Profis Dienstag, 27.06.2017

Michael Meeske zu e.V.olution: "Ein Spur-, kein Richtungswechsel"

Foto: Sportfoto Zink

Der Kaufmännische Vorstand Michael Meeske bezieht im Interview Stellung zum Status Quo der Diskussion rund um die Vereinsstruktur der Zukunft und die weiteren Planungen.

fcn.de: Michael Meeske, wo steht der 1. FC Nürnberg mit dem Gesamtprojekt „e.V.olution“?

Michael Meeske: Wir beschäftigen uns seit gut einem Jahr intensiv mit den grundsätzlichen Möglichkeiten einer Ausgliederung – insofern ist es ein guter Zeitpunkt, ein erstes Fazit zu ziehen. Wir haben die Thematik von verschiedenen Seiten beleuchtet und aus unserer Sicht eine gute Basis erarbeitet. Darüber hinaus haben wir Klarheit bei den Zahlen und der Finanzierbarkeit erlangt. Dies sind wichtige Schritte für den 1. FC Nürnberg. Im Ergebnis sind wir weiterhin fest davon überzeugt, dass eine Ausgliederung von entscheidender Bedeutung für die langfristige Erfolgsperspektive des 1. FCN ist. Wir wollen aber nichts mit der Brechstange umsetzen und vor allem keine „Ausgliederung um jeden Preis“.

fcn.de: Mehr als ein halbes Jahr tagte allein die Arbeitsgruppe zur Vereins-strukturreform, der auch Mitglieder des 1. FCN angehören. Was nehmen Sie inhaltlich aus den Sitzungen mit?

Michael Meeske: In der konstruktiven Zusammenarbeit der AG „e.V.olution“ in den vergangenen Monaten haben wir viele Diskussionen geführt, Experten gehört und dabei viel gelernt sowie neue Erkenntnisse hinsichtlich der Ausgestaltung einer möglichen neuen, künftigen Rechtsform des 1. FC Nürnberg gewonnen. Es wurden gemeinsam Eckpunkte definiert, die von der Mehrheit der Mitglieder der Arbeitsgruppe für sinnvoll erachtet werden.

fcn.de: Welche Punkte sind dies?

Michael Meeske: Wesentliche Rahmenbedingungen konnten festgelegt werden, die die Eckpfeiler einer vereinskompatiblen Ausgliederung sein sollen. Dabei geht es insbesondere um Mitgliederrechte, Satzungsfragen, Gremienorganisation und Anforderungen an mögliche Investoren. Wir glauben damit einen bestmöglichen Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessengruppen rund um den Verein gewährleisten zu können.  

fcn.de: Die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung ist weiterhin mittelfristig das Ziel?

Michael Meeske: Das ist richtig, sie hat zentrale Bedeutung. Wesentliche Erkenntnis der AG-Arbeit – wie auch des gesamten Prozesses – ist, das Thema weiterhin voranzutreiben. Klar ist doch, dass wir ohne externe Hilfe die notwendige Konsolidierung nur langsam vorantreiben können und damit künftig im Wettrennen der professionell geführten Fußballvereine kontinuierlich an Boden verlieren. Damit wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, eine realistische Erstligaperspektive beizubehalten. Wollen wir im sportlichen Bereich auch in Zukunft konkurrenzfähig sein, tun wir gut daran, die ökonomische Handlungsfreiheit für den ganzen Verein zu erhöhen. Letztlich gibt es natürlich keine Garantien, aber die Entwicklung im Fußball zeigt eine klare Tendenz.

fcn.de: Haben Sie bereits ein bevorzugtes Modell im Hinterkopf?

Michael Meeske: Wir haben sicherlich bestimmte Vorstellungen. Eine Entscheidung über eine konkrete Rechtsform muss aber jetzt noch nicht getroffen werden. Grundsätzlich sollten wir uns hier – innerhalb unserer Eckpfeiler – nicht vorschnell in Sachen Flexibilität einschränken. In den regelmäßig stattfindenden Diskussionsrunden wurden Vor- und Nachteile einzelner Optionen herausgearbeitet. Ergebnisse bzw. Handlungsempfehlungen der Arbeitsgruppe wurden fortlaufend auf unserer Homepage veröffentlicht. Die Grundkonzeption steht, die Rahmenbedingungen wurden gesteckt. Fakt ist, dass sich eine Vielzahl der deutschen Profi-Vereine durch ein anderes Modell als dem „e. V.“ neue Optionen erschlossen und eine bessere wirtschaftliche Perspektive geschaffen haben.

fcn.de: Warum forcieren Sie dann nicht bereits in naher Zukunft eine Abstimmung der Mitglieder über die zukünftige Rechtsform des Club?

Michael Meeske: Die zentrale Prüfung und die Gesamtbetrachtung aller gewonnen Kenntnisse sowie der gegenwärtigen Rahmenbedingungen bzw. die Verhältnismäßigkeit von finanziellem Aufwand und Nutzen führten zu der Einschätzung, dass der gewünschte Positiveffekt aufgrund der spezifischen Bewertung unserer stillen Reserven derzeit in der angestrebten Größenordnung nicht zu erzielen wäre. Eine Ausgliederung wäre zudem zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der mittlerweile zu unterstellenden steuerlichen Belastung nur mit unverhältnismäßig hoch erscheinendem finanziellem Aufwand realisierbar.

fcn.de: Auf welcher Aufgabe liegt Ihr Fokus also im nächsten Schritt?

Michael Meeske: Zunächst liegt unser Augenmerk darauf, strategische Partner für den 1. FC Nürnberg zu gewinnen – mit allen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Für die Verantwortlichen des Club ist es eine große Verpflichtung, den 1. FCN langfristig bzw. nachhaltig erfolgreich aufzustellen und ständig zu verbessen. Wir tragen Verantwortung, die beste Lösung für den Verein zu erarbeiten. Dazu gehört es, Pläne zu modifizieren, um den Ausgliederungsaufwand in Relation zum erwarteten Positiveffekt angemessener zu gestalten und den Effekt in der Bilanz stabiler ausfallen zu lassen. Diese Entscheidung ist ein Spur-, jedoch kein Richtungswechsel.

fcn.de: Wie viel Zeit geben Sie sich für die Suche nach strategischen Partnern?

Michael Meeske: Für ein genaues Zeitfenster kann keine Garantie gegeben werden. Wichtig ist, dass Kompatibilität in alle Richtungen gegeben ist: Es muss für die Mitglieder, den Verein und einen potentiellen Investor passen. Dazu werden wir intensive Gespräche mit möglichen Partnern, aber auch weiterhin mit den Mitgliedern des 1. FCN führen. Das bevorzugte Rechtsmodell sollte zur bestmöglichen Interessenvertretung der verschiedenen Anspruchsgruppen dienen.

fcn.de: Ist absehbar, wann die erforderliche Mitgliederversammlung zur Abstimmung über die künftige Rechtsform stattfinden wird?

Michael Meeske: Das wird sich zeigen. Wie bereits erwähnt, sollten zuvor die passenden Rahmenbedingungen vorliegen. Stand heute steht der Termin eines möglichen Versammlungszeitpunktes aber dementsprechend noch nicht fest.

fcn.de: Ist die Arbeit der Arbeitsgruppe damit abgeschlossen?

Michael Meeske: Das Erstinformations- bzw. -diskussionsrecht bleibt der Arbeitsgruppe im Sinne einer ausgewogenen Meinungsbildung vorbehalten. Es wird auch künftig Treffen bzw. schriftliche Informationen geben, je nach Umfang der neuen Erkenntnisse. Ich sehe keinen Grund, den eingeschlagenen Weg zu verlassen und das Vorhaben nicht weiterhin im engen Austausch mit den Interessenvertretern des Vereins zu gestalten. Ergebnisse bzw. Handlungsempfehlungen der Arbeitsgruppe werden wir wie bisher fortlaufend veröffentlichten und allen interessierten Mitgliedern zur Verfügung stellen. Die Diskussion ist nicht beendet, denn wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass diese Fragen elementar für die zukünftige Perspektive des Club sind.