Profis Interview Freitag, 26.08.2016

Michael Kuhna: Nur Schäfer kann Eintracht stoppen

Seit 16 Jahren berichtet Michael Kuhna als (Fan-) Radioreporter über die sportlichen Geschicke von Eintracht Braunschweig. Am Sonntag sitzt der 43-jährige allerdings nur als Zuschauer im Stadion und erwartet dabei einen Sieg seiner Löwen.

fcn.de: Micha, seit 16 Jahren berichtest du als Radio- und zuletzt als Fanradio-Reporter über die Braunschweiger Eintracht. Jetzt liegt euer Fanradio allerdings auf Eis. Ein herber Verlust?

Michael Kuhna: Definitiv! Wir sind nach all den Jahren natürlich enttäuscht. Wir hatten viele Zuhörer, Zuhörer aus aller Welt. Die kamen aus Japan, das waren Soldaten, die in Afghanistan stationiert waren. Fanradio, das ist immer etwas Besonderes. Das ist blau-gelb, rot oder strahlt in sonst was für Vereinsfarben. Das sind Fans und das hört man auch. Sie berichten für ihresgleichen von ihrem Verein, immer direkt vor Ort und das natürlich umso emotionaler. Na klar sind die Fanreporter parteiisch, das heißt aber nicht, dass man nicht kritisch ist. Ein scheiß Spiel kannst du nicht schön reden.

fcn.de: Dann setz dich doch einmal kritisch mit eurem Saisonstart auseinander. Drücken die zwei Siege gegen Würzburg und St. Pauli das Leistungsvermögen der Löwen aus?

Michael Kuhna: So einen Saisonstart konnte ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Gegen Würzburg war es sehr schwer zu spielen mit dieser Aufstiegseuphorie. Die hatten nichts zu verlieren. Schon in der letzten Saison haben wir uns im ersten Spiel gegen einen Underdog schwer getan. Damals haben wir gegen Sandhausen verloren. Aber diesmal haben wir eben gewonnen. Und dann St. Pauli: Wer hätte mit so einer Statistik, nach solchen Erfahrungen damit gerechnet, dass wir auf St. Pauli gewinnen können? Vor allem die Art und Weise des Sieges. Das war das beste Auswärtsspiel, das ich seit Jahren von der Eintracht gesehen habe. So eine Dominanz hätte ich am Millerntor nicht erwartet. Das war beinahe ein Klassenunterschied. Der Saisonstart war wirklich stark und macht Lust auf mehr. Da ändert auch das Ausscheiden im Pokal nichts dran.

fcn.de: Nimmst du etwa das A-Wort in den Mund?

Michael Kuhna: Eintracht ist definitiv eine Mannschaft, die am Ende mit oben dabei sein kann. Ein Aufstieg wäre genial, das ist klar. Alleine die Tatsache, dass wir uns im Meisterjahr befinden, macht diese Sache noch einmal attraktiver. Vor dann genau 50 Jahren wurden wir Meister, da würde der erneute Aufstieg in die Bundesliga super passen. Aber man darf da jetzt nicht abheben. So ungern ich es sage, aber Hannover und Stuttgart sehe ich als noch stärker besetzt an. Den Aufstieg halte ich aber für möglich.

fcn.de: Trotz der Abgänge von Emil Berggreen im Winter sowie Gerrit Holtmann und Rafal Gikiewicz in diesem Sommer?

Michael Kuhna: Berggreen hat sich nie so richtig zur Eintracht bekannt. Er hat Eintracht immer als Sprungbrett gesehen und wollte nur in die Bundesliga. Das gleiche gilt jetzt für Gikiewicz. Torsten Lieberknecht hatte schon Recht, als er meinte, dass Rafal seine Koffer in Braunschweig nie ausgepackt hatte. Der Abgang von Holtmann tat mir dabei aber am meisten weh. In der letzten Saison hat dieser Junge einen so herzerfrischenden Fußball gezeigt. Da war ich mir lange nicht sicher, ob Eintracht den ersetzen kann.

fcn.de: Beruhigen dich zumindest die Neuzugänge Onel Hernàndez, Suleiman Abdullahi, Gustav Valsvik Julius Biada, Quirin Moll und Christoffer Nyman? Auf wen freust du dich am meisten?

Michael Kuhna: Ich freue mich da auf viele, aber vielmehr bin ich auf die Entwicklung der Spieler gespannt. Bei Julius Biada habe ich mich schon gefragt: Da soll uns einer helfen, der bei Fortuna Köln in der dritten Liga nur zweitbester Torschütze im Team war? Aber jetzt hat er in zwei Spielen zwei Mal getroffen. Und auch Christoffer Nyman, der Dienstag aus Norrköping verpflichtet wurde, ist eine spannende Personalie. Der ist Nationalspieler, jung und kommt topfit mitten aus der Saison in Schweden, wo er in 18 Spielen neun Tore geliefert hat. Ich denke, dass er auch schon am Sonntag spielen wird. Was Marc Arnold da auf die Beine gestellt hat, ist einfach toll!

fcn.de: Was hat er denn auf die Beine gestellt?

Michael Kuhna: Das Prunkstück in dieser Saison ist die Abwehr. Das hat vor allem mit Neuzugang Valsvik zu tun. Ein solcher Spieler hat der Eintracht schon lange gefehlt. Das ist eine richtige Kante. Die Stärke der Defensive wird einem aber auch bewusst, wenn man auf die Ersatzbank schaut. Da ist plötzlich ein Saulo Decarli, der letzte Saison gesetzt war und nun zittern muss. Vorne wird sich noch zeigen, was geht. Bisher macht es den Anschein, dass Domi Kumbela wieder aufblüht und für Furore sorgen kann. Im Zusammenspiel mit Neuzugang Nyman kann das eine spannende Sache werden.

fcn.de: Was würdest du unserem Coach für Sonntag also raten?

Michael Kuhna: (lacht) Gar nichts. Aber ich muss jetzt erst einmal eine Lanze für den Club brechen. Ich kann gar nicht verstehen, dass es Stimmen gibt, die den Trainer nach drei Spielen schon kritisieren. Ich halte Alois Schwartz für einen absoluten Top-Trainer. Aber Fakt ist, dass es für den Club in Braunschweig schwer werden wird. Der Club muss unsere Offensive in den Griff bekommen. Gleichzeitig muss er vorne versuchen, Valsvik und Buffo in Verlegenheit zu bringen. Ich denke, dass den Nürnbergern dazu aktuell das Selbstbewusstsein fehlt. Ich tippe 2:1 für Braunschweig.

fcn.de: Also absolut keine Chance für den Club?

Michael Kuhna: Naja. So ganz kann ich dabei die Vergangenheit nicht vergessen. Damals im Bundesligajahr, als wir in Nürnberg waren, haben wir die Punkte verloren, die uns am Ende gefehlt haben, um nicht abzusteigen. Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Nürnberg hat uns nie gut getan. Ich vergesse deshalb auch nie die geilen Paraden eines Raphael Schäfer. Das bereitet mir Sorgen, dass der am Sonntag schon wieder im Tor stehen wird. Das könnte euer Faustpfand sein.

fcn.de: Nur Schäfer kann euch stoppen?

Michael Kuhna: (lacht) Also wenn man die Vergangenheit betrachtet, kann man das schon so sagen, ja. 

Spieldaten

3. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
6 : 1
Eintracht Braunschweig
43. Domi Kumbela 1:1
45. Saulo Decarli 2:1
55. Saulo Decarli 3:1
86. Nik Omladic 5:1
89. Christoffer Nyman 6:1
1. FC Nürnberg
8. Guido Burgstaller 0:1
64. Dave Bulthuis (Eigentor) 4:1
Stadion
Datum
28.08.2016 13:30 Uhr
Schiedsrichter
Felix Zwayer
Zuschauer
20840

Aufstellung

Eintracht Braunschweig
Fejzic - Ofosu-Ayeh - Decarli - Valsvik - Reichel - Omladic - Moll (83. Boland) - Schönfeld - Khelifi (79. Hernandez) - Biada (67. Nyman) - Kumbela
Reservebank
Engelhardt, Baffo, Boland, Hochscheidt, Kijewski, Hernandez, Nyman
Trainer
Torsten Lieberknecht
1. FC Nürnberg
Schäfer - Brecko - Hovland - Bulthuis - Sepsi - Behrens - Alushi (85. Möhwald) - Salli - Leibold (74. Gíslason) - Kempe (63. Parker) - Burgstaller
Reservebank
Kirschbaum, Mühl, Gíslason, Kammerbauer, Möhwald, Parker, Sylvestr
Trainer
Alois Schwartz

Ereignisse

8. min Spielstand: 0:1
Guido Burgstaller

15. min Spielstand: 0:1
Ken Reichel

20. min Spielstand: 0:1
Enis Alushi

40. min Spielstand: 0:1
Hanno Behrens

43. min Spielstand: 1:1
Domi Kumbela

45.(+2) min Spielstand: 2:1
Saulo Decarli

52. min Spielstand: 2:1
Dave Bulthuis

54. min Spielstand: 2:1
Even Hovland

55. min Spielstand: 3:1
Saulo Decarli

63. min Spielstand: 3:1
Shawn Parker kommt für Tobias Kempe

64. min Spielstand: 4:1
Eigentor: Dave Bulthuis

67. min Spielstand: 4:1
Christoffer Nyman kommt für Julius Biada

71. min Spielstand: 4:1
Quirin Moll

74. min Spielstand: 4:1
Rúrik Gíslason kommt für Tim Leibold

79. min Spielstand: 4:1
Onel Hernandez kommt für Salim Khelifi

79. min Spielstand: 4:1
Rúrik Gíslason

83. min Spielstand: 4:1
Mirko Boland kommt für Quirin Moll

85. min Spielstand: 4:1
Kevin Möhwald kommt für Enis Alushi

86. min Spielstand: 5:1
Nik Omladic

89. min Spielstand: 6:1
Christoffer Nyman