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Die Präsidenten des 1. FC Nürnberg

Pelzners und Schregles Ziel war es, den Club als Verein für Leibesübungen aller Art und die Club-Gemeinschaft als Club-Familie auszugestalten und vor allem die Jugendarbeit voranzutreiben. Schon bestehende Abteilungen wurden ausgebaut, neue gegründet: Leichtathletik (erste Anfänge 1902), Ski (1907), Hockey (1908), Schwimmen (1913), Handball (1921), Tennis (1924), Boxen (1925), Rollschuh- und Eislauf (1937).

1930 machte Schregle, der als Sozialdemokrat längst in die Politik gegangen war und dem Club nach Ende des Zweiten Weltkriegs noch wertvolle Hilfestellung leisten sollte, einem Mann Platz, der die Geschicke des Vereins insgesamt 20 Jahre und damit länger als alle seine Vorgänger und bislang auch alle seine Nachfolger leiten sollte: Ludwig Franz.

Der Vereinsführer

Franz war Mitglied der großen Nürnberger Fußballerkanzlei. Sie residierte zunächst in der Ludwigstraße und später in der Königstraße und bestand aus Ludwig Bäumler, dem Club-Vorsitzenden zu Beginn der 20er Jahre, und den jungen Anwälten Karl „Bibi“ Müller und eben Ludwig Franz. Franz, eher bescheiden und zurückhaltend, und Müller, eher vital und ungestüm, traten nahezu als Zwillingspaar auf.

War der eine erster Vorsitzender, wirkte der andere als sein Stellvertreter und umgekehrt. In ihrer Kanzlei wimmelte es nur so von Fußballinteressierten und Cluberern und dort wurden jahrzehntelang die Geschicke des 1. FCN geleitet.

Jenö Konrad wird vertrieben

Nach seiner Wahl zum ersten Vorsitzenden hatte Rechtsanwalt Franz es vor allen Dingen mit der Inflation und dem Siegeszug des Nationalsozialismus zu tun. Franz, der im August 1925 Club-Mitglied geworden war und zuvor bei der zweiten Mannschaft der SpVgg Fürth im Tor stand, galt als klug, gütig und selbstlos.

Doch schon im August 1932 musste er hilflos mitansehen, wie das antisemitische Hetzblatt "Der Stürmer" den damaligen jüdischen Club-Trainer Jenö Konrad ins Exil trieb. Nach langen Jahren ohne Trainer hatte sich der Club-Vorstand 1930 nach langwierigen Debatten zum Engagement des ehemaligen Mittelläufers von MTK Budapest durchgerungen. Nun floh er nach Wien und Franz’ Sozietätskollege, der zweite Club-Vorsitzende Karl Müller, hielt die Abschiedsrede am Bahnhof: „Mit aufrichtiger Rührung haben wir einen untadeligen Menschen von uns gehen sehen, dem bitteres Unrecht angetan worden ist, an dem der Verein kein Teil hat.“

Müller löst Franz ab

Schon im April 1933, also drei Monate vor der offiziellen Gleichschaltung aller Vereine, hatte der Club unter Regie von Franz und dem NSDAP-Mitglied Karl „Bibi“ Müller seine „Stellung zur Judenfrage“ geklärt.

Alle jüdischen Mitglieder wurden aus der Mitgliederliste gestrichen. Insbesondere Müller, der im Februar 1935 den nicht mehr kandidierenden Franz ablöste, verfasste in der Vereinszeitung eine Ergebenheitsadresse nach der anderen für die nationalsozialistischen Machthaber. Vereinsvize wurde damals der NSDAP-Stadtrat und Rechtsanwalt Gottfried Biemüller. „Der Charakter der Leibesübungen ist nationalsozialistisch, und so bekennt sich unser Verein freudig zum Nationalsozialismus“, schrieb Biemüller zum 40-jährigen Jubiläum des 1. FCN. „Die Juden verschwanden aus dem Verein, die Demokraten zogen sich zurück, und die Vereinsführer gaben, um das Eigentum des Vereins nicht zu gefährden, klein bei und heulten in der Folge mit den Wölfen“, kritisierte die Vereinszeitung vom März 1948 die damalige Vereinsführung.

Einschmelzung von Pokalen, Meisterschalen und Medaillen

Obwohl vor allem Müller sich die NS-Sprache angeeignet hatte, zusammen mit der Nürnberger NSDAP-Parteispitze in der Ehrenloge saß und offiziell auch als „Dietwart“ für die politische Schulung der Club-Kicker verantwortlich war – ein glühender Nationalsozialist war er nie.

Das bestätigten nach dem Krieg auch Hans Hofmann und Hans Schregle, die beide als Sozialdemokraten entschiedene NS-Gegner waren. Trotzdem trauert man auch heute noch beim Club den vielen schönen Pokalen, Meisterschalen und Medaillen nach, die der Verein auf Anweisung von Müller der „Metallspende des deutschen Volkes“ im April 1940 zur Verfügung stellte, um daraus Waffen für den Krieg zu schmieden.

Der Alt-Cluberer

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieb Müller an der Spitze des Vereins. Eine schlagkräftige erste Mannschaft auch in Kriegszeiten war sein Ziel. Deshalb verpflichtete er auch im Einvernehmen mit dem langjährigen Club-Kassier Adam Winkler, der trotz schwierigster finanzieller Bedingungen grünes Licht gab, die erfolgreich wirkenden Trainer Alv Riemke und „Bumbes“ Schmidt.

1945, als die Tribüne im Zabo abgebrannt, der Rasen von Bombentrichtern übersät war, den 1. FCN eine Schuldenlast von rund einer halben Mio. Mark drückte und die Alliierten das Club-Heim beschlagnahmt hatten, übernahm der große alte Mann des Vereins, Hans Hofmann, das Kommando. Mit Hofmann stand nach all den Lehrern und Rechtsanwälten wieder einmal ein begeisterter Fußballer an der Spitze.