Profis Teamcheck Freitag, 02.12.2016

SV Sandhausen: Die Gallier vom Hardtwald

Foto: Sportfoto Zink

Der Klub aus der Kurpfalz ist so etwas wie das gallische Dorf des deutschen Profi-Fußballs - auch unter Schwartz-Nachfolger Kenan Kocak.

Wir befinden uns im Jahre 2016 n. Chr. Tief im Herzen der Rhein-Neckar-Region hört ein kleiner Fußballverein nicht auf, den arrivierten Vereinen Punkte zu stibitzen. Ganz so alt wie der Dorfälteste Methusalix aus den berühmten Asterix-Comics ist der heutige Kontrahent des 1. FCN, der SV Sandhausen 1916, zwar noch nicht, hat aber während seines über 100-jährigen Bestehens schon zahllose Partien bestritten und beachtliche Erfolge erzielt.

Auf der deutschen Fußballlandkarte zählt die Gemeinde Sandhausen mit rund 14.500 Einwohnern zu den eher beschaulichen Ortsmarken. Verstecken muss sich der Verein aus dem Hardtwald hingegen nicht: Seit Jahren wird beim SVS mit vergleichsweise kleinen Mitteln mehr als solide gearbeitet. Gepaart mit der vorhandenen Fußballbegeisterung geht es seit dem Ende der Oberligatage kontinuierlich nach oben.

Dais schafft die Wende

2007 führte Gerd Dais die Badener als Trainer in die Regionalliga. Doch Ausruhen zählt nicht im Ländle – einmal die Aufstiegseuphorie geschmeckt, wirkt sie wie ein Zaubertrank. In der darauffolgenden Saison wiederholte der Verein das Kunststück und stürmte in die dritthöchste Spielklasse. Der Klassenerhalt gelang mit Platz 8 und 14 zweimal – doch im Februar 2011 herrscht Tristesse im "gallischen Dorf": Der SVS drohte wieder von der Landkarte des Profifußballs zu verschwinden.

Die Wende brachte der reaktivierte Häuptling Dais. Als mitentscheidende Maßnahme stellte er den als Torwarttrainer und Standby-Profi verpflichteten Daniel Ischdonat zwischen die Pfosten. Ausgestattet mit einer sattelfesten Abwehr wehren die Schwarz-Weißen sich erfolgreich gegen das Tor belagernde Invasoren. In den vierzehn Partien hält Ischdonat neun Mal die Null – nur noch ein einziges Mal verlässt der SVS bis zum Saisonende 2011 den Rasen ohne Punkte.

Schwartz schafft souveränen Klassenerhalt

Es gelang der Dais-Elf, den Spannungsbogen auch während der neuen Saison hochzuhalten. Am 36. Spieltag besiegelt ein 2:1-Prestigeerfolg über das von Ex-SVS-Coach Pavel Dotchev trainierte Preußen Münster den Aufstieg. Im Mai 2012 steht Sandhausen als sensationeller Drittligameister fest. Schon damals mitverantwortlich für den Erfolg zeichnet der heutige Vorstandsvorsitzende Jürgen Machmeier, der derzeit gemeinsam mit Michael Meeske und zehn weiteren Kollegen für die DFL im DFB-Vorstand sitzt.

Nach dem Ligaverbleib 2013 am grünen Tisch kommt ein in der Noris mittlerweile bestens bekannter Nürtinger ins Spiel. Alois Schwartz lenkt die Geschicke der Mannschaft in seiner sachlichen wie ruhigen Art und Weise derart stringent, dass die Elf aus dem Hardtwaldstadion trotz Punktabzügen die Klasse zweimal in Folge souverän hält.

Wooten trifft

Sein Nachfolger und neuer Häuptling zur aktuellen Saison ist Kenan Kocak. Der 35-Jährige hat als Trainernovize eine tolle Bilanz bei den Kurpfälzern vorzuweisen. Aus den letzten zehn Punktspielen stehen vier Siegen und vier Punkteteilungen nur zwei Niederlagen gegenüber. Formstärkster Akteur bei den Schwarz-Weißen ist derzeit der 25-jährige Stürmer Andrew Wooten. Mit sieben Treffern und vier Vorlagen hat er entscheidenden Anteil daran, dass der SVS derzeit von Platz 9 des Tableaus grüßt und erneut sehr gute Chancen auf den Ligaverbleib hat.

Sollte er gelingen, wird es in Sandhausen ein großes gemeinsames Fest geben, wie es auch Usus ist im streitbaren gallischen Verbund, der so oft und auch zurecht in einem Atemzug mit der Nennung des SVS bemüht wird.

Spieldaten

15. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
1 : 3
1. FC Nürnberg
82. Guido Burgstaller 1:3
SV Sandhausen
28. Andrew Wooten 0:1
55. Philipp Klingmann 0:2
76. Daniel Lukasik 0:3
Stadion
Datum
03.12.2016 13:00 Uhr
Schiedsrichter
Martin Thomsen
Zuschauer
25250

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Kirschbaum - Brecko - Hovland - Bulthuis - Sepsi - Behrens (63. Teuchert) - Petrak - Kempe - Möhwald - Salli (46. Matavz) - Burgstaller
Reservebank
Schäfer, Mühl, Gíslason, Kammerbauer, Parker, Matavz, Teuchert
Trainer
Alois Schwartz
SV Sandhausen
Knaller - Klingmann - Gordon - Kister - Roßbach - Linsmayer - Kulovits - Kuhn (66. Karl) - Vollmann (46. Lukasik) - Wooten - Höler (89. Sukuta-Pasu)
Reservebank
Wulle, Knipping, Karl, Kosecki, Lukasik, Derstroff, Sukuta-Pasu
Trainer
Kenan Kocak

Ereignisse

24. min Spielstand: 0:0
Stefan Kulovits

28. min Spielstand: 0:1
Andrew Wooten

33. min Spielstand: 0:1
Denis Linsmayer

41. min Spielstand: 0:1
Edgar Salli

42. min Spielstand: 0:1
Stefan Kulovits

46. min Spielstand: 0:1
Tim Matavz kommt für Edgar Salli

46. min Spielstand: 0:1
Daniel Lukasik kommt für Korbinian Vollmann

55. min Spielstand: 0:2
Philipp Klingmann

57. min Spielstand: 0:2
Lucas Höler

59. min Spielstand: 0:2
Tobias Kempe

63. min Spielstand: 0:2
Cedric Teuchert kommt für Hanno Behrens

66. min Spielstand: 0:2
Markus Karl kommt für Moritz Kuhn

76. min Spielstand: 0:3
Daniel Lukasik

82. min Spielstand: 1:3
Guido Burgstaller

89. min Spielstand: 1:3
Richard Sukuta-Pasu kommt für Lucas Höler