Profis Sonntag, 09.08.2020

36 Jahre nach seinem Club-Debüt: Eckstein im Interview

Foto: Sportfoto Zink

Vor 36 Jahren gab er sein Ligadebüt für den 1. FC Nürnberg: fcn.de wirft zusammen mit Dieter Eckstein einen Blick auf sein erstes Spiel, seine torreiche Karriere im Club-Dress und sein bewegtes Leben abseits der Platzes. Teil 1 des Interviews:

fcn.de: Servus Dieter! Was geht Dir beim Datum 09.08.84 durch den Kopf?

Dieter Eckstein: Ich glaube, dass ich da mein erstes Ligaspiel für den Club gemacht habe. Aber gegen wen? Da muss ich jetzt mal kurz überlegen. Das müsste in der 2. Liga gewesen sein, weil die 1. Mannschaft im Jahr vorher abgestiegen ist. Es müsste Blau-Weiß Berlin oder Hertha BSC gewesen sein. Das Ergebnis war auf jeden Fall ein 0:0.

fcn.de: Es war in der Tat gegen Hertha BSC!

Dieter Eckstein: Ja, irgendwas mit Berlin, habe ich es doch gewusst (lacht).

fcn.de: Hast du dieses Spiel noch gut in Erinnerung?

Dieter Eckstein: Ich erinnere mich noch daran, dass ich in der 64. oder 70. Minute für Rudi Stenzel ausgewechselt wurde. Wir hatten glaube ich nicht viele Torchancen, es war ein sehr zähes Spiel im alten Stadion zum Dutzendteich. Aber das 0:0 ging im Endeffekt in Ordnung.

fcn.de: Warst du vor dem Spiel nervös?

Dieter Eckstein: Als junger Hüpfer sein erstes Ligaspiel zu machen, da ist man natürlich ein bisschen nervös. Es war vor dem Spiel nicht zu 100 Prozent sicher, wie der damalige Trainer Heinz Höher spielen lässt. Ich war in der Sitzung vor dem Spiel nervöser, weil ich unbedingt spielen wollte. Als ich dann in der Aufstellung gelesen habe, dass ich von Anfang an spiele, war ich dann schon froh. Da ist man dann auch stolz darauf, wenn man darauf hingearbeitet hat. Schon als kleines Kind wollte ich Fußballprofi werden und da war auf jeden Fall auch Stolz dann dabei. Das hat dann auch überwogen.

fcn.de: Wenn man schon von deinem ersten Spiel spricht, dann muss auch an deine zahlreichen Tore denken, die noch folgen sollten. Kannst du dich noch an deinen ersten Treffer erinnern?

Dieter Eckstein: Ach du Schande (lacht). Normalerweise sollte sich jeder an sein erstes Tor erinnern, aber ich bin mir gerade nicht sicher.

fcn.de: Es müsste gegen den SC Freiburg gewesen sein.

Dieter Eckstein: Ah! Ich habe gerade noch überlegt, ob es gegen Freiburg war. Aber ja, jetzt kann ich mich sehr gut daran erinnern. Wir haben in Freiburg gespielt, was nur 60 Kilometer von meiner Heimatstadt Kehl entfernt ist. Viele aus der Stadt sind extra zum Spiel gefahren, um mich spielen zu sehen. Wir haben am Ende 1:0 gewonnen.

fcn.de: Genau, du hast das entscheidende Tor erzielt. Weißt du noch, wie das Tor entstanden ist?

Dieter Eckstein: Ich glaube, dass ich wie immer von links nach innen gezogen bin, mit dem rechten Fuß müsste es gewesen sein. Mit dem Kopf war es auf keinen Fall, damit habe ich zu wenig Tore gemacht (lacht).

fcn.de: Seitdem sind immerhin schon 36 Jahre vergangen. Um mal einen Einblick zu gewähren, vor allem für die jüngeren Fans unter uns: Wie waren die Umstände im Verein, als du damals für den Club aufgelaufen bist? Wie kann man das mit heute vergleichen?

Dieter Eckstein: Das kann man nicht wirklich mit der heutigen Zeit vergleichen. Wir hatten damals einen guten Kader, es waren routinierte und junge Spieler dabei. Die Trainingsmethoden von damals sind heute, obwohl wir schon Profis waren, maximal auf Regionalliganiveau gewesen. Ich war immer froh, wenn ich ins Training konnte. Heinz Höher hat uns immer top vorbereitet. Natürlich auch vom technischen Standpunkt hat sich der Fußball immens weiterentwickelt. Wenn man das mal vergleicht: vor der Trainingseinheit nach einem Spiel hat der Trainer 20 Minuten noch etwas über das Spiel gesagt und dann ging es auf den Platz. Heute werden erstmal Videoanalysen gemacht – klar, das ist irgendwo der Fortschritt, aber die Zeit früher war auch nicht schlecht (lacht).

fcn.de: Du hast Heinz Höher jetzt schon öfters erwähnt. Er war ja eine zentrale Figur im berühmt-berüchtigten Spieleraufstand im Oktober 1984…

Dieter Eckstein: … das kann man ruhig Revolution nennen (lacht)!

fcn.de: Wie hast du denn diese „Revolution“ wahrgenommen?

Dieter Eckstein: Wir sind damals schlecht in die Saison gestartet, haben unter unseren Erwartungen gespielt. Das ausschlaggebende Spiel war ein 1:1 gegen Oberhausen. In der 90. Minute, was für mich bis heute unerklärlich ist, rennen Udo Horsmann und Horst Weyerich wie die Verrückten bis zur Mittellinie, um eine Abseitsfalle aufzustellen. Der gegnerische Keeper spielt also diesen weiten Pass, der Stürmer ist durch und es steht 1:1. Danach ging dann die Revolution los. Beim darauffolgenden Training kamen die routinierten Spieler – Horsmann, Kargus, Weyerich – in die Kabine und haben dem Rest mitgeteilt, dass sie die Presse kontaktiert haben, dass sie unter Höher nicht mehr trainieren wollen. Ich dachte mir schon da, dass das nicht gut gehen kann. Die jungen Spieler, also auch ich, sind dann zum Training gegangen, der Rest blieb in der Kabine sitzen. Ich bin froh, dass es am Ende so ausgegangen ist wie es ist, weil manche jungen Spieler bestimmt nicht so eine tolle Karriere hingelegt hätten.

fcn.de: Zählst du dich dazu?

Dieter Eckstein: Gute Frage. Man weiß ja nicht, welcher Trainer andernfalls gekommen wäre und wie es dann gelaufen wäre. Höher hat die jungen Spieler gekannt. Er hat mich zum Beispiel immer gefordert, weil er wusste, dass ich ein kleiner Lump war (lacht). Wer weiß, wenn dann ein Trainer gekommen wäre, der mit uns jungen Wilden nicht zurechtgekommen wäre. Wie gesagt: Ich bin froh, dass Höher Trainer geblieben ist.

Im zweiten Teil des Interviews, das in den kommenden Tagen folgt, erzählt Eckstein, was er in seiner Karriere vielleicht hätte anders machen können, warum Rudi Stenzel einst 100 DM-Mark vom Trainer gewann und was er heute so macht.