Club verlegt Stolpersteine am Maxtorgraben
In Gedenken an das jüdische Club-Mitglied Marie Marcus (geb. Friedlein) und ihren Ehemann Karl Siegbert Marcus lässt der Club zusammen mit „Geschichte für alle e.V.“ am Donnerstag, 30. April 2026, um 14 Uhr am Maxtorgraben 31 in Nürnberg zwei Stolpersteine verlegen. Club-Fans und Geschichtsinteressierte sind dazu herzlich eingeladen.
„Zum Gedenken an unsere am 30. April 1933 von der Mitgliederliste gestrichenen jüdischen Mitglieder initiiert der Club seit 2023 jedes Jahr an diesem Tag eine Stolpersteinverlegung. Aus Verantwortung und Verpflichtung widmen wir uns als Club der Arbeit gegen Antisemitismus seit vielen Jahren verstärkt“, betont Niels Rossow, Vorstand Strategie und Marketing des 1. FC Nürnberg. Am 30. April 1933 hatte der 1. FCN schon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in vorauseilendem Gehorsam 142 seiner Mitglieder von der Mitgliederliste gestrichen, nur weil sie Juden waren.
Dieses Jahr geht es bei der Stolperstein-Verlegung um Marie Marcus (geb. Friedlein) und Karl Siegbert Marcus. Marie Marcus und Karl Siegbert Marcus wohnten zuletzt in Nürnberg am Maxtorgraben 31.
Marie Friedlein wurde am 8. September 1904 als zweites Kind des jüdischen Kaufmanns Aron Arnold Friedlein und seiner Frau Karolina (geb. Steinberger) in Nürnberg geboren. Ihr Vater betrieb am Königstorgraben 3 ein Hutfabriklager. Die jüdische Familie wohnte unter anderem in der Gleißbühlstraße 3, in der Marienstraße 2 und am Neutorgraben 31.
Marie Friedlein trat am 1. März 1930 in die Tennisabteilung des 1. FC Nürnberg ein. Am 30. April 1933 entfernte sie der FCN aus der Mitgliederliste und markierte dies auf ihrer Karteikarte mit dem Stempel »30. APR. 1933«.
Am 25. März 1938 heiratete Marie Friedlein in Fürth Karl Siegbert Marcus, der am 11. September 1900 in Gardelagen geboren wurde. Das Ehepaar wurde am 29. November 1941 vom Bahnhof Märzfeld in Nürnberg in das Ghetto Riga-Jungfernhof deportiert. Es war der erste große Deportationszug von Nürnberg in ein Vernichtungslager. In diesem Zug waren 1008 Juden, darunter 512 aus Nürnberg.
In der Transportliste wurde Marie Marcus mit der laufenden Nummer 307 und ihr Mann mit der Nummer 308 geführt. Beide wurden ermordet und gelten offiziell als verschollen.
Marie Friedleins Eltern wurden am 10. September 1942 von Nürnberg aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Ihr Vater Aron Arnold Friedlein wurde dort am 3. bzw. 4. April 1944 ermordet. Mutter Karolina Friedlein wurde am 9. Oktober 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort für tot erklärt.
Betty, die Schwester von Marie, überlebte die Schoah. Sie emigrierte im November 1939 mit ihrem Mann Georg Roth nach England.
Club-Historiker Bernd Siegler hat die Biografien der 142 ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder recherchiert und sie in den Mittelpunkt des vom 1. FCN herausgegebenen Buches „Heulen mit den Wölfen – Der 1. FC Nürnberg und der Ausschluss seiner jüdischen Mitglieder“ gestellt. Sie erhalten damit erstmals nicht nur einen Namen, sondern auch eine Geschichte und ein Gesicht, was die jährliche Stolpersteinverlegung überhaupt möglich macht. Auf Basis des Buches „Heulen mit den Wölfen“ entstand das gleichnamige Theaterstück von Ron Zimmering und Maren Zimmermann, das am 19. April in den Kammerspielen des Staatstheaters Nürnberg Premiere feiert.
Stolpersteine: größtes dezentrales Mahnmal der Welt
Vor dem Wohnhaus am Maxtorgraben 31 wird am Donnerstag, 30.04.26, ab 14 Uhr, Peter Meier, Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Nürnberg, alle Teilnehmenden begrüßen. Club-Historiker Bernd Siegler informiert über das Ehepaar Friedlein, über das Engagement des 1. FC Nürnberg gegen Antisemitismus berichtet Hannes Orth, Bereichsleitung Community & Membership 1. FC Nürnberg, und zu den Stolpersteinen als Teil der Erinnerungskultur in Nürnberg spricht Dr. Pascal Metzger, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verein „Geschichte Für Alle“. Club-Fans und Geschichtsinteressierte sind zur Stolpersteinverlegung herzlich eingeladen.
Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Die bronzenen Steine werden meist vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der NS-Opfer in den Gehweg eingelassen. Mit über 116.000 Stolpersteinen in über 1860 Kommunen in 31 europäischen Ländern, die meisten davon in Deutschland, gelten sie als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.
In den letzten Jahren wurden vor dem Max-Morlock-Stadion mit Stolpersteinen an den ehemaligen jüdischen Club-Trainer Jenö Konrad, seine Frau Grete und die Tochter Evelyn sowie in der Lohengrinstraße 13 an den ehemaligen jüdischen Club-Präsidenten Dr. Leopold Neuburger, seine Frau Hedwig und deren Kinder Kurt und Hilde, in der Rankestraße 68 an die Familie Schloss sowie in der Peter-Henlein-Straße 48 an die Resistance-Mitglieder Bruno und Anna-Margarete Einstein gedacht.