Fans Mittwoch, 08.03.2017

Thomas Brunner: "Der Spaßfaktor steht im Vordergrund"

Foto: Jens Ballon

Thomas Brunner leitet ab März einen Kurs für übergewichtige Club-Mitglieder. fcn.de hat sich vorab mit dem Bundesliga-Rekordspieler des Club unterhalten.

fcn.de: Thomas, du bist bis heute Rekordspieler des 1. FC Nürnberg. Denkst du noch gerne zurück an deine aktive Zeit?

Thomas Brunner: Der Job, zehn Jahre als Profi, war schön. Aber der Job, den ich jetzt mache, der gefällt mir genauso. Das, was war, war schön. Das, was jetzt ist, das ist auch schön. Allein regelmäßig in die Berge fahren zu können, ist unbezahlbar. Das durften wir früher aufgrund der Verletzungsgefahr nicht. Ich will jetzt aber nicht von früher erzählen.

fcn.de: Ab 2017 stehst du für NÜRNBERG GEWINNT auf dem Platz. Freust du dich auf die Rückkehr zum 1. FC Nürnberg?

Thomas Brunner: Es ist immer schön, zum Club zu kommen. Es ist mein Verein, da helfe ich mit. Ich denke, dass es dem Club gut tut, im sozialen Bereich aktiv zu sein. Das ist eine vielschichtige Aufgabe.

fcn.de: Du übernimmst ab März einen zwölfwöchigen Kurs mit dem Schwerpunkt Bewegung und gesunde Ernährung für übergewichtige Club-Mitglieder. Was reizt dich an diesem Angebot?

Thomas Brunner: Ich gehe von mir selbst aus. Nach der aktiven Karriere hatte ich das Problem, zuzunehmen. Ich habe gemerkt, man muss gegensteuern, etwas tun. Letztlich kam ich auf den Trichter, dass es nur über Ernährung und Bewegung geht. Ich freue mich darüber, dass ich Menschen, die Gewicht verlieren und an Lebensqualität gewinnen wollen, ein Stück weit begleiten darf.

fcn.de: Was wiegst du denn inzwischen, wenn man fragen darf?

Thomas Brunner: Mein Kampfgewicht lag früher zwischen 80 und 82 Kilogramm. Nach der aktiven Zeit kam ich schnell mal über die 85 Kilo, dann an die 90 Kilo heran. Und dann merkte ich, jetzt ist der Punkt erreicht, an dem ich aktiv werden muss. Man wird immer fauler, fauler, fauler und es fällt immer schwerer, schwerer, schwerer, einfach einmal eine halbe Stunde joggen zu gehen. Aber dann merkte ich auch, über diesen Weg geht es relativ schnell wieder herunter. Dann heißt es dranbleiben, um sich einzupendeln.

fcn.de: Wie gut gelingt dir das?

Thomas Brunner: Als Profi wollte man sich keine Blöße geben und möglichst vorneweg marschieren. Heute laufe ich gerade einmal 20, 30 Minuten, aber das immer noch zu schnell. Auch beim Bergwandern lege ich ein zu hohes Tempo vor. Ich will immer Meter machen. Dabei ist eine halbe Stunde schnelle Bewegung weniger wirksam als ein zehn Minuten längeres Joggen, bei dem man es etwas ruhiger angehen lässt.

fcn.de: Bist du derzeit mit deinem Gewicht zufrieden?

Thomas Brunner: Nein, ich kaschiere es immer mit meinem Outfit. Gerade wenn das Wetter trübe und schmuddelig wird, fällt es umso schwerer, rauszugehen. Das ist die schlimme Zeit, in der man sich ein Polster zulegt. Aber auch im Winter sollte man sich motivieren, um an die frische Luft zu kommen und den Stoffwechsel anzuregen.

fcn.de: Zielgruppe des neuen (X)XL-Angebots, das der Club in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Krebshilfe durchführt, sind Männer im besten Alter – genau wie du. Viele kennen dich noch als Aufstiegshelden 1984/85. Ist das ein Vorteil bei der Motivation der Teilnehmer?

Thomas Brunner: Ich würde es mir wünschen. Vielleicht erkenne ich den einen oder anderen von früher wieder. Ich hoffe, es kommen viele, die unser Angebot wahrnehmen möchten.

fcn.de:  Die Kurse in Theorie und Praxis finden wöchentlich am Trainingsgelände des 1. FCN sowie im Stadion Nürnberg statt. Werden dich die Kursteilnehmer als „Drill-Instructor“ oder eher feinfühligen Schweinehund-Überwinder kennenlernen?

Thomas Brunner: Der Spaßfaktor steht im Vordergrund. Wir wollen Wissen vermitteln. Erklären, wie Gewichtsverlust das Risiko reduziert, an Herz-Kreislauf-Krankheiten oder auch an Krebs zu erkranken. Die Teilnehmer sofort Sechs-gegen-Sechs spielen zu lassen, wäre der falsche Weg. Erst wollen wir die Grundlage, die körperliche Voraussetzung schaffen. Später wollen wir draußen am Platz auch den Fußball rollen lassen. Dann haben wir schon viel erreicht. Es ist sicherlich ein Ansporn, die „heiligen Stätten“ des 1. FCN betreten zu können. Das ist nicht alltäglich und etwas Besonderes. So habe ich es immer empfunden. Es ist eine Ehre.

fcn.de: Als Bundesliga-Rekordspieler des 1. FCN (328 Spiele) stehst du für Durchhaltevermögen. Welche Eigenschaften sind darüber hinaus wichtig, um gesund zu leben?

Thomas Brunner: Durchhaltevermögen ist ganz wichtig. Wenn es mal nicht so gut läuft, sollte man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Es geht recht schnell, drei Kilo herunter zu specken und dann Hurra zu schreien: „Jetzt habe ich drei Kilo abgenommen!“ Oft geht es dann aber umso schneller wieder in die andere Richtung. Alles in der richtigen Balance zu halten, keine großen Pendelbewegungen mehr zuzulassen, das ist unser Ziel. Jeder Teilnehmer soll dauerhafte Bestätigung seiner Arbeit erleben. Beständigkeit zu entwickeln, das muss es sein. Ohne Beharrlichkeit klappt es aber nur sehr schwer.

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