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Timo Rost: "Der Druck ist enorm"

Neun Zweitliga-Spiele für den Club und Energie-Kapitän: Timo Rost

Nürnberg - Timo Rost ist waschechter Franke, hat die Jugendmannschaften des 1.FCN durchlaufen und im Alter von 19 Jahren auch sein Profi-Debüt für den Club in der zweiten Liga gegeben. Danach zog es den kampfstarken Mittelfeldspieler über den VfB Stuttgart und Austria Wien zum FC Energie Cottbus, für den der gebürtige Happurger inzwischen seine siebte Saison absolviert.

Anlässlich des Kellerkrimis zwischen den Franken und Lausitzern am Sonntag (24.02.08), 17.00 Uhr, im easyCredit-Stadion kehrt der Energie-Kapitän nun in seine Heimat zurück - fcn.de bat Timo Rost zum Interview.


fcn.de: Timo Rost, gegen Dortmund gab's am Samstag ein 0:2. Bundeskanzlerin Merkel hat Ihrem Team scheinbar kein Glück gebracht - oder lag es nicht daran?

Timo Rost: Dass Frau Merkel im Stadion dabei war, war sicherlich ein schöner Nebeneffekt. Es ist natürlich auch toll, dass sie Ehrenmitglied von Energie ist. Aber das hat überhaupt nichts mit unserer Leistung im Dortmund-Spiel zu tun. Da ist wirklich so einiges bei uns in die Hose gegangen. Danach hatten wir eine heftige Aussprache - alle sollten nun begriffen haben, wie ernst die Lage ist und dass wir uns den Hintern aufreißen müssen.

Am kommenden Spieltag kommt es zum Showdown: Nürnberg spielt gegen Cottbus, Bielefeld am Tag zuvor gegen Duisburg. Könnte da schon eine Vorentscheidung im Kampf um den Klassenerhalt fallen?

Rost: Sicherlich sind danach noch einige Runden zu absolvieren, aber Sie haben schon recht: Dieser 21. Spieltag ist sehr, sehr wichtig! Alle vier haben die Chance, unmittelbar gegeneinander zu punkten. Und genau das könnten die Zähler sein, die am Ende im direkten Vergleich den Ausschlag geben.

Das unglückliche Aus des Club nach tollem Spiel gegen Benfica - was glauben Sie, Timo: Wird das den Nürnbergern einen Schub für Sonntag geben, oder wird der Frust überwiegen?

Rost: Ich bin ja Franke und nur etwa 30 Kilometer entfernt von Nürnberg geboren, meine Eltern und Verwandten sowie viele Freunde leben dort. Deshalb schlägt mein Herz natürlich auch immer noch für den Club. Die Mannschaft hat gegen Lissabon eine tolle Leistung geboten und hätte das Weiterkommen verdient gehabt. Doch wenn man am Ende ausscheidet, kann man sich dafür leider nichts kaufen. Dieses Gefühl, wieder mal mit leeren Händen dazustehen, wird mit Blick auf Sonntag also nicht unbedingt einen positiven Impuls gegeben haben.

Die bisherigen Duelle zwischen dem Club und Energie waren immer sehr eng, die Bilanz ist ausgeglichen. Was erwarten Sie für eine Partie im easyCredit-Stadion?

Rost: Der Druck ist enorm, aber er lastet in erster Linie auf dem Club. Die Nürnberger sind Gastgeber und sind überraschend mit in den Abstiegskampf gerutscht. Wenn es da gegen uns keine drei Punkte gibt, wäre das im Frankenland schon eine kleine Katastrophe. Ich rechne aus diesem Grund mit Nürnbergern, die von Beginn an volles Rohr auf Angriff spielen werden. Wir werden eine erheblich konzentriertere Leistung als zuletzt gegen Dortmund zeigen müssen, damit wir endlich den ersten Auswärtssieg in dieser Saison holen.

In Cottbus hat man den Trainer ausgetauscht, beim Club vor kurzem auch. Von Ihrer Warte aus: Kann so ein Wechsel Kräfte freisetzen?

Rost: Klar - insbesondere dann, wenn wie bei uns im letzten Sommer und jetzt auch in der Winterpause so viele neue Spieler dazugestoßen sind. Da ist die Integration immer wieder eine große Herausforderung, zumal im Bundesliga-Alltag nicht gleich alle auf dem Platz zum Zuge kommen können. Da bietet ein Trainerwechsel jedem die Chance, sich erneut zu profilieren, das wiederum entfacht den Konkurrenzkampf. Also ein positives Signal.

Sollte Energie nach dem 34. Spieltag über dem Strich stehen: Wird die Party dann noch größer ausfallen als vor einem Jahr?

Rost: Wie schon gesagt - bei uns ist so vieles passiert. Viele neue Spieler mussten integriert werden, dann kam ein neuer Coach und im Winter noch einmal eine Hand voll neuer Profis. Insgesamt also einige Probleme, die uns den Neuaufbau in dieser Spielzeit erschwert haben. Und nicht jeden Sommer schüttelt man Granaten wie Radu oder Munteanu aus dem Ärmel, die sofort einschlagen. Angesichts der Tatsache, dass das der größte personelle Umbruch in meiner Cottbuser Zeit ist, wird es im Falle des Klassenerhalts sicherlich eine viel größere Feier als vor einem Jahr geben!

Sie spielen Ihre fünfte Bundesliga-Saison. Eine haben Sie bislang für Stuttgart und vier für Cottbus absolviert. Gegen Dortmund am vergangenen Wochenende bestritten Sie Ihre 100. Bundesliga-Partie und standen zudem im Verlaufe dieser Spielzeit jedes Mal in der Startelf. Wollen Sie sich beruflich trotzdem noch einmal verändern?

Rost: Der Stellenwert, den ich hier habe, ist riesig, und als Kapitän stehe ich auch in der Verantwortung. Der besondere Spaß und Reiz in Cottbus liegt einfach darin begründet, bei einem kleinen Verein etwas mitaufbauen und bewirken zu können statt bei einem großen Team nur mitzulaufen. Ob neue Tribüne oder Mannschaftsbus, die Infrastruktur in Cottbus ist gewachsen. Ich konzentriere mich jedenfalls voll auf Energie und gebe alles für den Verein. Andererseits weiß ich auch, dass der Profifußball ein schnelllebiges Geschäft ist.

Sie haben die drei Cottbuser Bundesliga-Trainer erlebt: Geyer, Sander und Prasnikar, die alle als "harte Hunde" gelten. Wer ist der größere Schleifer?

Rost: Alle drei sind Trainer der alten Schule, die hart arbeiten lassen. Und alle sind Disziplin-Fanatiker. Da gibt es nur spezifische Unterschiede - und insofern würde ich Ede Geyer eher als Schleifer, Prasnikar als Taktikfuchs und Sander als akribischen Arbeiter bezeichnen.

Beim Club haben Sie 1997 Ihr Profidebüt gefeiert. Haben Sie noch Kontakte zum Verein?

Rost: Ja - und das kurioserweise gegen Cottbus im Stadion der Freundschaft, als ich kurz vor Schluss von Felix Magath eingewechselt worden bin! Ansonsten gibt es zum 1.FCN keine Kontakte mehr, ich habe ja auch mit keinem Spieler aus dem aktuellen Kader mehr zusammengespielt. Verbindungen gibt's aber natürlich noch zu Zeugwart Chico Voigt. Außerdem werden am Sonntag über 30 Verwandte und Freunde von mir auf der Tribüne sitzen.