Profis Mittwoch, 20.01.2016

Zoltan Stieber: "Immer Spaß am Fußball haben"

Foto: Sportfoto Zink

Familienmensch, harter Arbeiter und Relegationsprofi - Club-Neuzugang Zoltan Stieber im Portrait.

Eigentlich ist Sárvár eine ruhige, 15.000 Seelen fassende Kreisstadt im Westen Ungarns. Der Tourismus floriert und auch sportlich bietet die kleine Stadt im Komitat Vas jede Menge - vor allem in Bezug auf Tempo. Unweit der Stadtmauern von Zoltan Stiebers Geburtsort befindet sich eine der bekanntesten Motorradrennstrecken Europas.

Mit Motorradsport hat Familie Stieber allerdings wenig zu tun, ihr Steckenpferd heißt Fußball. Der Ballsport hat in dieser Familie schon immer einen besonderen Stellenwert. Die beiden ältesten Söhne Arkos und Garbor sind, wie der Vater, begeisterte Fußballer, auch wenn es nicht für den Profifußball reichte. Der jüngste, Andras (24), spielt derzeit beim FC Ajka in der zweiten ungarischen Liga. Und dann ist da eben noch Zoltan, der erfolgreichste der Stiebers, der ab sofort das Trikot des 1. FC Nürnberg trägt.

Eine bewegte Jugend

Beim Club will der 27-Jährige nun so schnell wie möglich Fuß fassen. Auf welcher Position René Weiler ihn künftig einplant, darüber werden die Testspiele gegen den SV Grödig (Donnerstag, 21.01.16) und seinem Ausbildungsverein Ujpest Budapest (Samstag, 23.01.16) wohl einen Aufschluss geben. Zuletzt spielte Stieber in der Offensivzentrale, er selbst bezeichnet sich aber als "variabel einsetzbar" und sieht seine Stärken auf "dem rechten Flügel oder als Zehner". Das Wichtigste aber ist für ihn: "Habe immer Spaß am Fußball." So gab es ihm sein Vater Jozsef mit auf den Weg. 

Seit über zehn Jahren ist der Flügelflitzer nun schon im europäischen Ausland aktiv. Erlebt hat der Nationalspieler in dieser Zeit schon eine ganze Menge. Allein der Blick in die Liste seiner bisherigen Übungsleiter offenbart dies, sind doch prominente Namen wie etwa Uwe Rapolder, Thomas Tuchel, Bruno Labbadia und Mirko Slomka darunter. Sein größter Förderer ist aber sein Vater, der früh das Talent seines Sohnes erkannte und ihm stets mit Rat und Tat zur Seite stand.

Über England nach Deutschland

Bereits mit 14 Jahren verließ Stieber seinen Heimatverein und wechselte ins 200 Kilometer entfernte Budapest, zu Ujpest. Bei einem Spiel der ungarischen U-15-Nationalmannschaft überzeugte der wendige Flügelstürmer einen englischen Beobachter und wurde daraufhin prompt als Trainingsgast beim FC Arsenal und Manchester United eingeladen. Ein Angebot konnte er allerdings nicht annehmen, sein Kontrakt bei Ujpest war noch für ein Jahr gültig. Als aber nur ein Jahr später der englische Premier-League-Klub Aston Villa auf den dribbelstarken Mittelfeldspieler aufmerksam wurde, zögerte der damals 17-Jährige nicht lange und wagte den Sprung auf die Insel.

Der Schritt in den Profi-Kader der Villans blieb dem Ungar allerdings verwehrt, und so ging's weiter nach Deutschland. Als Testspieler hielt er sich zunächst bei TuS Koblenz fit, Trainer Uwe Rapolder war so angetan, dass ihn der Verein für zwei Jahre an die TuS band. Anfänglich noch als Linksverteidiger im Aufgebot, wurden schnell seine Offensivqualitäten deutlich. In den verbleibenden 17 Spielen der Saison 08/09 steuerte der Linksaußen fünf Tore und zwei Assists bei und war damit maßgeblich am Zweitliga-Klassenerhalt der Koblenzer beteiligt. 

Aachen und Mainz als weitere Stationen

Als nur ein Jahr später der Abstieg in die 3. Liga nicht mehr abzuwenden war und Stieber nur noch sporadisch zum Einsatz kam, schloss sich der Mann für die linke Außenbahn Alemannia Aachen an. Zehn Tore und siebzehn Torvorlagen krönten den flinken Linksfuß nicht nur zum Top-Vorbereiter der Spielzeit 10/11, diese Statistik weckte obendrein Begehrlichkeiten aus dem Fußballoberhaus.

Der FSV Mainz 05 sicherte sich seine Dienste. Verletzungen bremsten den Neuzugang in Mainz allerdings immer wieder aus. Nach einer durchwachsenen Saison mit nur neun überwiegend kurzen Bundesligaeinsätzen war das Kapitel Mainz für Stieber beendet.

In Mittelfranken kein Unbekannter

Es folgte ein zweijähriger Aufenthalt in Franken, bei der SpVgg Greuther Fürth. Mit dem Kleeblatt konnte er in seinem ersten Jahr zwar nicht den Abstieg aus der Bundesliga verhindern, war im Jahr darauf allerdings maßgeblich an der starken Fürther Saison beteiligt und verpasste den direkten Wiederaufstieg erst in der Relegation gegen den HSV. Bei den Hanseaten hatten die direkten Duelle sowie Stiebers elf Saisontore allerdings derartigen Eindruck hinterlassen, dass sie den 1,75 Meter großen Dribbler verpflichteten.

In Hamburg sammelte Stieber schließlich weitere Relegationserfahrung - und schaffte mit dem HSV in der letzten Saison den Klassenerhalt noch übers "Hintertürchen". In der Vorrunde der aktuellen Spielzeit kam er dann allerdings kaum noch zum Zug. Nur zwei Einsätze standen bis zur Winterpause zu Buche. Nicht genug für den Mann, der genau 50 Erstligaeinsätze in seiner Vita stehen hat.

Ziel ist die EM

Beim Club möchte der Neuzugang nun wieder zum dauerhaften Stammpersonal im Offensivbereich gehören, schließlich will er sich auch für ein Ticket für Ungarns EM-Kader empfehlen. Sein Heimatland qualifizierte sich erstmals seit 43 Jahren wieder für die Endrunde. Natürlich in der Relegation.