ClubFrauen bereit für den Bundesliga-Start
Sechs Wochen Vorbereitung liegen hinter den ClubFrauen. Sechs Wochen mit einem neuen Trainerteam, neuen Spielerinnen, neuen Abläufen und einer neuen Idee auf dem Platz. Am Samstag endet die Zeit des Testens: Mit dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg startet der FCN in die neue Saison der Google Pixel Frauen-Bundesliga.
Vom Kennenlernen zur eigenen Handschrift
Als Omar Adlani Anfang Juli erstmals gemeinsam mit seiner Mannschaft auf dem Trainingsplatz am Valznerweiher stand, begann für beide Seiten eine Phase des Kennenlernens. Für den neuen Cheftrainer ging es zunächst darum, die Spielerinnen, den Staff und die Strukturen beim Club kennenzulernen: „Ich glaube, in der ersten Woche ging es vor allem darum, mich an den Club und an die Menschen zu gewöhnen – an die neuen Spielerinnen und an ein neues Umfeld. Für uns ging es darum, alle kennenzulernen, zu verstehen, wie jeder arbeitet und was jeder Einzelne ins Team einbringt.“
Aus dem Kennenlernen wurde schnell gemeinsame Arbeit. Dabei wollte Adlani seiner Mannschaft nicht von Beginn an jedes taktische Detail vorgeben. Zunächst sollten die Grundlagen sitzen. „Bevor wir überhaupt über Spielstil und solche Dinge sprechen, müssen wir unsere Gewohnheiten und Prinzipien ins Spiel bekommen.“
Wie diese aussehen sollen, wurde über die vergangenen Wochen zunehmend deutlich. Die ClubFrauen sollen mutig mit dem Ball agieren, längere Ballbesitzphasen entwickeln und gleichzeitig aggressiv gegen den Ball arbeiten. Vor allem aber soll der Blick nach vorne gehen: „Wenn wir pressen, dann nach vorne. Wenn wir angreifen, dann ebenfalls nach vorne. Diese Dinge gehören zusammen.“
Viele Tests, viele Erkenntnisse
Gelegenheiten, diese Prinzipien unter Wettkampfbedingungen zu erproben, gab es in den vergangenen Wochen einige. Den Auftakt machte das Benefizspiel beim SV Weinberg, das der FCN mit 6:0 für sich entschied. Gegen den niederländischen Vizemeister Ajax Amsterdam folgte ein 3:1-Erfolg, ehe sich die ClubFrauen dem damaligen Zweitligisten Carl Zeiss Jena knapp mit 0:1 geschlagen geben mussten. Gegen die TSG Hoffenheim blieb die Adlani-Elf beim 0:0 erstmals ohne Gegentor.
Nach drei Wochen Vorbereitung ging es für die Mannschaft ins Trainingslager nach Niedernberg. Sechs Tage mit zahlreichen Einheiten auf dem Platz und im Kraftraum bildeten den bislang intensivsten Abschnitt des Sommers. Den Abschluss markierte der erfolgreiche Härtetest gegen den Deutschen Meister FC Bayern München.
Auch in den verbleibenden Wochen wurde weiter getestet. Gegen den SC Freiburg und zum Abschluss gegen den italienischen Erstligisten U.S. Sassuolo Calcio sammelte Adlani weitere Erkenntnisse, bevor der Fokus endgültig auf den Bundesliga-Start wechselte. Für den Cheftrainer zählt dabei nicht allein die Bilanz der vergangenen Wochen. „Die Spielerinnen waren sehr offen dafür, etwas Neues zu lernen und etwas Neues auszuprobieren. Darüber habe ich mich sehr gefreut.“ Schon zu Beginn der Vorbereitung sei die Mannschaft in einem guten körperlichen Zustand gewesen und habe dadurch früh intensiv arbeiten können.
Neue Gesichter, wachsender Konkurrenzkampf
Neben einem neuen Cheftrainer mussten sich in diesem Sommer auch mehrere Spielerinnen erstmals an das Club-Trikot gewöhnen. Keira Bednorz, Rebecca Adamczyk, Marie Bleil und Louna Lapassouse standen bereits beim Trainingsauftakt Anfang Juli mit ihren neuen Mitspielerinnen auf dem Platz. Im weiteren Verlauf komplettierten Alexsandra Lobanova und Charline Coutel die Sommer-Neuzugänge.
Die vergangenen Wochen dienten deshalb nicht nur dazu, neue Abläufe zu etablieren, sondern auch dazu, eine neuformierte Mannschaft zusammenwachsen zu lassen. Gleichzeitig wurde der Konkurrenzkampf um die Plätze größer. „Ich spüre jetzt den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft. Selbst bei den Rondos sind alle unglaublich ehrgeizig“, sagt Adlani. Für den 34-Jährigen ist genau das ein wichtiger Faktor für die weitere Entwicklung: „Eine Spielerin pusht dich, du pushst sie – und dadurch werdet ihr beide besser.“
Wer am Ende auf dem Platz steht, soll dabei zweitrangig bleiben. Entscheidend sei, dass die Mannschaft als Ganzes funktioniere und gemeinsam Ergebnisse hole.
Eine Identität, die sichtbar werden soll
Die Ergebnisse der Vorbereitung verschwinden mit dem ersten Anpfiff der Bundesliga ein Stück weit in den Hintergrund. Was bleiben soll, sind die Erkenntnisse, Abläufe und Prinzipien, die sich die ClubFrauen seit Anfang Juli erarbeitet haben.
Adlani verbindet damit einen klaren Anspruch an seine erste Saison in Nürnberg: „Ich möchte, dass die Menschen sehen, dass wir eine klare Identität haben. Wenn sie zu unseren Spielen kommen, sollen sie wissen: Das ist unsere Identität. Und ich möchte, dass sie stolz darauf sind, wie wir spielen.“
Dabei weiß der neue Cheftrainer auch, dass Entwicklung nicht immer geradlinig verläuft. Im Fußball könne eine Mannschaft gut spielen und verlieren oder schlecht spielen und trotzdem gewinnen. Entscheidend sei deshalb, die eigene Art nicht vom Ergebnis abhängig zu machen. Die ClubFrauen sollen als hart arbeitende, aggressive Mannschaft wahrgenommen werden, die ihren Prinzipien treu bleibt.
Am Samstag gibt es dafür die erste Gelegenheit unter Pflichtspielbedingungen. Nach sechs Wochen Vorbereitung beginnt im Max-Morlock-Stadion die neue Bundesliga-Saison – und damit die nächste Phase der Arbeit. Tickets für den Auftatkt gegen den VfL Wolfsburg gibt es im Ticket-Onlineshop.