Profis Hintergründe Montag, 27.02.2017

Nachbericht Bochum: "Das nagt an uns"

Foto: Sportfoto Zink

Der Club wartet weiter auf den ersten Heimsieg des Jahres. Den Missmut der Fans kann Alois Schwartz verstehen und hat eine klare Forderung fürs Derby.

  • Die Nachbetrachtung

"Es war eine sehr durchwachsene Leistung", resümierte Alois Schwartz am Tag nach der 0:1-Niederlage gegen den VfL Bochum. Zwar habe seine Mannschaft "gut in die Partie reingefunden", doch nach dem Gegentor ging beim Club nur noch wenig zusammen. "Wir wollten es erzwingen. Das hat man den Spielern angemerkt. Wir waren dadurch zu hektisch und haben die Durchschlagskraft vermissen lassen."

Dementsprechend war die Stimmung hinterher bei allen Beteiligten. "In der Kabine war die Enttäuschung deutlich zu spüren", berichtete Thorsten Kirschbaum nach dem montäglichen Auslaufen. "Ich bin auch heute noch enttäuscht." Nach der zweiten Niederlage in Folge hängt der Club mit 29 Punkten auf Rang 9 weiter im Niemandsland der Tabelle fest. "Das ist natürlich nicht zufriedenstellend. Aber man kann auch keinem den Vorwurf machen, dass er nicht alles gegeben hätte."

  • Die Personalien

Auch in dieser Woche blieb der Coach von neuen Hiobsbotschaften nicht verschont. Im letzten Moment meldeten sich mit Mittelfeldstabilisator Ondrej Petrak (Adduktoren) und Offensivdrahtzieher Kevin Möhwald (grippaler Infekt) zwei wichtige Stützen des Schwartz-Teams ab. Mit Lucas Hufnagel (muskuläre Probleme) fiel zudem kurzfristig ein Spieler aus, der sich zuletzt wärmstens für einen Startelf-Einsatz empfohlen hatte.

Dafür stand Georg Margreitter wieder in der Startaufstellung. Mit Dave Bulthuis und Miso Brecko kehrte zudem ein Duo zurück in den Kader. Dass beide gegen Bochum nicht zum Einsatz kamen, lag vor allem daran, dass der Club einem Rückstand hinterherlaufen musste. Mit Tim Matavz, Mikael Ishak und Cedric Teuchert standen am Ende drei gelernte Stürmer auf dem Platz. Zuvor hatte Schwartz – anders als in den letzten Wochen – auf ein 4-4-2-System gesetzt und Rurik Gislason an die Seite von Matavz beordert. Der Isländer zählte vor allem in Durchgang eins wie schon in München zu den Aktivposten.

  • Die Fakten

Das "Erzwingen", wie es der Cheftrainer formulierte, drücken auch die Zahlen zum Spiel aus. Der Club gestattete seinen Gästen über die gesamte Spielzeit nur sechs Schüsse aufs Gehäuse von Thorsten Kirschbaum, dessen Vordermänner verbuchten dagegen 22 davon. Den meisten fehlte es allerdings an Präzision. Und wenn ein Ball gefährlich Richtung VfL-Tor unterwegs war, parierte Keeper Manuel Riemann  glänzend. In Sachen Passquote präsentierte sich der Club mit 60 Prozent dagegen schwach. "Wir haben die Bälle zu schnell vorne reingespielt, so dass wir viele Fehlpässe in unserem Spiel hatten ", notierte Schwartz.

Doch nicht nur der 1. FCN machte in dieser Hinsicht zu viele Fehler. Der VfL Bochum machte auch einige Sachen gut, um diesen Sieg einzufahren. Den Dreier erarbeitete sich das Verbeek-Team vor allem in der Rückwärtsbewegung. Mit 53,2% am Boden und 59,5% in der Luft gewann Blau-Weiß ein Gros der Zweikämpfe, darunter die wichtigen im Sechzehner, wie Schwartz erklärte: "Bochum hat in der gefährlichen Zone gut verteidigt."

  • Der Ausblick

Sie könnten besser sein, die Aussichten beim Club. Das dachten sich wohl auch die Fans, die ihr Team nach Spielende mit Pfiffen verabschiedeten. Schwartz hat Verständnis für den Unmut der Anhänger: "Es ist traurig, dass wir mit den Fans schon wieder keinen Dreier zu Hause feiern konnten. Das nagt nicht nur an den Fans, sondern auch an uns. Wir haben in den Heimspielen eine tolle Unterstützung und eine tolle Stimmung. Da dürfen die Fans auch mal pfeifen. Diesen Pfiffen müssen wir uns stellen."

Am Sonntag geht es nun zum prestigeträchtigen 262. Franken-Derby. Die Fürther empfangen den Club unter anderen Vorzeichen. Das Team von Trainer Janos Radoki blieb zuletzt vier Mal in Folge unbesiegt, fuhr dabei einen 4:1-Achtungserfolg gegen Hannover 96 ein. Doch der Fokus beim Club liegt zunächst mal auf der eigenen Leistung. "Es muss jetzt ein Ergebnis her. Wir nehmen auch einen dreckigen Sieg mit. Im Hinspiel haben wir gut gespielt, aber verloren. Jetzt kann es von mir aus auch anders sein. Die Art und Weise zählt jetzt erstmal nicht", so Schwartz. Und Thorsten Kirschbaum begreift das Derby als Chance: "Wir können das Ding in eine andere Richtung drehen. Wir haben ja schon gezeigt, dass wir uns aus solchen Phasen wieder herausarbeiten können."

Spieldaten

22. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
0 : 1
1. FC Nürnberg
VfL Bochum
35. Nils Quaschner 0:1
Stadion
Datum
26.02.2017 13:30 Uhr
Schiedsrichter
Alexander Sather
Zuschauer
25700

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Kirschbaum - Kammerbauer - Hovland (77. Ishak) - Margreitter - Mühl - Behrens - Lippert - Kempe - Sabiri (61. Parker) - Gíslason (77. Teuchert) - Matavz
Reservebank
Schäfer, Brecko, Bulthuis, Djakpa, Parker, Ishak, Teuchert
Trainer
Alois Schwartz
VfL Bochum
Riemann - Gyamerah (73. Dawidowicz) - Hoogland - Bastians - Rieble - Losilla - Wydra - Wurtz - Gündüz - Quaschner (65. Saglam) - Mlapa (86. Canouse)
Reservebank
Dornebusch, Dawidowicz, Canouse, Saglam, Bapoh, Merkel
Trainer
Gertjan Verbeek

Ereignisse

35. min Spielstand: 0:1
Nils Quaschner

56. min Spielstand: 0:1
Jan Gyamerah

61. min Spielstand: 0:1
Shawn Parker kommt für Abdelhamid Sabiri

65. min Spielstand: 0:1
Görkem Saglam kommt für Nils Quaschner

73. min Spielstand: 0:1
Pawel Dawidowicz kommt für Jan Gyamerah

77. min Spielstand: 0:1
Mikael Ishak kommt für Even Hovland

77. min Spielstand: 0:1
Cedric Teuchert kommt für Rúrik Gíslason

83. min Spielstand: 0:1
Lukas Mühl

86. min Spielstand: 0:1
Russell Canouse kommt für Peniel Kokou Mlapa

90.(+4) min Spielstand: 0:1
Selim Gündüz