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Interview Mittwoch, 10.04.2013

"90 Minuten ehrliche Arbeit"

Michael Wiesinger über Derby-Erinnerungen und die Motivation, den Bayern ein Bein zu stellen.

Foto: Picture Alliance

Michael Wiesinger über…

… besondere Erinnerungen:

"Einmalig in der Fußballgeschichte ist wohl, dass ein Trainer nach einem Sieg gegen den FC Bayern München entlassen wird. 1993 spielten wir die Münchner zuhause an die Wand und gewannen mit 2:0. Es herrschte eine super Atmosphäre, doch dann kamen wir in die Kabine und merkten, dass etwas nicht stimmt. Da saß Willi Entenmann wie ein Häufchen Elend. Zwei Tage später wurde er entlassen. Er war mein Förderer, vom Charakter her ein Top-Mann. Leider ist er inzwischen verstorben. Später erfuhren wir, dass er schon vor dem Spiel gegen Bayern wusste, dass er gehen muss."

… die Rivalität zwischen dem Club und Bayern:

"Die Spiele gegen Bayern waren immer Prestige-Duelle. Ich habe aber bis jetzt das Gefühl, die besondere Note wird mehr von Nürnberger Seite in das Derby getragen, weil Bayern - auch schon zu meiner Zeit als Spieler - über das Jahr verteilt viele Highlights hatte. Das soll die Vorfreude aber nicht schmälern. Diese Aufeinandertreffen waren immer heiße Spiele. Auch als Bayern-Spieler war die Reise zu meinem Ex-Verein etwas Besonderes. Nürnberg war nie eine Adresse, zu der man als FC Bayern einfach mal so hinfährt, das waren meistens enge Spiele.“

… das Phantomtor:

"Das war eine einzigartige Geschichte. Wir haben in München gespielt und waren in Rückstand geraten. Ich stand auf der Torlinie, weil ich eingeteilt war, den langen Pfosten zu sichern. Plötzlich jubelte jeder. Aber keiner wusste warum, denn der Ball war nicht im Tor. Es war definitiv kein Treffer. Das hatte jeder Spieler und das hatten die 70.000 Zuschauer im Stadion gesehen. Nur der Schiedsrichter und dieser ominöse Linienrichter nicht. Die Bayern haben es dankend angenommen. Wir hätten das Spiel auch noch drehen können, verschossen aber einen Elfmeter."

… Derby-Helden:

"Beim letzten Auswärtssieg 1992 war ich noch nicht dabei. Aber man führt immer Sergio Zarate an, wenn man davon spricht, die Bayern mal besiegt zu haben Er steht als Synonym für den Erfolg in München. Das gab es ja nicht allzu oft."


… die Motivation, den Bayern ein Bein zu stellen:

"Es ist generell ein Highlight, gegen Bayern München zu spielen, das ergibt sich aus der Rivalität. Bayern steht als Sinnbild für Erfolg. Dieser Erfolg ergibt, dass dich manche mögen und dich manche gar nicht mögen. Ich habe dort gespielt und habe einen Einblick gewonnen, warum vieles dort so gut ist, wie es ist. Daraus resultiert die besondere Motivation, denen ein Bein zu stellen. Das wollen unsere Fans auch und deshalb ist es ein interessantes Derby."

… die Gründe für seine Club-Mitgliedschaft:

"Im Vorfeld stand fest: Wenn mein Wechsel zu den Bayern von statten geht, werde ich Fördermitglied beim Club. Als mein Weggang bekannt gegeben wurde, habe ich Gegenwind gespürt. Das hatte ich so nicht erwartet, weil ich hier viele Jahre, auch in den unteren Ligen, gespielt habe. Ich war dem Club lange treu, und ich dachte, dass mir der eine oder andere verzeihen würde. Doch das war nicht so. Das haben die Fans mich bei meinem Abschied in der Kurve spüren lassen, als sie mich wegpfiffen. Da habe ich das erste Mal erfahren, was es heißt, als Club-Spieler mit dem FC Bayern München in Verbindung zu treten. Es war keine einfache Zeit, weil ich damals auch meine einzige schwere Verletzung, einen Knöchelbruch, auskurierte und an Krücken laufen musste. Dadurch konnte ich der Mannschaft nicht helfen."

… seine besondere Beziehung zum Club:

"Wenn ich gefragt werde: Was war dein Highlight? Dann kommt immer als erstes ein Ereignis beim 1. FC Nürnberg. Die Jahre hier beim Club sind die Jahre, die mir am meisten im Gedächtnis geblieben sind. Weil es bewegende Jahre waren mit den Abstiegen bis hinunter in die Regionalliga. Mit diesem Verein habe ich schwierige Zeiten durchlaufen, aber auch Aufstiege gefeiert. Die Bayern-Zeit war vor allem eine lehrreiche Zeit, auch wenn am Ende der Champions League-Sieg stand."

… die aktuelle Bayern-Dominanz:

"Die Bayern spielen derzeit in einer anderen Liga, sie haben absolute Konstanz in ihren Leistungen. Diese Dominanz verkörpern sie, strahlen sie aus. Wir haben die Verpflichtung, eine Top-Einstellung an den Tag zu legen. Es ist ein Fußballspiel, bei dem wir an unsere Leistungsgrenze gehen müssen. Wir werden uns dort teuer verkaufen, das entspricht dem Charakter unserer Mannschaft. Das ist unsere Strategie fürs Wochenende. Egal, wer bei den Bayern aufläuft: Die haben ein Heimspiel vor 70.000 Zuschauern; die werden sich zeigen. Da müssen wir versuchen, unangenehm, wach und konzentriert zu sein und uns nicht durch Rückschläge aus dem Konzept bringen zu lassen. Wir wollen 90 Minuten ehrliche Arbeit abliefern und auch mutig sein. Wir wissen natürlich auch, dass ein Fußballspiel seine eigenen Gesetze hat. Wir haben keine Angst, das ist das Wichtigste."

… 10.000 Club-Fans, die nach München fahren:

"Wir wissen, dass sich am Wochenende viele Fans auf den Weg machen, um uns zu unterstützen. Das ist ein Ausdruck, wie wichtig das Derby ist. Das wissen und fühlen wir. Dem wollen wir gerecht werden."

Spieldaten

29. Spieltag, 1. Bundesliga 2012/2013
4 : 0
FC Bayern München
5. 18466 1:0
17. Mario Gomez 2:0
24. 18466 3:0
56. Xherdan Shaqiri 4:0
1. FC Nürnberg
Stadion
Allianz-Arena
Datum
13.04.2013 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Michael Weiner
Zuschauer
71000

Aufstellung

FC Bayern München
Starke - 18466 - 18466 - 18466 - Contento - Tymoshchuk - Can - Shaqiri (71. Höjbjerg) - Pizarro - 18466 - Gomez
Reservebank
18466, Dante, Alaba, Höjbjerg, Martinez, Robben, Mandžukić
Trainer
Jupp Heynckes
1. FC Nürnberg
Schäfer - Balitsch - Nilsson - Klose (55. Plattenhardt) - Pinola - Simons - Kiyotake - Feulner - Frantz (83. Ildiz) - Esswein - Pekhart (46. Chandler)
Reservebank
Rakovsky, Ildiz, Kanazaki, Mendler, Polter, Chandler, Plattenhardt
Trainer
unbekannt

Ereignisse

5. min Spielstand: 1:0
18466

17. min Spielstand: 2:0
Mario Gomez

24. min Spielstand: 3:0
18466

44. min Spielstand: 3:0
Per Nilsson

46. min Spielstand: 3:0
Timothy Chandler kommt für Tomas Pekhart

47. min Spielstand: 3:0
18466

55. min Spielstand: 3:0
Marvin Plattenhardt kommt für Timm Klose

56. min Spielstand: 4:0
Xherdan Shaqiri

70. min Spielstand: 4:0
Javier Pinola

71. min Spielstand: 4:0
Pierre Emile Höjbjerg kommt für Xherdan Shaqiri

83. min Spielstand: 4:0
Muhammed Ildiz kommt für Mike Frantz