Es ist Samstag, der 26. Januar 2019. An der S-Bahn-Haltestelle „Frankenstadion“ entbrennt ein Streit unter Jugendlichen. Luca Ballmann und Frederik Wilke, beide 16 Jahre alt, wollen schlichtend eingreifen. Von zwei 17-Jährigen werden sie ins Gleisbett gestoßen und Sekunden später von einem einfahrenden Zug überrollt. Luca und Frederik werden Opfer einer sinnlosen Gewalttat.
Die Angehörigen sind untröstlich, die Region ist fassungslos. Schließlich entscheiden sich die Familien Ballmann und Wilke, dieser Sinnlosigkeit eine Sinnhaftigkeit entgegenzusetzen. An Frederik und Luca soll sich in einer Art erinnert werden, die ihrer Lebensfreude, ihren Werten und ihrem Engagement für andere gerecht wird. Beide Familien gründen die Frederik und Luca-Stiftung. Ihr Ziel: Initiativen und Maßnahmen zu unterstützen, um ein friedliches, tolerantes, menschenwürdiges und gewaltfreies Miteinander zu fördern und Menschlichkeit, Nächstenliebe, Bildung, selbstloses Engagement und Zivilcourage in unserer Gesellschaft zu verankern.
An nahezu jedem zweiten Wochenende strömen die Club-Fans zum Max-Morlock-Stadion. Die Haltestelle „Frankenstadion“ ist ein zentraler Anlaufpunkt, liegt in direkter Verbindung zwischen Heimspielstätte und Vereinsgelände am Valznerweiher. Frederik und Luca waren Club-Fans. Auch die Club-Familie steht nach dieser sinnlosen Gewalttat unter Schock, der Verein sucht früh den Kontakt zu den Familien. Tauscht sich immer wieder über mögliche Wege der Erinnerungs- und Zusammenarbeit aus. Es muss sich richtig anfühlen.
Jetzt ist das passende Projekt gefunden. Schon seit 2016 bringen Trainerinnen und Trainer des FCN Kinder an Grund-, Förder- und weiterführenden Schulen mit der Spielform 1. FC Niño (Funiño) in Bewegung. Warum nicht Fußball und Gewaltprävention verbinden? Im Teamsport Fußball geht es um Wettkampf, Sieg und die Auseinandersetzung mit einem Gegner – auf spielerische, faire und regelkonforme Weise.
Der 1. FC Nürnberg und die Frederik und Luca-Stiftung schicken in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Karate-Bund extra ausgebildete Trainerinnen und Trainer an Grundschulen. In Kombination mit Ball und Bewegung bringen sie den Kindern bei, präventive Maßnahmen gegen verschiedene Formen von Gewalt zu verstehen und anwenden zu können. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Techniken zur Konfliktbewältigung, sondern auch um die Förderung von sozialen Kompetenzen und die Stärkung des Selbstbewusstseins bei Kindern. Mit ihrem Gewaltpräventionskurs sind der FCN und die Frederik und Luca-Stiftung momentan zu Gast an drei Grundschulen im Nürnberger Stadtgebiet.
„Die Frederik und Luca Stiftung engagiert sich seit 2019 in vielen Bereichen für ein gewaltfreies und friedliches Miteinander, speziell im Kindes- und Jugendalter. Daher sind wir sehr froh, dass es gelungen ist, mit dem 1. FC Nürnberg ein eigenes Gewaltpräventionskonzept zu entwickeln und umzusetzen. Die Durchführung des Projektes ermöglicht es den Jugendlichen an Grundschulen im Raum Nürnberg aufzuzeigen, dass Gewalt die schlechteste Lösung im Umgang mit anderen ist und gibt ihnen Lösungsansätze an die Hand, mit Gewalt richtig umzugehen. Ein Thema, welches in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird und dem wir uns nicht verschließen dürfen“, sagt Lucas Papa, Georg Ballmann.
„Der 1. FC Nürnberg bringt auf dem Rasen, im Stadion und in der Region viele Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund zusammen. Sie sollen fair, friedlich und respektvoll im Umgang alles für ihre Farben geben. Man kann nicht früh genug damit beginnen, Kinder für Respekt, Verständnis
und Vielfalt zu sensibilisieren. Diese Werte bilden die Grundlage für ein harmonisches Miteinander, sowohl auf als auch neben dem Spielfeld. Wir sind deshalb sehr stolz darauf, gemeinsam mit der Frederik und Luca-Stiftung und dem bayerischen Karate-Bund unsere Kleinsten in einem tollen Projekt für ein Leben und einen Fußball ohne Gewalt fit zu machen“, sagt Niels Rossow, Vorstand Strategie und Marketing beim 1. FC Nürnberg.
Gewalt ist keine Lösung. Nie und nirgends. Frederik und Luca haben sich dafür eingesetzt. Mit unserem Gewaltpräventionskurs wollen wir ihre Werte hochalten und andere vor Gewalttaten bewahren.