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Montag, 21.11.2011

Zur Sachlichkeit zurückkehren

Am Samstag, 19.11.11, wurde ein 19-jähriger Club-Fan schwer verletzt. Sport-Vorstand Martin Bader nimmt im Interview mit fcn.de Stellung.

Foto: Sportfoto Zink

fcn.de: Nach dem Auswärtsspiel des 1. FC Nürnberg bei Schalke 04 wurde am Kölner Hauptbahnhof ein Club-Fan vor einen Zug gestoßen. Er verlor dabei seinen rechten Arm. Wie reagiert der Club auf diesen Vorfall?

Martin Bader: Wir haben die Nachricht vom traurigen Unfall mit Fassungslosigkeit und tiefer Betroffenheit aufgenommen. Die gesamte CLUBfamilie übermittelt André ihr aufrichtiges Mitgefühl und die allerbesten Genesungswünsche. Der 1. FC Nürnberg ist in Gedanken bei André und wünscht ihm und seinen Angehörigen die nötige Kraft. 

fcn.de: Können Sie etwas zum Tathergang sagen?

Martin Bader: Die genauen Zusammenhänge sind uns noch nicht bekannt. Solange die Ermittlungen der Polizei laufen, können und werden wir uns zu dem Sachverhalt nicht äußern.  Dass sich ein derartig schwerer Vorfall ereignen konnte, ist äußerst tragisch. Das Geschehene stellt sicherlich eine neue Dimension der Gewalt dar.

fcn.de: Der Presse war zu entnehmen, dass es sich um einen „Hooligan“ handelt. Können Sie dazu etwas sagen?

Martin Bader: Ich glaube, allen ist damit gedient, in der aktuellen Debatte zum Thema „Gewalt im Fußball“  zu mehr Sachlichkeit zurück zu kehren. Pauschale Vorverurteilungen und Vorurteile helfen niemandem weiter. Nach unseren Informationen gehört André nicht der Hooligan-Szene an.

fcn.de: Das Thema „Gewalt im Fußball“ wird in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert. Wie bewerten Sie die Thematik?

Martin Bader: Die bundesweite Entwicklung aber auch die Darstellung in der Öffentlichkeit beobachten wir mit Sorge. Jeder, der sich dem Fußball verbunden fühlt, wünscht sich in und um deutsche Stadien friedliche Fußballfeste. Bei aller Rivalität sollte der Sport im Mittelpunkt des Geschehens stehen. 

fcn.de: Was ist Ihr Rat?

Martin Bader: Der Fußball steht unter einer extremen öffentlichen Beobachtung. Deshalb appellieren wir an alle Parteien – Staat, Polizei, Medien, Verbände, Fans und Vereine – das Thema „Gewalt im Fußball“, gerade zum jetzigen Zeitpunkt, mit der nötigen Sachlichkeit zu führen und auf jegliche Form von polemischer Argumentation zu verzichten. Wir tragen alle Verantwortung dafür, dass eine weitere Eskalationsstufe unbedingt vermieden wird. Jeder der Beteiligten sollte sein Handeln hinterfragen. Bei allen in diesem Bereich vor uns liegenden Aufgaben stehen aber absolut die Genesung von André und die Rückkehr in seinen Lebensalltag im Vordergrund. Wir sichern ihm und seiner Familie unsere volle Unterstützung zu.