Profis Teamcheck Donnerstag, 03.03.2016

Teamcheck Lautern: Fünfstück als Fingerzeig

Foto: Sportfoto Zink

Die zweitbeste Auswärtsoffensive der Liga kommt am Freitag, 04.03.16, ins Grundig Stadion. Vor dem kommenden Flutlichtspiel hat fcn.de die "Roten Teufel" aus der Pfalz genauer unter die Lupe genommen.

3-4-4 – so lautet die Kombination, bei der sich beim 1.FC Kaiserslautern zwar nicht alles, aber zumindest verdammt viel dreht. Hinter dieser Zahlenreihe verbirgt sich der dreimalige knapp gescheiterte Versuch des Traditionsvereins aus der Pfalz, nach dem 2012 erfolgten Bundesliga-Abstieg wieder dorthin zurückzukehren, wo er von seinem Selbstverständnis her hingehört. Und ja, der Fußball-Romantiker an sich, egal für wen sein Herz schlägt, kann dem nur beipflichten.

Der Betzenberg, die Roten Teufel – das klingt eindeutig nach Erster und nicht nach Zweiter Liga. Ist auch richtig, denn für den 1900 gegründeten FCK ist auf seine Gesamthistorie bezogen die Erstklassigkeit der Normalzustand, während die Zweitklassigkeit unter der Rubrik "Ausrutscher" läuft. Der Haken: In der jüngsten Vergangenheit verhält es sich genau umgekehrt. Mit der aktuellen Saison stehen in den vergangenen zehn Jahren nunmehr acht Zweitliga-Spielzeiten nur derer zwei in Liga eins gegenüber. Das ändert nichts daran, dass der FCK mit der momentanen Spielklasse erheblich fremdelt und seine ganzen Pläne darauf ausrichtet, sie nach oben zu verlassen.

Neuanfang unter Fünfstück

Auch jetzt, wo sie nach drei Jahren Aufstiegskampf in den aktuellen scheinbar kaum noch eingreifen können. Damit rechnen die Verantwortlichen allerdings auch nicht, ihnen geht es um die Weichenstellung für die nächsten Jahre. Und da hat es bereits klare Signale gegeben. Als Ende September der damalige Cheftrainer Kosta Runjaic nach einem unbefriedigenden Start zurücktrat, holte die Führungsriege nicht etwa einen gestandenen Fußballlehrer, sondern entschied sich für jemanden aus den eigenen Reihen, dessen Name nur Insidern etwas sagte – und dem einen oder anderen Fußball-Fan aus Franken: Konrad Fünfstück, der gebürtige Oberfranke, der über zehn Jahr lang im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der SpVgg Greuther Fürth arbeitete, unter anderem als Jugendkoordinator und als Coach der U23. Am 1. Januar 2013 wechselte er zu den Pfälzern, übernahm deren NLZ und die in der Regionalliga Südwest spielende U23.

Jung, dynamisch und entwicklungsfähig 

Dass die FCK-Bosse ihm, dem erst 35-Jährigen, den Cheftrainer-Posten übertragen haben, ist ein klarer Fingerzeig gewesen, wie die Strategie für die nächsten Jahre aussieht: Mit jungen Spielern soll es über kurz oder lang wieder nach oben gehen. Eine Strategie, die auch ein Stück weit der der Zahlenkombination 3-4-4 geschuldet ist. Mit jedem Jahr, in dem man von den Fleischtöpfen der Ersten Liga entfernt ist, werden die eigenen Mittel weniger, um sich für seine Speisekammer Teures leisten zu können. Kurz ausgedrückt: Richtig gestandene Profis auf den Betze zu holen, ist nach nunmehr fast vier Jahren 2. Liga am Stück aufgrund der Kassenlage nur sehr bedingt möglich.

Ein großer Nachteil? Nun ja, ein Vorteil ist es nicht, aber muss es deswegen gleich Nachteil sein? Der FCK kann schließlich aus eigener Erfahrung bezeugen, dass auch der Weg mit namhaften Spielern nicht zwangsweise eine Etage höher führt. Und da nutzt es angesichts von 3-4-4 auch wenig, dass die Pfälzer jüngst immer um den Aufstieg mitspielten. Knapp vorbei, ist schließlich unterm Strich doch vorbei.

Lehrgeld für das drittjüngste Team der Liga

Deswegen Fünfstück, deswegen Jugendkurs. Dass Letzterer Rückschläge beinhaltet, ist in der Pfalz allen klar. Wer sich mit der, was die eingesetzten Spieler anbelangt, drittjüngsten Mannschaft ins Zweitliga-Getümmel stürzt, wird das eine oder andere Mal Lehrgeld bezahlen. Siehe die Heimbilanz. Auf dem Betzenberg ist der FCK mit seinen begeisterungsfähigen Fans im Rücken fast immer eine Macht gewesen. In dieser Saison jedoch fällt die Bilanz im eigenen Stadion durchwachsen aus, die Fünfstück-Elf bewegt sich in der Heimtabelle in unteren Regionen.

Die Verpflichtung, selbst das Spiel zu machen und dem treuen Anhang etwas zu bieten, sorgt nun mal mitunter für Lücken, in die der Gegner stoßen kann. Nach der Winterpause haben die Pfälzer damit nicht die besten Erfahrungen gemacht. Gegen Union schenkten sie einen Zwei-Tore-Vorsprung her, gingen mit einem 2:2 vom Feld, gegen Heidenheim kassierten sie kurz vor Schluss noch das 2:2.

Stärken in der Ferne und nach ruhenden Bällen 

Aber, jung hin oder her, das Ganze bitte nicht falsch verstehen und den FCK unterschätzen. Die Mannschaft, die Konrad Fünfstück am Freitag aufs Feld schickt, steht mit Akteuren wie Chris Löwe, Jean Zimmer oder Daniel Halfar, um nur einige aufzuführen, immer noch für richtig gehobenes Zweitliga-Niveau. Mag sie auch nicht immer die notwendige Konstanz an den Tag legen, an guten Tagen kann sie jeden Gegner schlagen. Eine These, die ihre Auswärtsbilanz untermauert.

In der Fremde sind die Roten Teufel höllisch gut, da rangieren sie mit ihren fünf Auswärtssiegen im oberen Drittel. Wo sie übrigens auch richtig gut, beziehungsweise geworden sind: nach ruhenden Bällen. Erzielten sie vor der Winterpause noch nach einem Eckball oder einem Freistoß so wenige Treffer wie kein anderer Zweitligist, so haben sie in der Wintervorbereitung anscheinend hart an dieser Schwäche gearbeitet. Nimmt man nur die Spiele in diesem Jahr, sind die Pfälzer in dieser Beziehung nun so gefährlich wie kein anderes Team.  Kurzum: Wird eine heiße Kiste gegen die Roten Teufel.

Spieldaten

25. Spieltag, 2. Bundesliga 2015/2016
2 : 1
1. FC Nürnberg
19. Patrick Erras 1:0
88. Zoltan Stieber 2:1
1. FC Kaiserslautern
22. Jón Dadi Bödvarsson 1:1
Stadion
Grundig-Stadion
Datum
04.03.2016 20:30 Uhr
Schiedsrichter
Florian Meyer
Zuschauer
31457

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer (66. Rakovsky) - Hovland - Margreitter - Bulthuis - Sepsi - Behrens - Erras - Kerk (68. Stieber) - Möhwald (56. Blum) - Füllkrug - Burgstaller
Reservebank
Rakovsky, Blum, Petrak, Polak, Stieber, Hercher, Teuchert
Trainer
René Weiler
1. FC Kaiserslautern
Müller - Zimmer - Vucur - Heubach (33. Ziegler) - Gaus - Halfar - Karl - Görtler - Jenssen - Colak - Bödvarsson
Reservebank
Alomerovic, Fomitschow, Schulze, Klich, Ring, Ziegler, Przybylko
Trainer
Konrad Fünfstück

Ereignisse

17. min Spielstand: 0:0
Stipe Vucur

19. min Spielstand: 1:0
Patrick Erras

22. min Spielstand: 1:1
Jón Dadi Bödvarsson

33. min Spielstand: 1:1
Patrick Ziegler kommt für Tim Heubach

39. min Spielstand: 1:1
Marcel Gaus

56. min Spielstand: 1:1
Danny Blum kommt für Kevin Möhwald

66. min Spielstand: 1:1
Patrick Rakovsky kommt für Raphael Schäfer

68. min Spielstand: 1:1
Zoltan Stieber kommt für Sebastian Kerk

83. min Spielstand: 1:1
Zoltan Stieber

88. min Spielstand: 2:1
Zoltan Stieber

89. min Spielstand: 2:1
Zoltan Stieber