Christian Eigler: "Da haben alle gewusst, dass ich Cluberer bin"
Mit dem Club gelang Christian Eigler der Aufstieg sowie der Klassenerhalt jeweils über die Relegation, wobei er in diesen entscheidenden Spielen insgesamt drei Tore erzielte. In unserem Interview spricht der gebürtige Franke über den FCN als Herzenverein, Gündogan und besondere Freundschaften.
Servus Christian! Du bist ja ein gebürtiger Franke: Welche typisch fränkischen Eigenschaften, würdest du sagen, hat Christian Eigler?
Ich denke, dass ich auch erst einmal negativ gegenüber Dingen eingestellt bin. Wir Franken meckern sehr gerne auch mal ein bisschen und das habe ich auch immer sehr gerne gemacht – insbesondere auf dem Spielfeld. Das ist schon so eine Eigenschaft, die viele Franken in sich tragen.
Wie bist du zum Profifußballer geworden und welche Stationen waren für dich dabei besonders prägend?
Ich bin in der Jugend von meinem damaligen Heimatverein zum Club gewechselt, habe dann aber tatsächlich ein Jahr überhaupt kein Fußball mehr gespielt, weil ich zu dieser Zeit ein paar andere Dinge im Kopf hatte. Danach habe ich jedoch wieder bei meinem Heimatverein wieder das Fußballspielen angefangen und bin anschließend zu Greuther Fürth in die A-Jugend gewechselt. Dort wurde ich in der Rückrunde zu den Profis hochgezogen und hatte dort auch direkt die Möglichkeit zu spielen. In meinen ersten sieben Spielen fürs Kleeblatt konnte ich auch direkt drei Tore erzielen und dann war ich quasi im Fußballgeschäft etabliert.
Wie hat sich dann der Wechsel zurück zum Club ergeben?
Dadurch dass ich natürlich in der Jugend schon beim Club war, ist der Kontakt nie ganz abgebrochen und mein damaliger Trainer bei Arminia Bielefeld, Thomas van Heesen, ist dann zum FCN gewechselt. Wir haben mit der Arminia im letzten Spiel noch die Liga gehalten und der Club musste jedoch in diesem Jahr den Gang in die zweite Liga antreten. Durch den Wechsel von van Heesen kam dann recht schnell der Anruf vom Valznerweiher, ob ich wieder zum Club in meine Heimat zurückkommen möchte. Obwohl es ein Schritt von der ersten in die zweite Liga war, musste ich nicht lange überlegen, da natürlich meine Familie und auch meine damalige Frau aus der Region kommen. Das wäre aber auch der einzige Verein gewesen, für den ich den Schritt in die zweite Liga gemacht hätte und wir haben den Wiederaufsteig geschafft.
Du hast ja gerade den Aufstieg schon erwähnt. Was war denn dein schönster und emotionalster Moment beim Club?
Da gibt es natürlich einige! Der erste, so richtig emotionale Moment für mich war das erste Derby in der zweiten Liga gegen Fürth, weil ich ja auch eine Vergangenheit auf der anderen Seite hatte und in diesem Spiel kurz vor Schluss noch den entscheidenden Treffer erzielt habe. Das war schon ein sehr emotionaler Moment, weil ich natürlich auch bei den Club-Fans immer so ein bisschen als Fürther angesehen wurde. Aber nach dem Derby-Tor haben dann auch alle gewusst, dass mein Herz rot-schwarz schlägt und ich Cluberer durch und durch bin, weil ich nach dem Tor auch gejubelt habe. Weitere Highlights waren natürlich auch die Relegation zum Aufstieg gegen Energie Cottbus, das Tor gegen die Bayern sowie die vier Tore gegen St. Pauli in der ersten Liga. Das sind so vier prägenden Momente, die mir als ersten einfallen, wenn ich an die Zeit zurückdenke.
Da können wir auch gleich anschließen. Und zwar hast du ja 135 Erstliga- und 169 Zweitligaspiele in deiner Karriere gemacht. Wenn du nur eins in voller Länge mit deinen Kindern schauen könntest, welches würdest du mit ihnen schauen?
Das ist eine sehr gute Frage, da muss ich erst einmal überlegen… Ich glaube schon die Relegationsspiele gegen Cottbus, weil ich da ja auch in beiden Spielen getroffen habe und das mit dem Aufstieg sowie der Feier im Anschluss natürlich schon etwas sehr Besonderes war. Das Gute ist, dass meine Mutter alle Spiele von damals auf Kassette aufgenommen hat. Das muss ich mir echt noch einmal anschauen, das ist bestimmt cool!
Du hast die beiden erfolgreichen Relegationsspiele gerade schon mehrfach erwähnt, im Jahr darauf gegen Augsburg auch direkt noch einmal eine Relegation gespielt und ebenfalls erfolgreich bestritten. Was macht Relegationsspiele so besonders und was braucht man, um in solchen Spielen erfolgreich zu sein?
Ich denke, das Wichtigste ist erst einmal der absolute Wille und sich darauf zu fokussieren, dass es auch wirklich nur zwei Spiele sind. Danach ist die Saison vorbei und du hast keine Chance mehr das Spiel irgendwie auszugleichen. Diese K.o.-Spiele sind deshalb natürlich immer etwas Besonderes und ich denke da setzt sich dann immer die Mannschaft durch, die zusammen bei allem Druck noch den klareren Kopf behält sowie den unbedingten Willen zum Gewinnen hat. Ich glaube den hatten wir auch in den beiden Spielen und man hat in der Truppe schon auch gemerkt, dass es etwas sehr Besonderes ist.
Jetzt machen wir einen ganz kleinen thematischen Sprung: Und zwar hast du ja in dem Buch gesagt, dass Ilkay Gündogan der besten Cluberer deiner Genration ist. Wann und woran hast du gemerkt, dass er wirklich ein ganz großer werden kann?
Also dass er ein Guter ist, hat man direkt in den ersten Trainingseinheiten gemerkt. Er ist ja glaube ich mit 18 Jahren von Bochum zu uns gekommen und war damals aber noch nicht bei 100%, weil sie ihn da erst einmal noch ein bisschen geschont und fit gemacht haben. Dennoch hat man da sofort gemerkt, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist und werden kann – sowohl vom Kopf her, als auch technisch. Er hat eigentlich alles mitgebracht, um das zu erreichen, das er letztendlich dann auch geschafft hat.
Um dann am Ende auch erfolgreich zu werden, braucht es natürlich auch einen guten Trainer. Wer war der beste Trainer deiner Karriere, bzw. welcher Trainer hat dich besonders geprägt und warum?
Ich sage immer Dieter Hecking. Er ist für mich einer der besten Trainer, den ich in meiner Karriere hatte - auch mit seinem gesamten Team außen rum. Das gehört ja auch immer noch dazu. Das hat einfach alles zusammengepasst und es war wirklich immer top. Dann hatte ich noch Ralph Hasenhüttl in Ingolstadt. Da habe ich zwar nicht so viel gespielt, weil ich viel verletzt war, aber er war auf jeden Fall auch ein Top-Trainer.
Du hast im Buch gesagt, dass Andreas Wolf dein bester Freund aus deiner Zeit beim Club ist. Wie ist der Kontakt zwischen euch heute und mit wem aus der damaligen Mannschaft bist du noch weiterhin eng im Austausch?
Mit dem Andi Wolf auf jeden Fall! Wir sehen uns fast jede Woche und spielen Padel-Tennis zusammen. Da haben wir seit drei Jahren eine coole Truppe, auch mit Martin Driller und ein paar anderen Ex-Profis, mit denen ich zwar nicht zusammengespielt habe. Ansonsten telefoniere ich noch mit Marek Mintal ab und zu. Ihn schätze ich auch wirklich sehr mit seiner ruhigen Art. Da unterstützt man sich auch immer gegenseitig, wenn jemand etwas braucht, aber das ist glaube ich auch so ein gegenseitiges Verhältnis bei Ex-Profis. Selbst wenn man sich eine Zeit lang nicht sieht, dann hilft man sich eigentlich immer untereinander.
Der Club ist natürlich auch für sein Umfeld und seine Fans bekannt. Wie würdest du die Club-Fans jemanden beschreiben, der noch nie im Max-Morlock-Stadion war – Was macht sie aus?
Das sind auch mehrere Eigenschaften und natürlich tragen sie auch die fränkische Mentalität in sich, die ich ebenfalls habe. Also sie meckern schon gerne einmal, vor allem zu unserer Zeit. Ich glaube, inzwischen ist das auch ein bisschen entspannter, weil sie auch merken, dass es ohne das große Geld natürlich nicht so einfach ist. Zu unserer Zeit hatten sie schon noch eine andere Erwartungshaltung – insbesondere mit der Euphorie vom Pokalsieg. Da ging es nach zwei Niederlagen auch schnell einmal ins Negative. Wenn der aber Club zwei Spiele gewinnt, wird er in zwei Jahren Deutscher Meister. Aber diese Liebe zum Verein, die man als Spieler dann auch spürt, ist schon sehr ausgeprägt. Das sieht man ja auch daran, wie viele Fans Woche für Woche zu den Spielen gehen und die Mannschaft unterstützen.
Nun schauen wir gerne noch einmal auf Christian Eigler heute. Was bedeutet dir der Club allgemein heute noch und wie oft schaffst du es aktuell ins Stadion? Wie hat sich dein Blick mit der Zeit auf den Verein verändert?
Inzwischen bin ich seltener im Stadion, weil ich auch allgemein nicht mehr so enorm fußballinteressiert bin. Aber natürlich verfolge ich den Club immer, weil er einfach mein Herzensverein ist – obwohl die anderen Vereine natürlich auch gut waren, bei denen ich gespielt habe. Aber trotzdem ist der Club eigentlich der einzige Verein, den ich bis heute noch so richtig verfolge.
Du bist jetzt Wirt der Schwabacher Traditionsgaststätte Stern. Wie kam es dazu und wie sieht dein Alltag als Gastronom aus?
Ich musste im Alter von 30 Jahren schon relativ früh aufgrund eines Knorpelschadens im Knie meine Karriere beenden und da muss man sich im Anschluss natürlich ein bisschen umorientieren, was man machen möchte. Ich habe vor meiner Fußballkarriere auch schon in der Gastro gearbeitet und dann ist das Thema irgendwann wieder bei mir aufgekommen, weil in Schwabach mitten am Marktplatz eine Traditionsgaststätte frei geworden ist. Zusätzlich gehört das Haus einem meiner besten Freunde und da haben wir uns zusammengesetzt und eine gute Lösung für beide Seiten gefunden. Auf diese Weise bin ich dann mehr oder weniger zum Gastronom geworden. Seit letztem Jahr haben wir auch noch einen Biergarten und jetzt noch eine Padel-Halle. Die Verbindung aus Gastronomie und Sport finde ich überragend und das gibt mir schon auch noch einmal eine neue Motivation dafür.
Wenn deine Zeit beim Club, ein Gericht in deinem Lokal wäre. Welches wäre es und welche Zutäten müsste es auf jeden Fall beinhalten?
Da muss ich echt erst einmal überlegen. Ich glaube, ich würde auf jeden Fall ein Schäuferle sagen, weil es auch typisch fränkisch, genau wie der Club ist. Es hat eine harte Kruste sowie einen weichen Kern und ist natürlich auch eines meiner Lieblingsessen, was dann natürlich auch zum Club passt.
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