Eliyah Rau stürmt seit Sommer 2024 für die ClubNachwuchs-Teams und studiert „nebenbei“ an der Uni. Die Geschichte des 19-Jährigen zeigt, dass sich der Weg zum Profifußballer mit dem Studienalltag durchaus verbinden lässt.
Eliyah Rau selbst ging bisher den typischen Weg eines Nachwuchsfußballers im Nachwuchsleistungszentrum. Von seinem Jugendverein FC Königstein ging er mit 14 Jahren zu den Stuttgarter Kickers, 2020 zum VfB Stuttgart. Nach dem Abitur hat er sich für den Wechsel zum 1. FC Nürnberg entschieden – auch, weil hier Hochschulen und Universität in der Nähe sind.
Eliyah Rau war immer klar, dass er sich weiterhin bilden mochte, um im Kopf aktiv zu bleiben. Während viele sich nach dem Abitur erstmal eine Auszeit gönnten, wollte der gebürtige Stuttgarter das unbedingt vermeiden. „In meiner Abiturzeit habe ich gemerkt, dass es wichtig ist, regelmäßig zu lernen und im Lernfluss zu bleiben. Ich möchte mich einfach selbst fordern“, sagt er. Außerdem findet Rau darin auch einen Ausgleich zum täglichen Fußballgeschäft: „Es ist für mich keine Pflicht, die ich abarbeiten muss, ich genieße das wirklich. Es tut gut, wenn man sich auch ein Sozialleben neben dem Platz aufbaut und man mal abschalten kann. Wenn ich für die Uni lerne, habe ich den Kopf bei anderen Themen. Das nimmt mir etwas den Druck im Sport.“
In Nürnberg angekommen, immatrikulierte sich Rau zunächst für ein Wirtschaftsinformatik-Studium. Einblicke in das Studienleben an einer Uni sammeln, das eigenständige Lernen lernen, Grundwissen aufbauen. Großer Traum des U23-Spielers aber bleibt das Jura-Studium. „Auch mein Vater ist Jurist und sehr glücklich über meine Entscheidung. Er kann mich unterstützen und mir Tipps geben.“
Auch wenn sich mit dem Jura-Studium ein kleiner Traum für Eliyah Rau erfüllt, ist er sich der Herausforderung bewusst: „Das ist natürlich wesentlich zeitintensiver, aber ich bekomme die volle Unterstützung vom Verein und von meiner Familie.“ Für anstehende Praktika müssen dann eben die sonst freien Winter- und Sommerpausen herhalten. „Wenn ein Spieler mit dem Wunsch auf uns zukommt, ein Studium absolvieren zu wollen, helfen wir ihm bestmöglich, dass er das mit seiner Ausbildung als Fußballer vereinbaren kann. Wir wollen die Jungs individuell in ihrer Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen – und das kann auch der Weg an die Universität neben dem Fußballplatz sein“, sagt Dieter Frey, Sportlicher Leiter im Club-Nachwuchs, der bis vor zwei Jahren als Lehrer an der Bertolt-Brecht-Schule gearbeitet hatte.
Was für manche trocken und öde erscheint, ist für Eliyah Rau die perfekte Wahl: „Ich bin jemand, der gerne versucht, argumentativ die Lösungen zu finden.“ Ein Fachgebiet steht noch nicht fest, die Perspektive schon. „Es gibt die Möglichkeit, deutsch-französisches Recht zu studieren -dann kann ich in Deutschland und in Frankreich arbeiten“, erzählt Rau, der fließend Französisch spricht.
Dass die Vereinbarkeit von Fußballplatz und Hörsaal nicht immer einfach sein wird, weiß der Mittelstürmer: „Mir ist bewusst, dass es schwer wird, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen und für beide Projekte die gleiche Motivation und Energie aufzubringen.“ Was ihn umso optimistischer stimmt, ist die Unterstützung innerhalb des Vereins. „Wir haben mit unserem sportlichen Leiter Dieter Frey und der pädagogischen Leitung Magda Thiel zwei super Ansprechpartner beim FCN, die mich hier begleiten und mir vieles ermöglichen“, zeigt er sich dankbar.
„Im Zweifelsfall kann ich auch mal früher vom Training gehen oder, wenn eine wichtige Prüfung ansteht, die Einheit sogar ausfallen lassen. Dafür bin ich dem 1. FC Nürnberg sehr dankbar“, sagt Rau.
Schule und Uni im ClubNachwuchs
- 17 Schulabschlüsse in der Saison 2024/25 (Quali und Mittlere Reife; aufgrund Umstellung von G8 auf G9 kein Abitur)
- 6 Studierende im ClubNachwuchs