Profis Hintergründe Sonntag, 17.09.2017

Nachbericht Duisburg: Der Club schreibt Vereinshistorie

Foto: Sportfoto Zink

1. FCN-Trainer Michael Köllner sprach nach dem 6:1-Sieg kurios, aber korrekt, von einem engen Spiel.

Andere schreiben Fußballgeschichte in Rio. Der Club schreibt Geschichte in Duisburg. Das 6:1 (2:0) beim MSV Duisburg vom Samstag, 16.09.17, ist Vereinsrekord: Noch nie zuvor hat der Club in der Zweiten Liga sechs Tore auswärts geschossen. Michael Köllner blickte entsprechend positiv auf die Partie: „Wir sind natürlich superglücklich und froh, dass wir unsere Chancen gut verwerten konnten.“

Es gibt Tage, an denen es läuft. In Duisburg traf der Club mit neun Schüssen sechs Mal. Am Montag, 11.09.17, bei der 0:1-Niederlage gegen St. Pauli hatte der Club ein Spiel verloren, bei dem der Gegner vielleicht zweimal aufs Tor schoss. Der eine oder andere Fan und auch Spieler mag nach der Partie in Duisburg gedacht haben, hätte der Club die sechs Tore besser aufgeteilt: Drei Treffer am vergangenen Montag gegen St. Pauli und drei gegen Duisburg.

Club hatte Glück, Kirschbaum oder beides

Die Zebras hatten am Samstag in jeder Phase des Spiels Torchancen und wirkten immer gefährlich, selbst nach dem 0:5. Coach Michael Köllner sprach in der Pressekonferenz nach dem Spiel kurios, aber korrekt, von einem engen Spiel. Eduard Löwen nannte Duisburg gar überlegen. Hanno Behrens erkannte, dass der Club viele Torchancen zugelassen hatte. Daran müsse man arbeiten, sagte er. Solch eine hohe Niederlage hatte der Gegner nicht verdient. In der einen oder anderen Szene hatte der Club Glück oder Thorsten Kirschbaum oder beides.

Neben Keeper Kirschbaum konnten weitere Spieler beim Kantersieg punkten: Mikael Ishak, der für Edgar Salli in der Startelf stand, hatte dreimal Instinkt bewiesen und die Kugel dreimal versenkt (10./25./74.). Dabei nutzte er die Abwehrschwäche des Gegners. Bei den ersten beiden Toren entwischte er seinen Gegenspielern im Rücken und lief im richtigen Moment an die richtige Stelle. Neuzugang Tobias Werner, der schon am Montag gegen St. Pauli aufgefallen war, setzte gegen Duisburg seinen Mitspieler Mikael Ishak gut ein und bereitete die ersten beiden Tore vor.

Für Löwen hätte das Tor drei Giebel haben dürfen

Mit zwei Superschüssen machte auch Eduard „Edu“ Löwen wieder auf sich aufmerksam. Einmal in den linken (51.) und einmal in den rechten (76.) Giebel. Und man dachte: Wenn ein Tor drei Giebel hätte, dann hätte er in den auch noch geschossen. Michael Köllner überraschte mit der ungewöhnlichen Entscheidung, Löwen aus der Abwehrzentrale ins offensive Mittelfeld zu beordern (Köllner: „Die Systematik vorne zu ändern, hat der Mannschaft gut getan.“).

Mit der Umstellung wollte Köllner den Zehnerraum mit einem wuchtigen, kopfballstarken Mann besetzen. Das erste Tor war dann jedoch ein Freistoß, das er auch als Abwehrspieler hätte schießen können. Dem zweiten Treffer, das 5:0, ging ein Ballverlust voraus. Der Ball landete bei Löwen. Der versenkte aus mehr als 20 Metern Distanz. Abwehr-Neuzugang Ewerton zeigte gegen Duisburg gekonnte bis spektakuläre Abwehr-Aktionen. Allerdings verwechselte er das Duisburger Stadion in der 81. Minute offensichtlich mit der Copacabana, als er in Beach-Volleyball-Manier den Fußball mit der Hand abwehrte: Klarer Elfmeter. Stoppelkamp schoss mit rechts zum zwischenzeitlichen 1:5 ein (82.).

Köllner: Vier Stürmertore geben Selbstvertrauen

Auch Cedric Teuchert zeigte gleich nach seiner Einwechslung, dass er gut drauf war, als er an der Seitenlinie zwei Duisburger auf engem Raum stehenließ. Wenige Minuten später traf er mit links zum 6:1-Endstand (89.). „Vier Tore von Stürmern waren wichtig, die geben ihnen Selbstvertrauen“, resümierte Köllner in Richtung seiner Offensivabteilung.

Fast genauso positiv wie der Sieg ist die Nachricht, dass Patrick Erras sein Saisondebüt gab und durchgehalten hat. „Patrick Erras tut der Mannschaft gut und hat Sicherheit gegeben, man sieht seinen Wert. Umso besser, dass er wieder in der Spur ist. Wir schauen, dass wir ihn jetzt nicht überbelasten.“ Der Trainer hob auch seine Bedeutung für das Nürnberger Ballbesitzspiel hervor.

Flutlichtspiel am Donnerstag gegen Bochum

Die nächste Aufgabe für den Club lautet in der Englischen Woche am Donnerstag, 21.09.17, der VfL Bochum, bei der Michael Köllner wieder ein "intensives Spiel erwartet, bei dem meine Mannschaft gefordert sein wird. Wir müssen uns sehr akribisch auf dieses Spiel vorbereiten." Anpfiff der Begegnung ist um 20.30 Uhr im Max-Morlock-Stadion.

Personell scheinen sich die Regenwolken ein wenig zu verziehen: Kevin Möhwald, der wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel in Duisburg fehlte, drehte am Sonntag bereits wieder einige Runden. Patrick Kammerbauer radelte erstmals wieder nach seiner Blinddarm-OP und auch Ondrej Petrak (Magen-/Darmvirus) absolvierte eine Laufeinheit, Petrak jedoch in sicherer Distanz zu seinen Kollegen erst am Nachmittag. Georg Margreitter (Nasen-/Nebenhöhleninfekt) fehlte hingegen noch.

  • Das sagen die Fans

De Luja bei Facebook: Ich freu mich am meisten für Mikael Ishak, heute hat man gesehen das er den Riecher hat! Auch der Wahnsinn was Ede für ein feines Freistoßfüsschen hat, das war schon erste Sahne! Hätte nie erwartet das es so ausgeht, Duisburg hat richtig stark gespielt, vorne! hinten zu unserem Glück nicht so ;-). Gerne mehr davon Liebster CLUB!

Volker Reichinger bei Facebook: Ich ziehe heute meinen Hut vor Thorsten Kirschbaum, bärenstarke Leistung. Wenn beide Mannschaften ohne Abwehr spielen, macht der Torwart den Unterschied. :-)

  • Das sagen die Medien

Kicker.de: Dank eines 6:1-Auswärtssieges beim MSV Duisburg kletterte der 1. FC Nürnberg in der Tabelle am 6. Spieltag wieder in die Spitzengruppe. Während sich die Duisburger zwar zahlreiche Chancen herausspielten, diese jedoch nicht verwerten konnten, zeigten sich die Franken eiskalt, siegten indes am Ende aber um das ein oder andere Tor zu hoch.

Nordbayern.de: In der Schauinsland-Reisen-Arena ging es vorab eigentlich nur um die Höhe des Sieges. Der Stadionsprecher holte sich zum Teil erstaunliche Tipps ab, die meisten zu Null und mit zwei bis drei Toren Unterschied. Für den MSV Duisburg, versteht sich.

Spieldaten

6. Spieltag, 2. Bundesliga 2017/2018
1 : 6
MSV Duisburg
82. Moritz Stoppelkamp (Elfmeter) 1:5
1. FC Nürnberg
10. Mikael Ishak 0:1
25. Mikael Ishak 0:2
51. Eduard Löwen 0:3
74. Mikael Ishak 0:4
76. Eduard Löwen 0:5
89. Cedric Teuchert 1:6
Stadion
Datum
16.09.2017 13:00 Uhr
Schiedsrichter
Timo Gerach
Zuschauer
17788

Aufstellung

MSV Duisburg
Flekken - Erat - Bomheuer - Nauber - Wolze - Fröde - Schnellhardt (64. Onuegbu) - Oliveira Souza - Stoppelkamp - Tashchy (82. Hajri) - Iljutcenko (72. Brandstetter)
Reservebank
Davari, Bajic, Hajri, Klotz, Engin, Brandstetter, Onuegbu
Trainer
Ilia Gruev
1. FC Nürnberg
Kirschbaum - Mühl - Löwen - Ewerton José - Valentini - Behrens - Erras (83. Brecko) - Leibold - Hufnagel (69. Salli) - Werner (82. Teuchert) - Ishak
Reservebank
Bredlow, Brecko, Gíslason, Jäger, Petrak, Salli, Teuchert
Trainer
Michael Köllner

Ereignisse

10. min Spielstand: 0:1
Mikael Ishak

25. min Spielstand: 0:2
Mikael Ishak

45. min Spielstand: 0:2
Lukas Fröde

51. min Spielstand: 0:3
Eduard Löwen

59. min Spielstand: 0:3
Moritz Stoppelkamp

64. min Spielstand: 0:3
Kingsley Onuegbu kommt für Fabian Schnellhardt

69. min Spielstand: 0:3
Edgar Salli kommt für Lucas Hufnagel

72. min Spielstand: 0:3
Simon Brandstetter kommt für Stanislav Iljutcenko

74. min Spielstand: 0:4
Mikael Ishak

76. min Spielstand: 0:5
Eduard Löwen

82. min Spielstand: 1:5
Moritz Stoppelkamp

82. min Spielstand: 1:5
Enis Hajri kommt für Borys Tashchy

82. min Spielstand: 1:5
Cedric Teuchert kommt für Tobias Werner

83. min Spielstand: 1:5
Miso Brecko kommt für Patrick Erras

89. min Spielstand: 1:6
Cedric Teuchert