freiburg hatte in der Hinrunde einen jüngeren Altersschnitt vorzuweisen. Weitaus wichtiger aber: Seine Elf hat sich bedingungslos einem Sturm- und Drangstil verschrieben, verspricht nun einen hohen Unterhaltungsfaktor. Siehe das Gastspiel des Club in Sinsheim zum Start der Hinrunde. 7:3 hätte es aus TSG-Sicht auch ohne den kurz vor der Pause grob irrtümlich aberkannten Treffer zum 2:0 enden können, aber auch ein 6:5 oder ein 2:3 wären im Bereich des Möglichen gewesen. Am Ende hieß es 2:2.

Defensive leidet unter Offensivspektakel

Was die Hoffenheimer damals noch nicht wissen konnten: Im Takt jener abwechslungsreichen Partie sollte es für sie weitergehen, wie folgende Zahlen belegen: Nur die Liga-Giganten Bayern und BVB überboten in den vorausgegangenen 17 Spielen die Quote der TSG-Offensive von 36 Toren. Gleichzeitig schlug es hinten jedoch auch 38 Mal ein, womit sich 1899 mit dem HSV den Titel „Schießbude der Vorrunde“ teilte. Mit Letzterem soll nun Schluss sein, daran hat Markus Gisdol in der Winterpause mit seinen Schützlingen gezielt gearbeitet. Dass das angestrebte Mehr an defensiver Stabilität aber nicht zu einem Weniger an offensiver Ausrichtung führen soll, versteht sich. Schließlich will 1899 alles sein, nur nicht langweilig. 

Spieldaten

18. Spieltag, Bundesliga 2013/2014
4 : 0
1. FC Nürnberg
24. Timothy Chandler 1:0
42. Josip Drmic 2:0
49. Daniel Ginczek 3:0
70. Josip Drmic 4:0
TSG 1899 Hoffenheim
Stadion
Grundig Stadion
Datum
25.01.2014 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Knut Kircher
Zuschauer
36079

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Chandler - Nilsson (55. Petrak) - Pinola - Plattenhardt - Frantz - Drmic - Feulner - Kiyotake (79. Gebhart) - Hloušek - Ginczek (78. Pekhart)
Reservebank
Rakovsky, Angha, Balitsch, Gebhart, Mak, Petrak, Pekhart
Trainer
Gertjan Verbeek
TSG 1899 Hoffenheim
Casteels - Beck - Süle - Vestergaard - Johnson (46. Toljan) - Polanski (66. Modeste) - Rudy - Hamad - Firmino - Elyounoussi (54. Volland) - Schipplock
Reservebank
Grahl, Abraham, Toljan, Herdling, Strobl, Modeste, Volland
Trainer
Markus Gisdol

Ereignisse

24. min Spielstand: 1:0
Timothy Chandler

31. min Spielstand: 1:0
Timothy Chandler

42. min Spielstand: 2:0
Josip Drmic

46. min Spielstand: 2:0
Jeremy Toljan kommt für Fabian Johnson

49. min Spielstand: 3:0
Daniel Ginczek

54. min Spielstand: 3:0
Kevin Volland kommt für Tarik Elyounoussi

55. min Spielstand: 3:0
Ondrej Petrak kommt für Per Nilsson

66. min Spielstand: 3:0
Anthony Modeste kommt für Eugen Polanski

70. min Spielstand: 4:0
Josip Drmic

71. min Spielstand: 4:0
Roberto Firmino

77. min Spielstand: 4:0
Anthony Modeste

78. min Spielstand: 4:0
Tomas Pekhart kommt für Daniel Ginczek

79. min Spielstand: 4:0
Timo Gebhart kommt für Hiroshi Kiyotake

87. min Spielstand: 4:0
Sebastian Rudy