Profis Samstag, 13.12.2014

Herzlichen Glückwunsch, Edi Schaffer!

Eine Club-Legende wird 93 Jahre alt. Die gesamte Club-Familie gratuliert Eduard "Edi" Schaffer herzlich zu seinem 93. Jahrestag. Anlässlich seines Geburtstages am Samstag, 13.12.14, präsentiert fcn.de das komplette Interview mit dem Meistertorwart aus dem letzten Mitglieder-Magazin "Der Club".

Foto: Picture Alliance

Der Club: Herr Schaffer, Sie sind seit kurzer Zeit wieder in Nürnberg ansässig und wohnen nun mit gemeinsam mit Ihrer Frau Irmgard am Rand von Zerzabelshof. So nah am Club wie hier haben Sie noch nie gewohnt?

EDI SCHAFFER: Ich habe hier nun einen der schönsten Ausblicke der ganzen Stadt. Das ist für mich das Schönste, wenn ich weit sehen kann und den Ort sehe, an dem ich früher selber Fußball gespielt habe.

Der Club: Der Club hat also weiterhin einen Platz in Ihrem Herzen?

EDI SCHAFFER: Der Club ist für mich immer eine schöne Erinnerung. Ich war dem Verein immer verbunden, auch durch meine Frau, die damals beim Club Handball gespielt hat. Es war ja früher eine große Familie, auch mit den an- deren Abteilungen saßen wir immer zusammen. In diesem Viertel hier sind wir praktisch mit aufgewachsen. Wir waren so oft drüben im alten Zabo. Da hat es uns schon gleich gefallen, dass wir hier wieder in der Na?he wohnen können. Der alte Zabo, der hängt uns doch immer noch am Herzen.

Der Club: Sie haben also Ihre Frau damals beim Club kennengelernt?

EDI SCHAFFER: Meine Frau hat damals im Sportgeschäft von Alf Riemke gearbeitet. Kennengelernt haben wir uns dann bei einem Tanzabend. Ausgesprochen schlecht hab ich wohl nicht getanzt. 

Der Club: Und verfolgen sie die Spiele des Club noch?

EDI SCHAFFER: Ins Stadion gehe ich nun nicht mehr. Das geht leider nicht mehr. Aber klar, jedes Club-Spiel ist für mich interessant. Wenn ein Club-Spiel im Fernsehen gezeigt wird, dann sitzen wir immer hier und kritisieren ein bisschen. Denn der Club ist Nürnberg. Und die Nürnberger hängen am Club.

Der Club: Wissen Ihre neuen Nachbarn denn, dass ein Deutscher Meister jetzt hier wohnt?

EDI SCHAFFER: Die ganz eingefleischten Fußballfans hier wissen das schon noch. Und sprechen mich darauf an. Das freut mich natürlich. Die sagen mir dann immer, das und das Spiel hab ich damals gesehen. Vor allem erwähnen sie immer das Endspiel von 1948.

Der Club: Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1948, das der Club gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann. Sie hatten damals ja auch Glück bei einem Pfostentreffer.

EDI SCHAFFER: Als Tormann sagt man immer: Das hab ich doch gesehen, dass der nicht reingeht. Der Schorsch Kennemann hat mir dann seine Meinung gegeigt. Mit ihm habe ich mich schon ab und an gekappelt. Der Schorsch hat in meinen Augen auch gerne mal für das Publikum gespielt. Er war ja der Star und unwahrscheinlich bekannt.

Der Club: Aber Ihnen sind doch die Buben damals sicher auch hinterhergerannt?

EDI SCHAFFER: Ja, das war schon auch so.

Der Club: In dieser Saison kommt es in der 2. Bundesliga wieder zu zwei Pflichtspielderbys gegen Fürth. Wie ging es denn damals zur Sache, wenn der Club auf die Spielvereinigung traf?

EDI SCHAFFER: Nürnberg gegen Fürth, das war zu unserer Zeit immer erst nach dem Spiel eine angenehme Sache. Unter dem Spiel da hat jeder den anderen bestrafen wollen. Nach dem Spiel waren wir aber zusammengesessen und immer war eine Verbindung da. Vor allem mit dem Horst Schade. Das war damals der Fürther Torjäger, der später dann zum Club kam.

Der Club: Waren Sie eigentlich ein guter Verlierer Herr Schaffer? Wie war das, wenn sie nach einer Niederlage nach Hause kamen?

EDI SCHAFFER: Das war für mich kein Problem. Wir hatten dann halt verloren und das war am nächsten Tag schon wieder vergessen gewesen. Bei Siegen war das schon anders, da haben wir uns immer gefreut. Danach saßen wir immer noch etwas zusammen und jeder hat dann seine eigene Story vom Spiel erzählt.

Der Club: Warum trugen Sie damals während der Spiele eigentlich immer einen grünen Pullover?

EDI SCHAFFER: Ich wollte damit den Gegner erschrecken. Ich habe als Tormann immer grün getragen. Eine andere Farbe hätte ich auch gar nicht haben wollen. Das hatte ich mir von den englischen Torhütern abgeschaut, die hatten auch grüne Pullover an. Nach einem Spiel gegen eine englische Mannschaft habe ich dann beschlossen: Das musst du doch auch machen! Da war schon auch etwas Aberglaube dabei, und die Idee, dass der Gegner dann immer auf das Grüne zielt und ich parieren kann.

Der Club: Im Club-Museum ist ein Exemplar des berühmten Pullovers zu besichtigen. Wie viele Pullover hingen denn bei Ihnen im Kleiderschrank?

EDI SCHAFFER: Eigentlich immer nur einer. Wir haben ja damals auch nicht so viel Geld gehabt.

Der Club: Ein weiterer Trick von Ihnen war, sich die Knie mit Zeitungspapier auszupolstern.

EDI SCHAFFER: Das hing vom Boden ab, auf dem wir spielten. Auf Schlackeplätzen trug ich immer Knieschützer und polsterte diese aus. Auf Rasen musste ich das nicht tun.

Der Club: Handschuhe waren damals auch nicht Teil der Torhüter-Ausrüstung?

EDI SCHAFFER: Nur bei Regen habe ich welche angehabt. Das waren alte Militär-Handschuhe, die waren sehr grob, doppelt gestrickt, da konnte ich die Bälle besser fangen. Ansonsten trug ich nie Handschuhe.

Der Club: Haben sie die Weltmeisterschaft verfolgt?

EDI SCHAFFER: Ja, das habe ich. Dass Deutschland Weltmeister geworden ist, das hat mich sehr gefreut. Vorher hatten ja viele an Bundestrainer Joachim Löw gezweifelt.

Der Club: Bei der WM haben viele sich über die Härte im Spiel beschwert. Wie war das denn zu Ihrer Zeit als Aktiver?

EDI SCHAFFER: Jeder Spieler hat schon so seine Tricks gehabt. Aber nicht zuviel, denn sonst hat das Publikum sofort gnadenlos gepfiffen. Vor mir sind die meisten aber immer weggegangen. Zimperlich waren wir nicht, haben schon auch mitgemischt. In der Abwehr ging es auch mal zur Sache, mit Kennemann und Knoll.