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Montag, 29.04.2013

Bedenkliche Tendenz – Grenzen überschritten

Der 1. FCN ist offen gegenüber sachlicher Kritik. Gewalt und blanker Hass sind hingegen untragbar.

Foto: Daniel Marr

Die Wiedergutmachung nach der Niederlage im fränkischen Derby des 1. FC Nürnberg gegen die SpVgg Greuther Fürth (0:1) misslang beim Spiel des Club bei der TSG 1899 Hoffenheim. Am Samstag, 27.04.13, verlor das Team von Michael Wiesinger und Armin Reutershahn mit 1:2 (0:2). „Die Mannschaft hat keine gute Leistung gezeigt, das wissen wir“, resümierte Michael Wiesinger über die Partie des 31. Bundesliga-Spieltages.

Infolgedessen wurden Spieler des 1. FC Nürnberg in der Nacht von Samstag auf Sonntag kontaktiert und verbal angegriffen. Der Mannschaft des 1. FC Nürnberg schlug am Samstag aber bereits vor dem Spiel in Sinsheim blanker Hass seitens eines kleinen Teils der Fanschaft entgegen, der sich in eindeutigen, nicht nachvollziehbaren Gesten äußerte. Eine Gruppierung der Anhängerschaft des 1. FC Nürnberg hatte aufgrund der Derby-Niederlage einen Stimmungsboykott angekündigt sowie die Club-Fans dazu aufgefordert, die Mannschaft vor dem Spiel nicht zu begrüßen. Darüber hinaus gab es beim Einlass einer Nürnberger Fangruppierung Auseinandersetzungen mit dem Ordnungsdienst, in deren Verlauf unter anderem eine Ordnerin einen Kieferbruch erlitt.

Respektvoller Umgang miteinander

„Es ist untragbar und hat absolut gar nichts mit Fankultur zu tun, wenn aus nichtigem Anlass eine Ordnerin so brutal getreten wird. Auf diesem Wege entsendet der 1. FC Nürnberg beste Genesungswünsche“, sagte Martin Bader, Vorstand für Sport & Öffentlichkeitsarbeit. Es sollte das Selbstverständnis der Anhänger des 1. FC Nürnberg sein, die in Stadien geltenden Regeln, zum Beispiel Weisungen des Ordnungsdienstes, zu akzeptieren und zu respektieren. Jegliche Form von gewalttätigem Verhalten gegenüber Polizei und Ordnungskräften, die von unseren Fans ausgeht, lehnt der 1. FCN strikt ab.

„Das ist nicht tolerierbar“, kommentierte Martin Bader, „aber auch mit den Pöbeleien, Beleidigungen und Drohungen gegenüber der Mannschaft des 1. FC Nürnberg wurde eine Grenze überschritten.“ „Der 1. FC Nürnberg mit Mannschaft und Verantwortlichen hat sich in der Vergangenheit immer offen gezeigt gegenüber sachlicher Kritik, die in einer vernünftigen Art und Weise und differenziert vorgetragen wurde“, erklärte Martin Bader, „Auch Ärger, Unmutsäußerungen und Pfiffe seien bis zu einem bestimmten Grad tragbar und Teil der Emotionalität und Fankultur, mit der die Anhänger mit ihrem Verein mitleiden und mit fiebern.“

Grenzüberschreitung

 „Wenn ein Spieler allerdings von der ersten Minute an bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wird, betrachten wir das ebenfalls als Grenzüberschreitung, weil es das Selbstverständnis des 1. FC Nürnberg und seiner Fans sein sollte, respektvoll miteinander umzugehen.“ Das sei ein „gewisses Werteverständnis, für das der 1. FCN steht“, ergänzte Martin Bader. Genauso ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die Mannschaft jeden Fan, der sich auf die Reise macht und sie auswärts unterstützen will, begrüßt, um ihm damit ihren Respekt zu zollen.

Für den 1. FC Nürnberg ist nachvollziehbar, dass die Niederlage im Derby bei den Fans Frust und Enttäuschung erzeugt hat. Aber trotz aller Frustration muss eine sachliche Analyse der Leistung im Derby möglich sein. „Die Mannschaft hat bis zur Nachspielzeit das Gefühl gegeben, das Blatt noch wenden zu können“, fügte Martin Bader an. „Umso bedauerlicher“ sei es dann, „dass einzelne Fragmente von Aussagen von Spielern genommen werden, um daraus abzuleiten, dass die Derby-Niederlage nicht bei jedem einzelnen Spuren hinterlassen hätte und sie nicht gewurmt habe.“

Sachliche Derby-Analyse trotz Frust

„Fakt ist, dass jeder beim 1. FCN – und dazu gehören auch Raphael Schäfer und Hanno Balitsch – vor dem Derby deutlich gemacht haben, dass dieses Spiel eine besondere Wichtigkeit besitzt. Gerade diese beiden Spieler haben auch nach der Niederlage immer betont, dass der Ausgang der Begegnung eine herbe Enttäuschung war“, erklärte Martin Bader weiter.

 „Jede Niederlage tut weh und die im Derby ganz besonders“, sagte Martin Bader im Rückblick auf die letzten drei Niederlagen des 1. FC Nürnberg und stellte noch einmal klar: „Mannschaft und Verantwortliche des 1. FC Nürnberg haben zu keinem Zeitpunkt das Derby auf die leichte Schulter genommen. Jeder hat sich nach der Niederlage schwarz geärgert – innerhalb des Vereins und deutlich sichtbar nach außen.“

Positiver Saisonausklang

Die Stärke des 1. FC Nürnberg und seiner Fans war es in der Vergangenheit immer, sich sehr differenziert mit Aussagen oder Taten auseinander zu setzen. „Das hat uns ausgezeichnet“, so Martin Bader. Exemplarisch hierfür sei die Vergabepraxis von Stadion-Verboten, die von der Mehrzahl der Fans in der Bundesliga als beispielhaft angesehen werde. Diese Form von Differenzierung zeichnet den 1. FCN seit Jahren aus. „Umso unverständlicher“ sei es, dass, „wenn man Verantwortliche, Trainer und Mannschaft über die vergangenen Jahre hinweg verfolgt hat, Verein und Spielern nicht abgenommen wird, dass diese Derby-Niederlage Spuren hinterlassen hat.“

"Ich hoffe nicht, dass eine Saison, die bisher von den Ergebnissen her erfolgreich war, so eine Schieflage in der Wahrnehmung erfährt.“ Das würde der Mannschaft „nicht gerecht“. Vielmehr sei es eine „Selbstverständlichkeit“, dass der Club die Spielzeit erfolgreich fortsetzen wolle. Dafür werde das Team alles tun, um positive Ergebnisse zu erzielen.

Differenzierte Auseinandersetzung war immer Stärke

Die Inanspruchnahme des Rechtes, Stimmungslagen zu zeigen, müssten auch Spieler und Verantwortliche des Vereins haben. „Auch sie müssen ihre Meinung frei in jeder Form von Emotionalität äußern dürfen, ohne dass einzelne Spieler belästigt werden. Wir haben uns in der Vergangenheit oft vor unsere Fans gestellt und Geschehnisse, ob es gewaltvolle Übergriffe oder der Einsatz von Pyrotechnik waren, differenziert betrachtet“, sagte Martin Bader. „Deshalb bitten wir auch um eine differenzierte Betrachtungsweise beim Umgang mit Niederlagen, in der die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird“, ergänzte Martin Bader.