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Der Club im DFB-Pokal, Teil V

Pokalfinale '82: Reini Hintermaier (li.) im Lauf-Duell mit Paul Breitner

Den Schlusspunkt unserer Pokalserie setzt das Finale 1982.

Erst 20 Jahre nach dem sensationellen 2:1-Erfolg über Düsseldorf in Hannover hatten die Cluberer wieder die Hand am Pott. Und wieder ist Frankfurt mit dabei. Diesmal aber nicht die Eintracht, sondern das Frankfurter Waldstadion.

Im dort ausgetragenen Pokalfinale führt der 1.FCN am 1. Mai zur Pause schon mit 2:0 - Reinhold Hintermaier, mit seinem denkwürdigen 38-Meter-Tor, und Werner Dreßel haben die Treffer erzielt. Zudem hat Schiedsrichter Gerd Hennig dem Club noch einen Strafstoß verweigert. Dann aber naht Ungemach. "Trainer Udo Klug hat uns in der Pause plötzlich nur noch gesagt: 'Schaut, dass ihr ja keinen reinkriegt'", erinnert sich Hintermaier und räumt ein: "Bei uns hat plötzlich das große Denken eingesetzt. Wir steckten damals mal wieder mitten im Abstiegskampf, und dann führst du als krasser Außenseiter gegen den großen Favoriten mit 2:0. Plötzlich hatten wir etwas zu verlieren."

Bayern dreht die Partie

Statt wie in der ersten Halbzeit die Bayern an die Wand zu spielen, zittern die Cluberer plötzlich. Karl-Heinz Rummenigge verkürzt und Wolfgang Kraus gleicht nach einem Pfostentreffer von Herbert Heidenreich im direkten Gegenzug aus. 2:2 nach 65 Minuten, und dann schenkt der unglücklich pfeifende Hennig den Bayern einen Strafstoß - 3:2 durch Paul Breitner (72.). Der mit einem dicken, Blut durchtränkten Turban durchhaltende Dieter Hoeneß setzt mit seinem Kopfballtor (!) in der 89. Minute den 4:2-Schlusspunkt. Zuvor hatte der bullige Münchner Mittelstürmer mit zwei Vorlagen - natürlich per Kopf - die Wende eingeleitet.

Hoeneß sicherlich eine Symbolfigur dieses dramatischen Finals. Der heutige Hertha-Manager trug den Kopfverband, nachdem er mit Alois Reinhardt zusammengerasselt war. Den Vater des Club-Verteidigers Dominik Reinhardt erinnert noch heute eine kleine Narbe an der Stirn an das schmerzhafte Aufeinandertreffen. "Das war das entscheidende Duell. Während Alois verständlicherweise nicht mehr ganz so entschlossen in die Kopfball-Duelle gegangen ist, ist Hoeneß weiter voll drauf gegangen - da war schon ein Schuss Wahnsinn dabei", meint Hintermaier.

Riesen Enttäuschung und Höhepunkt zugleich

Hintermaier, der sich heute um den Nürnberger Nachwuchs kümmert und gerade mit der U15 des 1.FCN die Meisterschaft gewonnen hat, fühlt sich dennoch als Pokalsieger. "Das Finale habe ich schon oft auf Video gesehen, aber immer nur die erste Halbzeit! Der Rest interessiert mich nicht..."

"Riesig, unbeschreiblich" sei die Enttäuschung damals dennoch gewesen. "Ich habe sehr lange gebraucht, um das zu verarbeiten." Für den österreichischen WM-Teilnehmer von 1982 und 15-maligen Nationalspieler war diese Partie "der Gipfel. Meiner Meinung nach das beste Endspiel der vergangenen 25 Jahre." Ähnlich sieht es das Fußball-Magazin 11 Freunde, das das Pokalfinale im Ranking der 100 größten Spiele aller Zeiten auf Platz 43 führt. Acht Plätze besser als das 74er-WM-Finale Deutschland gegen Niederlande...

"Nein, schieß nicht!"

Auch Weltmeister Klaus Augenthaler schwärmt heute noch vom bayerisch-fränkischen Pokal-Derby vor 25 Jahren: "Das werde ich nie vergessen. Weil es so spannend war und auch mein erster Titel mit den Bayern überhaupt." Und Hintermaier? Der wird natürlich regelmäßig - und gerade in diesen Tagen - auf sein Hammer-Geschoss angesprochen, bei dem es für den Ex-Cluberer im Bayern-Kasten, Manni Müller, nichts zu halten gab. "Ich habe schon viele schöne Tore geschossen", sagt "Reini", "doch das war mit Abstand das Schönste." Dabei hatte Teamkollege Peter Stocker unmittelbar zuvor noch geschrien: "Nein, schieß nicht!"



- Ende der Serie -