Berichterstattung zur Partie 1. FC Nürnberg – Greuther Fürth / DFB-Pokal Achtelfinale (DFB-Pokal 2011/2012)

Liebe SpVgg Greuther Fürth, lieber Nachbar!

Vor dem Derby gegen Fürth: Ein etwas anderer Teamcheck.

Liebe SpVgg Greuther Fürth, lieber Nachbar,

schlaue Köpfe haben sich schon mehrmals den Kopf darüber zerbrochen, warum im Allgemeinen die, nennen wir es jetzt einmal Rivalität zwischen Menschen so groß ist, die quasi ums Eck wohnen. Während die gleichen Menschen wiederum Menschen ganz klasse finden, die mehrere hundert Kilometer entfernt leben.

Um dies mit einem Beispiel zu verdeutlichen, bei dem Ähnlichkeiten zu hiesigen Verhältnissen rein zufällig und nicht beabsichtigt sind: Die Frankfurter und die Offenbacher sollen sich ja nicht so ganz grün sein, während die meisten von ihnen wiederum überhaupt nichts gegen Leute haben, die in Rom leben. Komisch? Die eingangs erwähnten schlauen Köpfe sagen nein: Weil uns der Nachbar so ähnlich ist, würden wir uns in ihm wiedererkennen und somit, der springende Punkt, unsere eigenen Schwächen direkt vor Augen geführt bekommen. Na, was sagt ihr dazu, ihr Club- Anhänger und ihr Kleeblatt-Fans? Oder steckt da nicht viel mehr die Volksweisheit dahinter, dass sich neckt, was sich liebt?

Ist also der Spruch „lieber Fünfter als Fürther“ nichts anderes als eine Frotzelei unter Freunden? Zugegeben, nach außen reiben wir als Nürnberger euch Fürthern gerne süffisant den Umstand unter die Nase, dass es mit dem Aufstieg der SpVgg, bislang partout nicht klappen wollte, obwohl sie so oft schon nah dran war. Andererseits wissen wir sehr wohl, dass du, liebe SpVgg in den vergangenen Jahren auch ohne Aufstieg Beachtliches geleistet hast. Im Vergleich zur Aufstiegs-Konkurrenz macht sich dein Etat deutlich vermindert aus – siehe euer letztes Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt, der mit vielen Millionen Euro verschuldete Bundesliga-Absteiger und einem Etat, der fast dreimal so hoch ist wie deiner – rein vom Papier her trat da also ein Ferrari gegen einen Golf-GTI an. In der Realität jedoch war es ein Duell auf Augenhöhe mit Vorteilen für Greuther Fürth.

Respekt liebe SpVgg, was ihr aus vergleichsweise wenig Saison um Saison herausholt, ist absolut bemerkenswert. Letzteres gilt auch für deine Jugendarbeit. In diesem Bereich hattet ihr uns vor einigen Jahren abgehängt, was dem 1. FCN selbstredend Anstoß und Ansporn zugleich war, richtig Gas zu geben. Tja, und heute? Ohne jetzt große Wertungen abzugeben, kann man festhalten, dass sich die Nachwuchsleistungszentren beider Klubs wahrlich nicht vor anderen Vereinen verstecken müssen. Da sieht man wieder einmal, dass Konkurrenz tatsächlich das Geschäft belebt. Deswegen drücken wir euch auch ein bisschen die Daumen in puncto Aufstieg.

Und weil wir gerade so beim Schwelgen sind, fällt uns die Anekdote ein, als die deutsche Nationalmannschaft nur aus Spielern des 1. FCN und der SpVgg bestand. Am 21. April 1924 war dies beim Länderspiel in Amsterdam gegen die Niederlande der Fall. Die Nürnberger und Fürther Akteure reisten in getrennten Waggons an, auf dem Platz zogen sie an einem Strang und am Ende hieß es 2:1 für Franken, äh Pardon, Deutschland. Und überhaupt, die Hochburg Nürnberg/Fürth, die in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Fußball-Deutschland dominierte – das hat doch was. Der FC Bayern reibt sich auf in der fränkischen Zwickmühle, namens 1. FCN und SpVgg, die Klopp-Elf aus Dortmund verliert sich im fränkischen Bermudadreieck zwischen Nürnberg und Fürth – all dies ist zugegeben nicht mehr als eine wünschenswerte Vision, aber man darf doch mit dem Geschichtsbuch des deutschen Fußballs in der Hand schon mal ein wenig träumen.

Und, traumhaft ist schließlich auch die Konstellation – ein, halt Korrektur, das Derby schlechthin im deutschen Fußball, ein seit Wochen ausverkauftes Stadion, knisternde, Spannung geladene Flutlicht Atmosphäre – Fußball-Herz, was willst du mehr? Sicherlich hätte es sportlich leichtere Lose gegeben als euch Fürther. Eine verdammt harte Nuss seid ihr, steht in der Defensive kompakt, schaltet bei Balleroberung blitzschnell um, habt wieselflinke, quirlige Akteure wie euren Stephan Schröck und ganz vorne wuchtige Stürmer wie Olivier Occean oder den „King“, der richtig Kingsley Onuegbu heißt.

Wenn wir uns das jetzt so recht überlegen, kommt diese Paarung ein wenig zu früh – nach Berlin, bekanntlich der Ort des Finales, hätte sie prima gepasst. So aber kann nur einer in die Metropole an der Spree fahren. Möge dies der am heutigen Abend Bessere tun, könnten wir jetzt sagen. Machen wir aber nicht, soweit wiederum geht dann die Nachbarschaftsliebe auch nicht. Also, liebe SpVgg, natürlich hoffen wir inständig, dass wir heute Abend die Nase vorne haben. Sollte es so kommen, haben wir aber jetzt schon ein Trostpflaster für euch. In der nächsten Saison sehen wir uns vielleicht schon wieder, in der 1. Liga. Bis dahin, mit Ausnahme des heutigen Abends versteht sich, viel Glück SpVgg!

Montag, 19.12.2011


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