Profis Mittwoch, 15.02.2017

Zwei Jungs mit Respekt vor der Trainer-Grätsche

Philipp Förster und Lucas Hufnagel komplettieren das Quartett der Winterneuzugänge beim 1. FC Nürnberg. Eine lange Eingewöhnung verbieten sich die beiden Youngster dabei selbst.

fcn.de: Servus ihr beiden. Seit zwei Wochen könnt ihr euch mit Fug und Recht als Cluberer titulieren. Wie ist der erste Eindruck vom neuen Team?

Philipp Förster: Die Mannschaft hat uns wirklich sehr gut aufgenommen, man fühlt sich von Tag zu Tag wohler hier.

Lucas Hufnagel: Ich kann mich da nur anschließen. Obwohl man das ja immer sagt, war es hier auch wirklich so. Alle waren direkt nett, es hat alles gepasst.

fcn.de: Habt ihr beide als Neulinge dabei automatisch mehr Kontakt zueinander?

Philipp: Kann man wohl so sagen. Wir haben hier anfangs zusammen im Hotel gewohnt und waren öfters zusammen essen und frühstücken. Wir beide hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander.

Lucas: Das erste Mal gesehen haben wir uns aber erst in der Kabine.

fcn.de: Kanntet ihr euch vorher noch gar nicht?

Lucas: Philipp kam mir bekannt vor. Aber er musste mich erst daran erinnern, dass wir in der U19 schon gegeneinander gespielt haben.

fcn.de: An was genau hast du Lucas erinnert?

Philipp: Ach, das war nur ein Spiel, als er glücklich gewonnen hat.

Lucas: Glücklich… War klar, dass du das so sagst.

fcn.de: War es denn nicht so?

Hufnagel: Die haben mit Stuttgart 2:0 zur Halbzeit geführt. Aber wir haben das Spiel dann noch gedreht und 3:2 gewonnen. Da habe ich mein bisher einziges Kopfballtor erzielt.

fcn.de: Was ist Lucas noch, außer ein Kopfballungeheuer?

Philipp: Lucas ist stark im Dribbling und hat eine sehr enge Ballführung. In der letzten Trainingswoche hat man gesehen, dass er oft nur durch ein Foul vom Ball zu trennen ist. Vom Charakter her habe ich anfangs schon gedacht, dass er schüchtern ist. Aber wenn man Zeit mit ihm verbringt, merkt man schnell, dass das anders ist.

Lucas: (lacht) Ich brauche eben erst einmal Zeit, um mich einzuleben. Wenn ich mich dann wohl fühle, geht es schnell in die andere Richtung. Aber generell bin ich eher der ruhigere Typ.

fcn.de: Und Philipp?

Lucas: Er war von Anfang an ziemlich offen und direkt. Das hat gepasst. Nachdem wir ja schon relativ viel Zeit miteinander verbracht haben, kann ich sagen, dass er ein netter Junge ist (lacht). Auf dem Platz hat er eine gute Übersicht im Zentrum und spielt gute Pässe, was bei den schwierigen Bodenverhältnissen im Moment gar nicht so einfach ist.

fcn.de: Der Club bedeutete für euch beide den Gang in eine andere Liga. Als Freiburger ein Schritt zurück, Lucas?

Lucas: Ich muss sagen, dass ich es nicht als Schritt zurück empfinde. Ich habe in der ersten Liga nicht gespielt, stand auch überhaupt nur einmal im Kader. Ich würde noch nicht einmal behaupten, dass ich ein gestandener Zweitliga-Profi bin. Deshalb war es die richtige Entscheidung, hier nun möglichst viel Spielpraxis für die kommende Saison zu sammeln.

fcn.de: Von Waldhof Mannheim ging es für dich, Philipp, hingegen gleich zwei Klassen aufwärts…

Philipp: Als ich noch beim VfB Stuttgart war, fehlte mir noch der nötige Biss, um mich bei den Profis aufzudrängen. Über Umwege bin ich dann zu Waldhof in die vierte Liga gekommen und hatte dort dann einen Trainer, der mich gefördert hat. Da wurde der Schalter umgelegt. Ich weiß jetzt, was ich will und wohin ich will. Deshalb bin ich einfach froh, dass der Wechsel nach Nürnberg schon in diesem Winter geklappt hat.

fcn.de: In Stuttgart hast du mit Joshua Kimmich und Timo Werner zusammengespielt, die im Vollsprint die Karriere vorangetrieben haben. Dass du dich davon nicht hast unter Druck setzen lassen und stattdessen in die vierte Liga gegangen bist, zeugt durchaus von Reife für dein Alter…

Philipp: In Stuttgart hatte ich am Ende zwei Angebote vorliegen. Ich wollte damals aber noch nicht von meinem gewohnten Umfeld weg. Waldhof Mannheim hat mich dann einfach überzeugt. Jetzt kann ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Wäre ich in Stuttgart geblieben, würde ich heute nicht hier sitzen. Dann wäre ich vielleicht irgendwann in die dritte Liga transferiert worden, wenn überhaupt.

fcn.de: Bei Philipp waren es Kenan Kocak und Gerd Dais. Lucas, dein Trainer in Freiburg hieß Christian Streich. Ist er im Alltag so, wie er von den Kameras am Spielfeld eingefangen wird?

Lucas: Es stimmt schon, dass er am Spielfeldrand sehr emotional ist. Aber man erlebt ihn jetzt nicht immer so. Aber wie man in manchen Pressekonferenzen gesehen hat, spricht er gerne politische Sachen an - auch im Kreise der Mannschaft. Das fand ich immer gut. Es gibt eben auch wichtigere Sachen auf der Welt als Fußball.

fcn.de: Jetzt gibt Alois Schwartz die Ansagen. Wie war da der erste Eindruck?

Lucas: Der war sehr sympathisch.

Förster: Das stimmt. Er ist der etwas ruhigere Typ, der aber auch die Grätsche auspacken kann, wenn es sein muss.

Lucas: Das glaube ich auch. Er kann laut werden, aber ich habe es noch nicht erlebt (lacht).

fcn.de: Ist es eine große Bürde, sich dem neuen Trainer als ausgeliehener Spieler nur drei Monate zeigen zu können?

Lucas: Natürlich schwingt bei einer Leihe immer auch Druck mit, vor allem, wenn sie so kurz ist. Man hat nicht viel Zeit, sich einzuleben. Drei Monate können plötzlich ganz schnell vorbei sein. Aber ich denke, ich kann damit umgehen. Ich muss einfach mein Bestes geben.

fcn.de: Bei dir, Philipp, ist es genau anders herum. Du wurdest oft als 'Vorgriff auf die Zukunft' bezeichnet. Fällt da jeglicher Zeitdruck von einem ab?

Förster: Nur, weil ich so bezeichnet wurde, bin ich jetzt nicht hier, um nur ein halbes Jahr reinzuschnuppern und nur Trainingsgast zu sein. Ganz im Gegenteil. Ich will schon in der Rückrunde versuchen, Einsatzzeiten zu bekommen. Spätestens nach der nächsten Vorbereitung will ich aber dann voll angreifen. Ich mache mir da selbst Druck.

fcn.de: Ab sofort spielt ihr MIT dem 1. FC Nürnberg. Gibt es Erinnerungen an Spiele gegen den Club?

Lucas: Ich habe schon oft gegen den Club gespielt. Komischerweise erinnere ich mich dabei sofort an ein negatives Erlebnis. Das war noch in der U19. Mit Haching war es für uns schon klar, dass wir nicht absteigen werden. Dann haben wir 1:5 gegen Nürnberg verloren, die trotzdem abgestiegen sind. Das war die höchste Niederlage meiner Karriere. Aber es gab auch gute Momente. Gegen den Club stand ich im letzten Jahr zum ersten Mal im Kader von Freiburg. Das war ein riesen Erlebnis, auch wenn ich nicht gespielt habe. Und spektakulär war das 6:3 ja auch.

Förster: Ich erinnere mich daran, wie wir mit der U17 den Club im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft rausgehauen haben. Damals haben Niklas Stark und Patrick Erras gegen uns gespielt, aber das war jetzt kein Hindernis (lacht). Letztens habe ich Patrick im Kraftraum gesehen, da habe ich ihn gleich noch einmal daran erinnert, wie schön das Erlebnis war (lacht).