Profis Teamcheck Donnerstag, 25.02.2016

Teamcheck Fürth: Der Umbruch als notwendiges Markenzeichen

Foto: Sportfoto Zink

Das Kleeblatt spielt in dieser Saison zwar nicht schlecht, mit der derzeitigen Situation ist man jedoch auch nicht zufrieden.

Das menschliche Beziehungsgeflecht an sich füllt Bücher, wird millionenfach besungen oder auf schier unzählbaren Filmstreifen abgebildet – und doch bleibt es ein Mysterium. Siehe nur das Verhältnis zum Nachbarn. Kluge Menschen wollen herausgefunden haben, dass es deswegen mitunter so schwierig sei, weil man in dem Nachbarn ein Spiegelbild seiner selbst sieht und deswegen im Gegenüber quasi seine eigenen Fehler entdeckt. Ob’s stimmt? Könnte sein, wobei, auf die Probe wollen wir diese These nicht stellen. Betrachten wir die SpVgg Greuther Fürth einfach so, als wäre sie kein wenige Kilometer entfernter Nachbar. Will heißen: keine über den Gartenzaun zugeraunzten Foppereien, auch keine ironischen Seitenhiebe, alles nüchtern sachlich, objektiv und emotionslos.

Wobei, so ein Derby ist doch eigentlich klasse, lieber gegen die SpVgg als gegen einen anderen Ligakonkurrenten. Volle Ränge, prickelnde Atmosphäre und dann diese besondere sportliche Rivalität, die aus der geografischen Nähe des Kontrahenten erwächst. So gesehen lieben alle in der Region dieses Derby, das aus der gesamtfränkischen Brille betrachtet nur einen großen Makel hat: Es findet in der falschen Spielklasse statt, da sind sich wohl alle einig. Es gehört eigentlich, im fußballhistorischen Kontext gesehen, in die erste Liga. Punkt. Sorry, jetzt sind wir doch auf die emotionale Schiene geraten, wollten wir ja nicht.

Nicht zufrieden mit dem Komfort

Also, am Freitag ist mit dem Tabellenelften ein Verein zu Gast, dem man nachsagt, aus seinen Möglichkeiten sehr viel zu machen. Haken dahinter, stimmt, sonst würde die SpVgg nicht seit 19 Jahren ununterbrochen zum Kreis der 36 besten deutschen Vereine gehören. Eine Zahl, von der so mancher vermeintlich deutlich größere Klub, was Fanzuspruch und Sponsorenpotenzial anbelangt, nur träumen kann.

In diesem Kontext muss man auch den momentanen elften Rang sehen. Manche sagen, darunter auch einige Fans der SpVgg, das sei nicht so arg attraktiv. Nun ja, was würde sich zum Beispiel so manch ein in diese Saison mit Aufstiegsplänen gestarteter Konkurrent über so eine Langeweile freuen. Nicht zu vergessen, dass sich hinter besagtem elften Rang ein alles andere als fades Konzept verbirgt.

Vorne fahrlässig, hinten wacklig

Der im vergangenen Sommer aus Aalen gekommene Trainer Stefan Ruthenbeck ist ein glühender Verfechter des "agieren statt reagieren". Und wenn auch das Konzept des Heavy-Metal-Fans nicht immer aufgeht, zu erkennen ist es auf dem Spielfeld immer. Hinten reinstellen, und vorne auf einen Geistesblitz von Berisha oder Freis hoffen, ist jedenfalls so gar nicht das Ding der Spielvereinigung Greuther Fürth.

Was allerdings in dieser Saison oftmals auch nicht ihr Ding war: das ökonomische Verwerten ihrer Chancen. Siehe das jüngste 1:1 gegen Schlusslicht Duisburg, ein enttäuschendes Ergebnis nach einer ganz und gar nicht enttäuschenden Leistung. Die SpVgg knackte den Duisburger Abwehrbeton immer wieder mit netten Kombinationen und erspielte sich im Wortsinn acht glasklare Möglichkeiten. Weiteres Manko: Inmitten ihres Willens, mutig nach vorne zu spielen, sind die Ruthenbeck-Jungs hinten anfällig. Auf Fußball-Neu-Deutsch: Die Automatismen des Umkehrspiels bei Ballverlust greifen nicht immer wie im Training einstudiert. In Zahlen: 36 Gegentore, nur drei Vereine haben bislang mehr Gegentore kassiert.

Untypisches Transferverhalten

Andererseits wird diese Zahl mit Blick auf eine andere nur zu verständlich: Alleine in dieser Spielzeit sind 32 Zu- und Abgänge zu verzeichnen gewesen. Aus dem Kader der Bundesliga- Saison 2012/13 ist kein einziger Akteur mehr da und aus dem, der im darauffolgenden Jahr die Rückkehr in Liga 1 in der Relegation gegen den HSV hauchdünn verpasste, sind nur noch zwei Spieler im Dienst.

Alleine in der Winterpause hatten die Fürther mit Florian Trinks, Stephan Schröck, Zsolt Korcsmar, Domi Kumbela, Stefan Thesker und Goran Sukalo sechs gestandene Zweitliga-Spieler abgegeben, im Gegenzug aber mit Sebastian Heidinger nur einen aus dieser Kategorie geholt, die restlich Verpflichteten sind allesamt keine fertigen Profis. Ein Umstand, der die Philosophie der Spielvereinigung wunderbar ausdrückt. Das Aus- und Weiterbilden von Talenten oder Akteuren, die andernorts ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben, ist der Leitfaden allen Handelns. Dazu gehört auch, diese Spieler dann nach ein, zwei Jahren, bei positiver Entwicklung, zu verkaufen.

Ein unnötiges Tor

Präsident Helmut Hack wird nicht müde zu betonen, dass die SpVgg ohne das Erzielen von Transfererlösen nicht überleben könne. Dass es dem Fürther Anhang keine Jubelstürme entlockt, wenn sich regelmäßig die Besten verabschieden, versteht sich. Andererseits gibt der Erfolg, und damit ist nicht der momentane Tabellenplatz gemeint, Helmut Hack zu hundert Prozent recht. Siehe die bereits erwähnten 19 Jahre, siehe aber auch die entstandene Infrastruktur mit dem neuen Trainingsgelände.

In Steine statt nur in Beine zu investieren – auch das ist so eine Maxime des Hackschen Handelns. Freitagabend dreht sich alles nur um Beine – und da sind hoffentlich die der Club-Elf flinker und schussgewaltiger. Das wird man unter Nachbarn wohl mal sagen, äh, schreiben dürfen.

Spieldaten

23. Spieltag, 2. Bundesliga 2015/2016
2 : 1
1. FC Nürnberg
40. Sebastian Kerk 1:1
84. Niclas Füllkrug 2:1
SpVgg Greuther Fürth
7. Robert Zulj 0:1
Stadion
Grundig-Stadion
Datum
26.02.2016 18:30 Uhr
Schiedsrichter
Günter Perl
Zuschauer
45666

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Brecko, Margreitter, Bulthuis, Sepsi - Behrens, Erras, Kerk (75. Blum), Leibold (58. Möhwald) - Burgstaller, Füllkrug (88. Hovland)
Reservebank
Rakovsky, Hovland, Blum, Möhwald, Petrak, Polak, Stieber
Trainer
René Weiler
SpVgg Greuther Fürth
Mielitz - Gießelmann (89. Wurtz), Röcker, Franke, Heidinger - Gjasula, Caligiuri, Freis, Zulj (74. Rapp) - Stiepermann (62. Vukusic), Berisha
Reservebank
Zingerle, Rapp, Hirsch, Rodriguez, Tripic, Vukusic, Wurtz
Trainer
Stefan Ruthenbeck

Ereignisse

7. min Spielstand: 0:1
Robert Zulj

23. min Spielstand: 0:1
Tim Leibold

40. min Spielstand: 1:1
Sebastian Kerk

50. min Spielstand: 1:1
Laszlo Sepsi

57. min Spielstand: 1:1
Robert Zulj

58. min Spielstand: 1:1
Kevin Möhwald kommt für Tim Leibold

62. min Spielstand: 1:1
Ante Vukusic kommt für Marco Stiepermann

74. min Spielstand: 1:1
Nicolai Rapp kommt für Robert Zulj

75. min Spielstand: 1:1
Danny Blum kommt für Sebastian Kerk

84. min Spielstand: 2:1
Niclas Füllkrug

87. min Spielstand: 2:1
Veton Berisha

88. min Spielstand: 2:1
Even Hovland kommt für Niclas Füllkrug

89. min Spielstand: 2:1
Johannes Wurtz kommt für Niko Gießelmann

89. min Spielstand: 2:1
Danny Blum

90.(+3) min Spielstand: 2:1
Marco Caligiuri

90.(+3) min Spielstand: 2:1
Guido Burgstaller