Profis Teamcheck Freitag, 12.02.2016

VfL Bochum: Mit mehr Defensive alles auf Attacke

Foto: Sportfoto Zink

Vor dem Duell gegen den VfL Bochum blickt fcn.de auf den Klub von Trainer Gertjan Verbeek.

Die Kampfansage kam inmitten der Wintervorbereitung, als VfL-Trainer Gertjan Verbeek für die restliche Saison die Devise Aufholjagd ausgab. Verwundert zeigte sich darüber niemand, schließlich kommen die Bochumer tabellarisch gesehen von ganz oben, waren im ersten Saisondrittel selbst noch die Gejagten. Am 10. Spieltag siegten sie in Fürth mit 5:0 und grüßten den Rest der Liga von der Spitze aus.

Was dann folgte, hatte mit Blick auf die jüngste Vergangenheit des VfL aber fast schon traditionalistische Züge: Auch ein Jahr zuvor waren die Blau-Weißen unter der Regie von Peter Neururer fantastisch gestartet und dank ihres attraktivoffensiven Spielstils in aller Munde, ehe dann schlagartig nicht mehr alles zusammenlief. So gesehen wiederholte sich im vergangenen Herbst ein Stück VfL-Geschichte: Auch Neururer-Nachfolger Verbeek stieg nach dem besagten 5:0 mit seinem Team in einen Fahrstuhl, der unerwartet nach unten raste: Sieben Spieltage lang gab's keinen Dreier mehr.

Überzeugender Auftakt gegen Bochum

Der Unterschied zum Jahr zuvor: Der Niederländer fand den richtigen Knopf. Der VfL rauschte dann zwar nicht zurück in die Spitze, aber immerhin bis ins DFB-Pokal-Viertelfinale und in der Liga soweit wieder nach oben, dass das Ziel Aufholjagd alleine von der Ausgangslage, sprich Punktezahl, keinem puren Wunschdenken entspringt. Rein vom Potenzial her muss man ohnehin nicht groß über Sinn oder Unsinn nachdenken: Dass der VfL sehr wohl Spitzenteam kann, hat er wie beschrieben schon mehrmals unter Beweis gestellt. Der Club hat dies in der Hinrunde ja selbst zu spüren bekommen. Beim 1:2 in Bochum war er deutlich unterlegener, als es das knappe Ergebnis ausdrückt.

Doch zurück in die Gegenwart, in der der VfL den in der Winterpause abgegebenen Worten eindrucksvolle Taten hat folgen lassen: Beim Auftakt gegen Freiburg überzeugte die Verbeek-Elf nicht nur wegen des 2:0-Erfolges auf ganzer Linie. Sie spielte zwar nicht mehr ganz so spektakulär wie zu Saisonbeginn nach vorne, aber insgesamt wirkte sie reifer und damit stärker. Ein Grund für den Einbruch war nämlich auch dem Umstand geschuldet, dass die Spielweise des VfL eine sehr kraftintensive war. Gegen den offensiv- und spielstarken Bundesliga-Absteiger aus Freiburg hat die Mannschaft so gesehen in ihrer Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht.

Auf Patzer der Konkurrenz angewiesen

Den Spagat, mutig anzugreifen und zugleich in der Defensive stabil, weil gut strukturiert, zu stehen, ist ihr zum Auftakt bemerkenswert gut gelungen. Der Schlüssel zu diesem wichtigen Erfolg lag neben der im Vergleich zum SC größeren Kaltschnäuzigkeit im Abschluss allen voran in der defensiven Mittelfeldzentrale der Bochumer. Die beiden Sechser Anthony Losilla und Tim Hoogland bekamen gegen die keinesfalls enttäuschenden Freiburger die Partie nach und nach in den Griff. Und da Letzterer zudem selbst noch mit seinem Tor zum 2:0 für die endgültige Entscheidung sorgte, hatte er großen Anteil daran, dass der Sportvorstand zum Rechenschieber greifen darf.

Neun Siege in den ausstehenden 14 Spielen, so Christian Hochstätters Hochrechnung, müssten ausreichen, um zumindest die  Relegationschance auf die Rückkehr in die Bundesliga zu erhalten. Der Haken daran: Selbst wenn die Mannschaft diese Vorgabe übererfüllen und zehnmal siegen würde, ist sie auf Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen, angesichts von fünf Punkten Rückstand auf den Club und deren sieben auf Freiburg – gar nicht zu reden von Leipzig, das dem VfL um 13 Punkte enteilt ist.

Zukunft von Verbeek noch offen

Einerlei, der Bochumer Blick gilt am Montag ohnehin nur dem Club. Und so erwidert der Trainer dem Sportvorstand vor dem Gang nach Nürnberg ein kurzes "wir probieren es". Ob und inwieweit Verbeek von dem Ausgang dieser Partie seine weitere Zukunft in Bochum abhängig macht, ist indes reine Spekulation. Fakt ist hingegen, dass der Vertrag des Niederländers im Sommer ausläuft – und dass Hochstätter in dieser Causa nicht das hinbekommen hat, was ihm bei wichtigen Akteuren wie Stefano Celozzi oder Timo Perthel gelungen ist: eine vorzeitige Vertragsverlängerung. Mit diesem Wunsch ist der Sportvorstand bei seinem Übungsleiter bislang abgeblitzt – dieser grübelt noch darüber, ob der VfL mittelfristig die Perspektiven hat, die mit seinen ehrgeizigen Ambitionen korrespondieren.

Bis Ende Februar erhofft man sich Einigung in der Sache. Im Hier und Jetzt sind die Perspektiven vielversprechend: Brauchte man für das Vorlesen der Verletztenliste im vergangenen Herbst mehrere Minuten, so reichen jetzt wenige Sekunden. Ob in der Summe all dies am Ende reicht? Zukunftsmusik – oder um es sinngemäß mit Verbeeks Worten zu sagen: Der VfL versucht, jedes Spiel zu gewinnen – ohne aber, dass in Anbetracht der Möglichkeiten daraus ein Muss wird. In diesem Sinne: Freuen wir uns auf ein spektakuläres Spiel.

Spieldaten

21. Spieltag, 2. Bundesliga 2015/2016
1 : 1
1. FC Nürnberg
75. Patrick Erras (Kopfball) 1:1
VfL Bochum
66. Marco Terrazzino 0:1
Stadion
Grundig-Stadion
Datum
15.02.2016 20:15 Uhr
Schiedsrichter
Daniel Siebert
Zuschauer
24355

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Brecko - Margreitter - Bulthuis - Sepsi (75. Möhwald) - Behrens - Erras (84. Petrak) - Stieber (56. Kerk) - Leibold - Burgstaller - Füllkrug
Reservebank
Rakovsky, Hovland, Blum, Kerk, Möhwald, Petrak, Polak
Trainer
René Weiler
VfL Bochum
Riemann - Celozzi - Fabian - Bastians - Wijnaldum - Losilla - Hoogland - Bulut (59. Novikovas) - Eisfeld - Terrazzino (67. Mlapa) - Terodde
Reservebank
Dornebusch, Cacutalua, Simunek, Novikovas, Weis, Haberer, Mlapa
Trainer
Gertjan Verbeek

Ereignisse

44. min Spielstand: 0:0
Marco Terrazzino

55. min Spielstand: 0:0
Tim Hoogland

56. min Spielstand: 0:0
Sebastian Kerk kommt für Zoltan Stieber

59. min Spielstand: 0:0
Arvydas Novikovas kommt für Onur Bulut

65. min Spielstand: 0:0
Simon Terodde

66. min Spielstand: 0:1
Marco Terrazzino

67. min Spielstand: 0:1
Peniel Kokou Mlapa kommt für Marco Terrazzino

75. min Spielstand: 0:1
Kevin Möhwald kommt für Laszlo Sepsi

75. min Spielstand: 1:1
Patrick Erras

76. min Spielstand: 1:1
Patrick Fabian

84. min Spielstand: 1:1
Ondrej Petrak kommt für Patrick Erras