Profis Interview Freitag, 19.05.2017

Matthias Gehring: Den Teufel ins Gesicht geschrieben

Foto: 1.FC Kaiserslautern

Matthias Gehring, in Fan-Kreisen liebevoll als das Betze-Gesicht tituliert, entschied sich vor knapp 30 Jahren, seiner Liebe zum 1. FC Kaiserslautern auf besondere Art und Weise Ausdruck zu verleihen. Grund dafür war Dänemark.

fcn.de: Herr Gehring, sie tragen den FCK nicht nur im Herzen, sondern auch im Gesicht. Wie kam es dazu?

Matthias Gehring: Ich habe in Hannover studiert, als 1988 die Europameisterschaft in Deutschland war. Ich war bei zwei Spielen im Niedersachen-Stadion und eines davon war mit Beteiligung der dänischen Mannschaft. Die Dänen sind bei dieser EM ja sehr positiv aufgefallen, weil sie eine Form von Buntheit und Kreativität an den Tag gelegt haben, wie man es zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nicht kannte. Ein Markenzeichen war das rot angemalte Gesicht mit weißem Kreuz. Ich bin gleich am nächsten Morgen in die Stadt gefahren und habe Farbe geholt.

fcn.de: Zu welchem FCK-Spiel hat die Kriegsbemalung dann Premiere gefeiert?

Gehring: Das war das 6:0 gegen die Stuttgarter Kickers, 1988. Damals hatte ich sogar noch Haare.

fcn.de: Mit Glatze geht das heute doch sicherlich einfacher?

Gehring: Ja natürlich! Es muss ja auch Vorteile haben, keine Haare mehr zu haben.

fcn.de: Wie kommt Ihr Styling bei den anderen Fans an?

Gehring: Die Resonanz war durchweg positiv. Mit meiner Schminke war es dann schnell soweit, dass ich, wenn ich denn ohne ins Stadion gegangen bin, komisch angeschaut wurde (lacht). Deshalb habe ich dann auch schnell beschlossen, es zu meinem Markenzeichen zu machen.

fcn.de: Sie werden sicherlich vor die ein oder andere Kamera gezerrt, oder?

Gehring: Pro Spieltag schon so 20 oder 30, manchmal auch 50 Mal. Mich deshalb aber als inoffizielles Maskottchen zu werten, wäre eine Spur zu weit gedacht. Ich bring nicht weniger oder mehr Glück als andere. Die Bezeichnung FCK-Gesicht stammt übrigens von unserem Alt-Präsidenten Norbert Thines. Aber ich selber fühl mich trotzdem als ganz normaler Fan.

fcn.de: Wie lange dauert die ganze Prozedur?

Gehring: Wenn ich alles mit einrechne – nachrasieren, Vorpflege, Konturen malen – sind das immer fast zwei Stunden.

fcn.de: Gab es auch "haar"-sträubende Fehler?

Gehring: Am Anfang musste ich mich vor dem Spiegel daran gewöhnen, alles anders herum zu machen. Aber genau das hat mich dann in eine delikate Situation gebracht, als ich einen aus unserem Fanclub vor einem Auswärtsspiel in Düsseldorf dann alles spiegelverkehrt ins Gesicht gemalt habe.

fcn.de: Aber 1. FCN stand aus Versehen noch in keinem Gesicht?

Gehring: (lacht) Ne, ne, ne, ne! Bei allem Respekt vor dem Club, aber sowas leiste ich mir dann nicht.

fcn.de: Und ein Tattoo als Dauerlösung kommt nicht in Frage?

Gehring: Um Gottes Willen! Ich habe ja auch noch ein ziviles Leben. Ne, ne. Das passt schon. Dieses zweistündige Prozedere ist mir ja auch wichtig. Das ist zu einem Ritual geworden. Dabei entspanne ich und komme vor wichtigen Spielen, wie jetzt am Sonntag, wieder runter.

fcn.de: Wenn jetzt ein Club-Fan auf die Idee käme, Ihnen nachzueifern, welchen Tipp würden Sie ihm geben?

Gehring: Entscheidend ist die Schminkfarbe! Die Farben basieren entweder auf Wasser oder Fett. Ursprünglich habe ich immer Farbe auf Fettbasis genommen, weil es einfacher mit dem Finger zu verteilen ist. Wenn man dann aber schwitzt, wird das ganze extrem unangenehm. Außerdem blieben alle Fliegen und Mücken darin kleben. Deshalb immer Farbe auf Wasserbasis verwenden!

fcn.de: Sie sind auch Vorsitzender der Queer Devils – ein Fanclub für Lesben und Schwule. Wie unterscheidet er sich von "normalen" Fanclubs?

Gehring: Im Grunde leben und fühlen wir das ganze wie einen normalen Fanclub. Wir gehen zu den Heimspielen, machen die Auswärtsfahrten. Wir sind im FCK-Umfeld aktiv, auch abseits des Themas Homophobie. Aber wir sind auch stolz darauf, dass nicht alle Mitglieder homosexuell sind. Wir haben von Anfang an großen Wert darauf gelegt, für jeden offen zu sein. Ein Drittel ist mittlerweile heterosexuell. Aber das ist ja auch der Sinn dahinter. Wir wollen Berührungsängste abbauen. Es ist notwendig, mit einem offen homosexuellen Bekenntnis als Fanclub ein identitätsstiftendes Merkmal in die Welt zu setzen, an das sich die Menschen wenden können.

fcn.de: Kommen wir zum Sportlichen: Für Kaiserslautern geht es noch um sehr viel am letzten Spieltag – es ist sogar der Absturz auf den Relegationsplatz möglich. Was lief diese Saison schief?

Gehring: Der FCK ist ja wie viele andere Traditionsvereine finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. Wenn man dann keine eigene Nachwuchsarbeit hat, bei der die Verantwortlichen von Jahr zu Jahr ein goldenes Händchen haben, dann ist man auf die Resterampe bei Neuverpflichtungen angewiesen. Und man darf nicht vergessen, dass wir im Sommer einen kompletten Umbruch hatten von der sportlichen Basis bis hinauf in die Vorstandsebene. Dann kam mit Tayfun Korkut ein Trainer, dem noch aus Hannover ein bisschen das Versagertum anhaftete. Und gerade, als ein paar Punkte gesammelt wurden, hat er hingeschmissen. Norbert Meier muss jetzt mit dem Material arbeiten, das er sich vielleicht nicht gewünscht hat.

fcn.de: Warum schafft der FCK am Wochenende trotzdem den Klassenerhalt?

Gehring: Wegen der Fanszene. Dieser Faktor war immer wichtig und hat beim FCK immer geholfen. Bis in den letzten Winkel ist sie mobilisiert. Es werden über 40.000 Zuschauer kommen. Zweitens glaube ich, dass die Mannschaft endlich kapiert hat, worum es geht. Die wollen ab Montag ja auch in den Urlaub (lacht).

fcn.de: Ihr Tipp für das Spiel?

Gehring: Ich würde mir einen Sieg mit besonderer Note wünschen. Beim Ergebnis will ich mich aber gar nicht großartig festlegen. Sogar ein Remis würde mir reichen, da wir ja wirklich nur einen Punkt brauchen.

Foto: 1.FC Kaiserslautern
Foto: Queer Devils
Foto: 1.FC Kaiserslautern

Spieldaten

34. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
1 : 0
1. FC Kaiserslautern
20. Daniel Halfar 1:0
1. FC Nürnberg
Stadion
Datum
21.05.2017 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Markus Schmidt
Zuschauer
noch unbekannt

Aufstellung

1. FC Kaiserslautern
Pollersbeck - Mwene - Vucur - Ewerton José - Aljii (89. Ziegler) - Koch - Moritz - Halfar - Shipnoski (64. Görtler) - Osayamen (83. Kerk) - Glatzel
Reservebank
Weis, Ziegler, Kerk, Seufert, Stieber, Görtler, Zoua
Trainer
Norbert Meier
1. FC Nürnberg
Kirschbaum - Brecko (55. Möhwald) - Margreitter - Mühl - Djakpa - Behrens - Erras - Löwen - Teuchert - Salli - Sabiri (55. Gíslason)
Reservebank
Schäfer, Hovland, Leibold, Gíslason, Hufnagel, Kammerbauer, Möhwald
Trainer
Michael Köllner

Ereignisse

20. min Spielstand: 1:0
Daniel Halfar

25. min Spielstand: 1:0
Patrick Erras

29. min Spielstand: 1:0
Miso Brecko

55. min Spielstand: 1:0
Rúrik Gíslason kommt für Abdelhamid Sabiri

55. min Spielstand: 1:0
Kevin Möhwald kommt für Miso Brecko

61. min Spielstand: 1:0
Constant Djakpa

64. min Spielstand: 1:0
Lukas Görtler kommt für Nicklas Shipnoski

76. min Spielstand: 1:0
Lucas Hufnagel kommt für Abdelhamid Sabiri

81. min Spielstand: 1:0
Naser Aljii

83. min Spielstand: 1:0
Sebastian Kerk kommt für Osawe Osayamen

85. min Spielstand: 1:0
Georg Margreitter

88. min Spielstand: 1:0
Stipe Vucur

89. min Spielstand: 1:0
Patrick Ziegler kommt für Naser Aljii

90.(+3) min Spielstand: 1:0
Eduard Löwen