Profis Hintergründe Samstag, 19.11.2016

Nachbericht Würzburg: Von rassigen Duellen und klaren Zahlen

Sportfoto Zink

Die Ungeschlagen-Serie hält – aber mit einem Beigeschmack. Nach einer packenden zweiten Hälfte mit dem verdienten finalen Remis stehen die Mannen von Trainer Alois Schwartz vor einer langen Woche, an deren Ende Absteiger VfB Stuttgart wartet.

  • Die Nachbetrachtung

Vom „kleinen Frankenderby“ wollte kein Eingefleischter so recht sprechen – trafen der Club und die Würzburger Kickers doch erst zum dritten Mal in der 2. Bundesliga aufeinander. 90 Minuten später hatte man dennoch das Gefühl, dass das Frankenduell sich zu einem rassigen Derby mausern könnte. Das lag zum einen an einer ereignisreichen zweiten Halbzeit, in der nach Führung im Rücken mit einem Würzburger Doppelschlag (54., 56.) zur Wende sowie einem Ausgleichstreffer in der 89. Minute alles dabei war, was das Fußballherz höher schlagen lässt. Zum anderen lag es aber auch an den über 37.600 Zuschauern, die den Weg ins Nürnberger Achteck gefunden hatten und vor allem den rot-schwarzen Vertretern unter ihnen, die, wie Chef-Trainer Alois Schwartz sie so schön lobte, den „Ball zum 2:2 ins Tor schrien“.

Das Hadern mit der Entstehung des plötzlichen Rückstands fiel am Morgen nach dem Spiel etwas milder aus als noch nach Abpfiff. Erst hatte ein abgefälschter Schuss die Gäste zurück ins Spiel gebracht. Den wenige Sekunden später erfolgten Elfmeterpfiff verbuchte Schwartz unter eine der „50:50-Entscheidungen, die momentan gegen uns laufen.“ Die Mannschaft jedoch bäumte sich auf. Cedric Teuchert und Edgar Salli sollten die Mannschaft ab der 62. Minute beleben; zwei offensive Wechsel, die „die Mannschaft gut angenommen hat.“ Und so fiel spät wie hochverdient der Ausgleich. „Es war nicht einfach, durch die Würzburger Defensive zu kommen“, zeigte sich Schwartz trotz so mancher Möglichkeit zum Sieg insgesamt zufrieden, „gegen eine Mannschaft, die relativ gut gegen den Ball spielt, haben wir dennoch viele Möglichkeiten herausgearbeitet.“

  • Die Fakten

Seit dem Frankenderby gegen Fürth hatte der Club keine zwei Gegentore mehr hinnehmen müssen, und auch die Gäste stellten mit bis zum 13. Spieltag zwölf kassierten Gegentoren die zweitbeste Defensive der Liga. 2:2 Tore – eine der wenigen ausgeglichenen Statistiken gegen die Unterfranken. Denn ansonsten behielten die Hausherren in nahezu allen Belangen die Oberhand: 58:42 % Ballbesitz, 20:5 Torschüsse und 7:2 Ecken sprechen eine deutliche Sprache. Sechs Gelbe Karten zückte Schiedsrichter Timo Gerach – drei auf jeder Seite. Eine davon schmerzt den Club besonders, da Kapitän Miso Brecko die Reise nach Stuttgart wegen seiner 5. Verwarnung im laufenden Spielbetrieb nicht mit antreten wird. Guido Burgstaller grüßt dank Saisontreffer Nummer elf weiterhin von der Spitze der Torjägerliste. Kevin Möhwald schraubte sich mit seiner siebten Torvorlage an den mit Nejmeddin Daghfous (FWK) geteilten ersten Rang der Assist-Geber.

  • Das sagen die Medien

kicker online: Die feine Einzelaktion des Österreichers [Guido Burgstaller] war der Höhepunkt einer bis dahin tristen Begegnung. Dann aber entschädigte ein packender zweiter Durchgang für alles. Rassige Zweikämpfe, Leidenschaft, Tempo und packende Torraumszenen - das Spiel hatte nun alles zu bieten.

Nürnberger Nachrichten: Am Freitagabend zum Fußball zu gehen, kann eine gute Idee sein, auch die zweite Liga hat ja ihre Reize, wenn auch nicht immer für Ästheten. […] Der Norweger [Even Hovland] traf kurz vor Schluss per Kopf nach Kevin Möhwalds Freistoß zum sehr verdienten 2:2 – gegangen war keiner, die Rekordkulisse verabschiedete ihr Team mit Beifall. Zum Fußball zu gehen, war keine schlechte Idee.

Mainpost: Erst 45 Minuten Langeweile und dann eine zweite Halbzeit voller Emotionen und Spannung und mit einem wilden Auf und Ab. Der fränkische Vergleich zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem FC Würzburger Kickers endete mit einem 2:2 (1:0)-Unentschieden. Aus Würzburger Sicht ärgerlich, weil der Nürnberger Ausgleich erst kurz vor Schluss fiel. […] Am Ende aber werden die Würzburger mit der Punkteteilung trotzdem besser leben können als die Cluberer.

  • Der Ausblick

Der 14. Spieltag wird beim VfB Stuttgart beschlossen – das Montagabendspiel (28.11.16) ist ein absolutes Traditionsduell beim erklärten Aufstiegsanwärter. Mit nun sieben Partien ohne Niederlage sollte es den Cluberern an Selbstbewusstsein jedoch nicht mangeln. Tobias Kempe sieht seine Mannen „ähnlich wie gegen Hannover nicht in der Favoritenrolle. Wir haben da nicht allzu viel zu verlieren, werden Vollgas geben und versuchen, das Spiel zu gewinnen.“ Sein Trainer indes freut sich trotz langer Vorbereitung auf das Topspiel. „Der Fokus liegt auf uns, da kann man sich auch ein bisschen präsentieren. Die Stimmung vor dieser Kulisse wollen wir aufsaugen und zeigen, dass wir da mithalten können.“

Ob Abwehrrecke Dave Bulthuis, für den eine Kaderberufung gegen Würzburg doch noch zu früh kam, dabei sein wird, wird sich im Laufe der Trainingswoche zeigen. Mit Georg Margreitter könnte womöglich eine Defensivkraft zurückkehren. Am Samstag, 19.11.16, bestreitet der Österreicher erstmals seit seiner Verletzung wieder Pflichtspielminuten im Dress der U21. Ebenso zum Kader der Regionalligamannschaft gehörten Shawn Parker, Philipp Hercher, Ivan Knezevic sowie Patrick Rakovsky.

Spieldaten

13. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
2 : 2
1. FC Nürnberg
45. Guido Burgstaller 1:0
89. Even Hovland (Kopfball) 2:2
FC Würzburger Kickers
54. Elia Soriano 1:1
56. 18466 (Elfmeter) 1:2
Stadion
Datum
18.11.2016 18:30 Uhr
Schiedsrichter
Timo Gerach
Zuschauer
37673

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Kirschbaum - Brecko - Hovland - Mühl - Sepsi (88. Gíslason) - Petrak - Behrens (62. Teuchert) - Kempe - Möhwald - Leibold (62. Salli) - Burgstaller
Reservebank
Schäfer, Margreitter, Gíslason, Kammerbauer, Salli, Sylvestr, Teuchert
Trainer
Alois Schwartz
FC Würzburger Kickers
Wulnikowski - 18466 - Neumann - Díaz - Schröck - Traut (76. Schoppenhauer) - Taffertshofer - Benatelli (46. Rama, Karsanidis63. ) - Kurzweg - Soriano - Daghfous
Reservebank
Siebenhandl, Schoppenhauer, Karsanidis, Lagos, Rama, Shapourzadeh, Königs
Trainer
Bernd Hollerbach

Ereignisse

41. min Spielstand: 0:0
Rico Benatelli

45. min Spielstand: 1:0
Guido Burgstaller

46. min Spielstand: 1:0
Valdet Rama kommt für Rico Benatelli

54. min Spielstand: 1:1
Elia Soriano

55. min Spielstand: 1:1
Even Hovland

56. min Spielstand: 1:2
18466

57. min Spielstand: 1:2
Miso Brecko

62. min Spielstand: 1:2
Cedric Teuchert kommt für Hanno Behrens

62. min Spielstand: 1:2
Edgar Salli kommt für Tim Leibold

63. min Spielstand: 1:2
Ioannis Karsanidis kommt für Valdet Rama

71. min Spielstand: 1:2
Sascha Traut

76. min Spielstand: 1:2
Clemens Schoppenhauer kommt für Sascha Traut

81. min Spielstand: 1:2
Ondrej Petrak

88. min Spielstand: 1:2
Rúrik Gíslason kommt für Laszlo Sepsi

89. min Spielstand: 1:2
Peter Kurzweg

89. min Spielstand: 2:2
Even Hovland