Ein Platz, zwei Tore, ein Ball, zwei Teams und Fans, die ihre Mannschaft als „zwölften Mann“ bedingungslos anfeuern: Die Zutaten für ein erfolgreiches Fußballspiel sind denkbar einfach. Und doch wird immer wieder ein entscheidender Mosaikstein vergessen, ohne den ein geregelter Spielbetrieb gar nicht möglich wäre: die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter.
Allein in Bayern sorgen über 11.000 Unparteiische dafür, dass die rund 250.000 Amateurfußballspiele pro Jahr unter bestmöglichen Rahmenbedingungen über die Bühne gehen. Platz- und Passkontrolle, Spielleitung sowie die Bestätigung offizieller Ergebnisse und Torschützen zählen zu ihren vielfältigen Aufgaben. Tatsächlich bildet dies jedoch nur die Spitze des Eisbergs.
Der deutsche Fußball wird aktuell jünger und weiblicher. Auch der positive Trend bei den Schiedsrichterzahlen sowie den Qualifizierungsangeboten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) setzt sich fort. Das zeigt die offizielle DFB-Mitgliederstatistik der Saison 2025/2026.
Erstmals in seiner Geschichte verzeichnet der DFB mehr als 8,2 Millionen Mitgliedschaften in den rund 23.700 Vereinen, die unter seinem Dach organisiert sind. Seit 2022 hat der deutsche Fußball mehr als 1,1 Millionen Mitgliedschaften hinzugewonnen. Besonders erfreulich entwickelt sich weiterhin der Mädchen- und Kinderfußball. Die Zahl der Mädchenmannschaften stieg auf 6.662 Teams und verzeichnet damit ein Wachstum von mehr als zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagt: „Es ist ein starkes Zeichen, dass der Fußball in Deutschland zum Jubiläum des DFB an vielen Stellen weiterwächst. Das zeigt, wie attraktiv und vielfältig der Amateurfußball ist. Einige Zahlen deuten aber auch darauf hin, dass wir an der Basis offenkundig an Kapazitätsgrenzen stoßen. Daher setzen wir uns gegenüber der Politik weiterhin für geeignete Sportstätten für unsere Vereine ein. Hier sind wir vor allem unseren Kindern und Jugendlichen verpflichtet. Die Vereine erweisen der Gesellschaft und unserem Gemeinwesen einen großen Dienst. Das ist in den aktuell bewegten Zeiten wichtiger denn je.“
Auch die Entwicklung im Schiedsrichterwesen macht Mut. Nach fast zwei Jahrzehnten rückläufiger Zahlen wächst die Schiedsrichterfamilie inzwischen das dritte Jahr in Folge. In der Saison 2025/2026 waren deutschlandweit 62.333 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aktiv. Das sind 1.307 mehr als in der Vorsaison. Insgesamt wurden in Deutschland in der Saison 2025/2026 mehr als 1,42 Millionen Fußballspiele ausgetragen.
Schiedsrichter sein – mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung
Zuverlässigkeit, Sicherheit und Pünktlichkeit kennzeichnen seit jeher Produkte und Leistungen mit dem Gütesiegel „Made in Germany“. Weltweit sind diese Prädikate anerkannt und geschätzt. Da stehen auch die über 62.000 Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter im DFB mit ihren Leistungsansprüchen nicht zurück. Ihre Leistungen genießen in der Fußballwelt und darüber hinaus hohe Anerkennung. Nicht selten werden deutsche Spitzenreferees zu internationalen Turnieren und Meisterschaften eingeladen. Auch in Austauschprogrammen mit benachbarten Nationalverbänden beweisen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus den unteren Spielklassen regelmäßig ihr hohes Qualitätsniveau.
Zu den Voraussetzungen für solche Leistungen gehören eine intensive Betreuung durch die Schiedsrichter-Obleute sowie eine qualifizierte Aus- und Fortbildung. Moderne Lehrmethoden und digitale Lernangebote setzen bereits bei den Schiedsrichter-Neulingen wichtige Impulse. Darüber hinaus werden die Unparteiischen zunehmend in ihrer Persönlichkeitsentwicklung geschult. Einheiten zu Rhetorik, Körpersprache und Stressbewältigung gehören ebenso zum Ausbildungsprogramm wie die theoretische Aufarbeitung von Konfliktsituationen. In praxisnahen Rollenspielen werden Lösungsansätze trainiert und gefestigt.
„Ich übernehme gerne Verantwortung“
Vor allem junge Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter profitieren von einer Ausbildung, die weit über das Erlernen des Regelwerks hinausgeht. Sie erwerben Kompetenzen in Kommunikation, Entscheidungsfindung, Konfliktmanagement und Teamführung. Fähigkeiten, die nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch in Schule, Beruf und Alltag von großem Wert sind.
Wer Schiedsrichter wird, lernt Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und auch unter Druck souverän zu handeln. Schiedsrichter zu sein bedeutet deshalb weit mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Es ist ein anspruchsvolles Ehrenamt, ein wichtiger Beitrag für den Fußball und eine persönliche Bereicherung.