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"Mit der Borussia wird zu rechnen sein"

Peer Kluge (re.) fällt im Kampf um den Ball mit dem Cottbusser Sidney

Nürnberg - Für den Gladbacher Peer Kluge wäre das Spiel am Freitag (18.08.06, 20.30 Uhr) beim 1. FC Nürnberg ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Trainer und Förderer Hans Meyer gewesen. Der jetzige Nürnberger Coach hatte den Mittelfeldakteur 2001 vom Chemnitzer FC zur Borussia geholt und aus dem Nachwuchstalent einen Stammspieler gemacht.

Doch Kluge verletzte sich ausgerechnet in seinem 100. Bundesliga-Spiel am vergangenen Samstag gegen Energie Cottbus und fällt nun aufgrund eines Innenbandabrisses im rechten Sprunggelenk für mindestens vier Wochen aus.

Dennoch stand uns der 25-Jährige für ein Interview zur Verfügung. Darin spricht Kluge unter anderem über seine Entwicklung in Gladbach, die gestiegenen Erwartungen an den Verein nach der Verpflichtung von Jupp Heynckes als neuen Coach und natürlich über die Begegnung am Freitag in Nürnberg.

fcn.de: Peer Kluge, die Borussia ist erwartungsgemäß mit einem Auftaktsieg gegen den Aufsteiger Cottbus in die Saison gestartet. Vor allem in der ersten Halbzeit hat die Mannschaft sich dabei aber sehr schwer getan. Wie bewerten Sie den 2:0-Erfolg?

Peer Kluge: Das war natürlich ein ganz wichtiger Sieg für uns. Wir hatten aufgrund der Saisonvorbereitung, die nicht ganz so verlief, wie wir uns das vorgestellt hatten, natürlich noch nicht die nötige Sicherheit und das nötige Selbstvertrauen. Von daher war es schon wichtig, mit einem Sieg in die Saison zu starten und Selbstvertrauen zu tanken. Hinzu kommt natürlich, dass man gerade vor eigenem Publikum einen guten Saisonstart hinlegen will, was uns mit dem Sieg dann ja auch gelungen ist.

Bis zum 1:0 wirkte die Mannschaft verunsichert. Lag das ausschließlich an den Erfahrungen aus den letzten fünf Testspielen in der Vorbereitung, von denen die Borussia keins gewann?

Peer Kluge: Sicherlich hat das eine Rolle gespielt. Aber man muss auch sehen, dass Cottbus defensiv gut gestanden hat und mit Kontern natürlich versucht hat, zum Erfolg zu kommen. Sie haben es uns wirklich nicht leicht gemacht. Wenn einem dann die Sicherheit und das Selbstvertrauen fehlt, macht es die Aufgabe nicht einfacher. Umso wichtiger war es also, dass wir das Spiel erfolgreich absolviert haben.

Um mehr Sicherheit ins Spiel zu bekommen, hat Jupp Heynckes gegen Cottbus kurzfristig sein System umgestellt und statt der von ihm eigentlich favorisierten Raute im Mittelfeld mit Ihnen und Eugen Polanski zwei "Sechser" eingebaut. Passt diese defensivere Variante besser zum Kader der Borussia?

Peer Kluge: Das würde ich so nicht sagen. Wir haben letzte Saison hauptsächlich mit der Raute im Mittelfeld gespielt und waren damit gerade in der Hinrunde sehr erfolgreich. In der Rückrunde lief es natürlich nicht so gut, was ich aber nicht am System festmachen möchte. Ich denke wir können beide Systeme erfolgreich spielen.

Ein Schwachpunkt im Gladbacher Spiel war in der Vergangenheit die Position im offensiven Mittelfeld. Zur Verstärkung wurde deshalb im Sommer Federico Insua von den Boca Juniors verpflichtet. Ein Volltreffer?

Peer Kluge: Nach einem Spiel und vielleicht zehn Trainingseinheiten, die Federico Insua jetzt bei uns absolviert hat, kann man natürlich noch kein Urteil darüber fällen, ob ein Neuzugang ein Volltreffer ist oder nicht. Federico ist ein sehr guter Fußballer und jeder konnte bereits sehen, dass er sehr gute Bälle spielen kann. Ich denke, dass er die Verstärkung werden kann, die sich alle gewünscht hatten. Da muss man aber auch ein wenig Geduld haben und die nächsten Spiele abwarten. Wichtig ist, dass er Anschluss an die Mannschaft findet. Bisher hat er sich und die Mannschaft ihn sehr gut integriert.

Sie sind seit 2001 ein Borusse und haben inzwischen schon fünf Saisonvorbereitungen in Mönchengladbach mitgemacht - in diesem Jahr zum ersten Mal unter Jupp Heynckes. Zuvor haben Sie mit Hans Meyer, Holger Fach, Dick Advoocat und Horst Köppel bereits vier Trainer in Gladbach erlebt. Was macht denn der neue Coach anders als seine Vorgänger?

Peer Kluge: Jeder Trainer hat natürlich ein anderes Konzept und eine andere Vorstellung, wie gespielt und wie trainiert werden soll. Von daher läuft die Vorbereitung natürlich auch unterschiedlich ab. Der Trainer ist sehr akribisch in seiner Arbeit, achtet auf sehr viele Details. Das kommt uns als Mannschaft auch zu Gute. Er hat neue Methoden, wie beispielsweise die Videoanalyse des Trainings, eingeführt. Jeder Trainer ist halt unterschiedlich. Deswegen heißt das nicht, dass die bisherigen Trainer keine gute Vorbereitung gemacht hätten.

Sie kamen als junger Spieler von Chemnitz nach Gladbach, wo man Sie als entwicklungsfähiges Talent vorstellte. Wie sehen Sie Ihre Entwicklung in den letzten fünf Jahren? Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für das nächste Jahr gesetzt?

Peer Kluge: Ich denke, dass ich zufrieden sein kann. Ich habe hier viel gelernt. Nicht nur sportlich, sondern auch als Mensch. Ich habe seit ich hier bin unter jedem Trainer meine Spiele gemacht und ich denke, das wird auch so bleiben. Das Ziel ist natürlich guten Fußball zu zeigen und mit Borussia in Tabellenregionen zu kommen, die wir in den letzten Jahren nicht erreicht haben.

Schon Anfang der vergangenen Saison sprachen nicht wenige Gladbacher Fans hinter vorgehaltener Hand vom UEFA-Cup-Platz. Die Verpflichtung von Heynckes hat die Erwartungshaltung der Anhänger nicht gerade gedämpft. Wie fällt Ihr Blick auf die neue Saison aus? Muss man mit der Borussia wieder rechnen?

Peer Kluge: Ich glaube schon. Wenn wir eine richtige Einheit werden und als Mannschaft weiter zusammenwachsen, halte ich es schon für möglich, dass wir wieder erfolgreicher sein werden. Am Ende steht vielleicht nicht direkt ein UEFA-Cup-Platz - da ist Platz sieben schon realistischer - aber ich glaube schon, dass mit Borussia wieder zu rechnen sein wird.

Am Freitag tritt Mönchengladbach in Nürnberg an. Der Club hat in seinem Auftaktspiel in Stuttgart nahtlos an die starke Leistung der vergangenen Rückrunde angeknüpft. Was trauen Sie der Mannschaft Ihres ehemaligen Trainers Meyer für die neue Spielzeit zu?

Peer Kluge: Der Club hat sich sehr gut und sehr gezielt verstärkt. Das war schon immer eine Stärke von Hans Meyer: ganz genau zu wissen, wo er welche Verstärkung benötigt. Dazu trainiert er jetzt ein eingespieltes Team. Ich denke, dass der FCN diese Saison noch für Furore sorgen kann.

In der letzten Saison zog Gladbach gegen den Club zwei Mal den Kürzeren. Warum wird Ihr Team diesmal nicht erneut als Verlierer vom Platz gehen?

Peer Kluge: Wir stehen momentan viel kompakter, lassen uns nicht so schnell, wie in der vergangenen Rückrunde, aus der Ruhe bringen. Ich denke, dass das ein wesentlicher Unterschied zur letzten Saison ist, der es schwerer macht, gegen uns zu gewinnen.

Vielen Dank, Peer Kluge, und gute Besserung!