Profis Dienstag, 28.11.2017

Kai Hense: "Ruud Gullit ist eine Maschine!"

Seit Jahren ist Kai Hense als "Hensoo" in der FIFA-Szene aktiv, seit wenigen Monaten spielt er offiziell für den Club. Wie sich sein Leben seitdem verändert hat, auf welche Ultimate-Team-Spieler er auf keinen Fall verzichten kann und wie er die Entwicklung des eSports einschätzt, verriet der 19-Jährige im Interview mit fcn.de.

fcn.de: Hallo Kai. Der Release von FIFA 18 ist etwa zwei Monate her: Wie fällt dein Fazit aus?

Kai Hense: Das Spiel macht echt Bock. Am Anfang war es noch extrem anders als FIFA 17, durch die Patches ist es inzwischen ähnlich. Wenn man FIFA 17 gut konnte, was bei mir der Fall war, hat man jetzt nicht mehr so die Probleme.

fcn.de: Wie findest du die Neuerung, dass man sehen kann, welchen Spieler der Gegner gerade kontrolliert?

Kai Hense: Das finde ich ganz cool. Das passt zu mir, ich kann mich so auf die Spielsituation einstellen. Wenn ich angreife, sehe ich, welchen Spieler er anwählt und probiere dann, dorthin zu passen, wo er gerade keinen Spieler kontrolliert.

fcn.de: Mit FIFA hast du deine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Wie kam es überhaupt dazu, dass du FIFA-Profi beim Club geworden bist?

Kai Hense: Ich war schon lange bei der Agentur „BAP-Gaming“ unter Vertrag. Über meinen Teammanager kam der Kontakt zum Club. Als der 1. FCN dann im eSports einsteigen wollte, kam er auf uns zu. Da konnten Bubu und ich natürlich nicht ‚Nein‘ sagen.

fcn.de: Was hat sich denn für dich in deinem Leben geändert, seitdem du offizieller FIFA-Profi bist?

Kai Hense: Es hat sich schon einiges geändert. Leute sprechen einen ganz anders an, so als wäre ich jetzt eine andere Person. Ich bin aber immer noch der gleiche Mensch. Ich übe mein Hobby jetzt nur intensiver aus. Auf Instagram kriege ich auch oft Anfragen von Leuten, die gegen mich spielen wollen. Manche fragten sogar schon nach Autogrammkarten.

fcn.de: Ist FIFA eigentlich gerade dein Hauptberuf?

Kai Hense: Ja, würde ich schon sagen. Ich spiele aber noch selbst aktiv Fußball in der Landesliga, trainiere dort viermal die Woche und mache außerdem noch mein Praktikum bei einer Sanitärfirma, um das volle Fachabitur zu bekommen.

fcn.de:
Welche Turniere und Spielmodi spielst du denn momentan bei FIFA 18?

Kai Hense: Gerade spiele ich die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, die virtuelle Bundesliga. Da sieht’s auch derzeit ganz gut aus. Wenn ich mich dafür qualifiziere, bin ich als nächstes beim Play-Off-Event, wo dann offline 64 Xbox- und 64-Playstation-Spieler eingeladen werden. Die besten acht kommen dann zum ganz großen Finale. Ansonsten spiele ich noch Ultimate Team, dort gerade die Qualifikation zur Weltmeisterschaft.

fcn.de: Auf welche drei Spieler kannst du in deinem Ultimate Team auf keinen Fall verzichten?

Kai Hense: Meine drei besten Spieler sind Cristiano Ronaldo, Patrick Vieira und Laurent Blanc. Die drei sind für mich unersetzbar, die muss man einfach im Team haben. Mein nächstes Ziel ist es, Ruud Gullit freizuschalten, der Typ ist einfach eine Maschine.

fcn.de:
Am Wochenende warst du in Minsk und hast für den Club beim FIFA-Turnier des weißrussischen Erstligisten Dinamo Brest gespielt. Wie liefs dort?

Kai Hense: Das war ganz cool. 16 Vereine wurden eingeladen, ich war zunächst in einer Gruppe mit Ajax Amsterdam, FC Basel und Guangzhou Evergrande aus China. Als Gruppenerster bin ich ins Viertelfinale gegen den Gastgeber eingezogen. Dort sind die Dinger einfach nicht reingegangen. Nach den Siegen in der Vorrunde darf ich gegen den nicht verlieren, aber so ist das manchmal. Das war mein erstes internationales Turnier unter dem Wappen des 1. FC Nürnberg und ich nehme viele Erfahrungen mit.

fcn.de: Mit dem Beruf „FIFA-Profi“ hast du dir ja schon einen Traum erfüllt. Was hast du jetzt eigentlich noch für Ziele in deiner Karriere?

Kai Hense: Im Februar will ich mich auf jeden Fall für die Ultimate-Team-Weltmeisterschaft qualifizieren. Das muss einfach klappen, darauf habe ich viel zu lange hingearbeitet. Bei der virtuellen Bundesliga ist das Finale das Mindeste. Ziele sind also da, die muss man dann aber auch erst mal umsetzen.

fcn.de: Wie viele Controller hast du eigentlich schon vor Wut zerstört?

Kai Hense: (lacht) Noch gar keinen! Ich kann die Leute verstehen, denen es passiert, aber ich habe mich immer ganz gut im Griff. Da steckt ja schließlich auch Geld drin, daher gehe ich damit auch gut um.

fcn.de: eSports erlebte in den letzten Jahren einen starken Aufschwung. Welche Visionen hast du? Was glaubst du, wo die Reise für eSports hingeht?

Kai Hense: Ich habe schon von Kollegen gehört, dass sie glauben, dass es sich in eine solche Richtung entwickelt, dass eSportler in etwa drei Jahren besser verdienen könnten als beispielsweise Piloten – allein das fände ich schon krass. Ich glaube auch, dass es mal olympisch wird. In Holland haben sie ja sogar schon eine eigene Liga gegründet, da stellt jeder Verein mindestens einen Spieler. Ich denke in den nächsten zwei, drei Jahren wird es das auch in Deutschland geben. Bald werden Kinder auch schon im Grundschulalter sagen, dass „eSportler“ ihr Traumberuf ist.

fcn.de: eSport ist ein echter Sport, weil …

Kai Hense: … die Leidenschaft wie im normalen Sport vorhanden ist. Außerdem sitzt man ja nicht nur faul rum – auch wenn es so rüber kommt. Man macht genauso viel wie im echten Sport, nur halt im Kopf.

fcn.de: FIFA zocken oder selber gegen den Ball treten: Was machst du lieber?

Kai Hense: Ah, das ist schwierig. Ich liebe wirklich beides, da kann ich mich nicht entscheiden. Ich gehe auch gerne mal ins Stadion. In Nürnberg war ich jetzt öfter mal den Club supporten. Das werde ich auch beibehalten.

Auf der offiziellen Instagram-Seite der FCN-eSports-Abteilung erhaltete ihr laufend frische Bilder und News. Kai "Hensoo" Hense und Daniel "Bubu" Butenko sind außerdem bei Twitter und Facebook mit eigenen Accounts vertreten und posten regelmäßig über ihre aktuellen Fortschritte und Erlebnisse.