Profis Dienstag, 15.03.2016

Gislason und Mössmer: Das Ende der Leiden

Foto: Sportfoto Zink

Vergangene Woche trainierten Rurik Gislason und Junior Mössmer erstmals wieder mit der Mannschaft und durften am Wochenende bei der U21 ran.

Gut Ding will Weile haben. Ein Sprichwort, das schnell als Durchhalteparole herhalten muss, im Fall von Jürgen "Junior" Mössmer und Rurik Gislason aber kaum besser passen könnte. 14 Monate fehlten der Innenverteidiger und der isländische Nationalspieler in der Summe verletzungsbedingt. Nach ersten Einheiten mit der Mannschaft in der vergangenen Woche, durfte das Duo am Wochenende bei der U21 erstmals wieder Spielpraxis sammeln.

Dass Junior Mössmer das letzte Mal bei einem Pflichtspiel auf dem Platz stand, ist schon eine Weile her. Seit dem 14. Mai 2015 - der Club spielte beim späteren Aufsteiger FC Ingolstadt (1:1) - bestritt der Innenverteidiger kein Pflichtspiel mehr im Club-Dress. Eine hartnäckige Knieverletzung machten weitere Einsätze unmöglich, zwangen ihn zu einer Operation samt anschließender Pause.

"Brauche noch Zeit"

Der Kontakt zur Mannschaft riss trotzdem nie ab. "Ich war zwischenzeitlich immer mal wieder hier und kenne immer noch die ganzen Jungs. Trotzdem hat es sich anders angefühlt, nach zehn Monaten wieder auf dem Platz zu stehen", gesteht der 26-Jährige und beschwichtigt zugleich überzogene Erwartungen an seine Person: "Ich brauche noch Zeit zum Eingewöhnen."

Der Fall Rurik Gislason stellt sich da als ein gänzlich anderer dar. Zwar fehlte der Isländer "nur" vier Monate nach einem Eingriff an der Achillessehne, doch die Schmerzen trug der Flügelspieler bereits seit seiner Ankunft in Mittelfranken vergangenen Sommer mit sich herum. Keine leichte Zeit für den Neuzugang vom FC Kopenhagen: "Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Aber es ist hart, wenn du jeden Morgen aufstehst und kaum gehen kannst. Irgendwann fällt es dir vor lauter Schmerzen schwer, dich zu motivieren." Deshalb freute er sich "wie ein kleiner Junge", endlich wieder mit der Mannschaft trainieren zu können: "Mir geht's gut. Es wird jetzt jeden Tag besser und besser."

Zurück auf Anfang

Natürlich war bei den ersten Übungen im Kreise der Kollegen noch etwas Zurückhaltung angesagt, doch schnell wirkten Gislason und Mössmer wieder mittendrin. Hauptsache kein individuelles Training mehr, so die einhellige Meinung. "Die Mitspieler nur einen Platz weiter zu sehen, ist kein schönes Gefühl. Manchmal ist es besser, das nicht zu sehen, als nebenan zu beobachten, wie der normale Alltag aussieht, ohne teilnehmen zu dürfen", erinnert sich Mössmer, wenn auch nur ungern.

Die Erinnerungen an die letzten Monate enthielten nur wenig Schönes. Blendet man das erfolgreiche Abitur von Rurik Gislason aus - ein weiterer Schritt auf seinem Weg zu einem künftigen Jurastudium - ähnelten sich die Tage der beiden Cluberer: Acht Uhr morgens zur Reha, um 17 Uhr, nach diversen Trainings, Cardioübungen und Massagen, nach Hause. "Da würde mir wohl jeder zustimmen, wenn ich sage, dass das die schlimmste Zeit ist, die man haben kann. Du betreibst jeden Tag einen riesen Aufwand, siehst aber wenn überhaupt nur ganz kleine Fortschritte. Wenn man sonntags dann frei hat, ist man meist zu müde, um etwas zu machen", so Mössmer.

Zwei Spieler, ein Ziel

Doch von nun an richtet sich der Blick der beiden Profis nach vorne. Die Zielsetzung ist klar, die Rückkehr in den Profi-Kader. Gislason verspürt dabei eine ganz besondere Motivation: "Als ich verletzt war, habe ich die Fans immer hinter mir gefühlt. Das will ich jetzt zurückzahlen“, hofft der 28-Jährige. "Ich will möglichst schnell in Bestform kommen."

Hilfreich dabei dürfte der aktuelle Höhenflug seiner Mannschaft sein. Zwölf Punkte aus den vergangenen vier Spielen, 16 Spiele in Folge ungeschlagen. "Die Mannschaft hat das fantastisch gemacht. Großes Kompliment an das Trainerteam und die Spieler. Wir entwickeln uns in die richtige Richtung", lobt Gislason. Für Mössmer ist die aktuelle Entwicklung keine allzu große Überraschung: "Wir wurden letztes Jahr oft kritisiert. Die Qualität, das Potenzial war aber immer schon da. Nach den Anlaufschwierigkeiten hat sich die Mannschaft jetzt gefangen und eine Spielweise gefunden, mit der es für andere schwer wird, sie zu schlagen. Die Serie spricht für sich selbst."

Gislason: Erst der Club, dann zur EM

Sowohl der gebürtige Reutlinger, als auch sein Leidensgenosse sammelten am Wochenende zunächst in der U21 von Roger Prinzen weitere Erfahrungen. "Man hat ihnen angesehen, dass sie lange keine Einsatzzeiten mehr hatten. Aber mit zunehmender Spieldauer hat man gemerkt, dass es immer besser wird. Junior hat vor seiner Auswechslung mehr Spielgefühl und ein viel stärkeres Zweikampfverhalten gezeigt, als noch zu Beginn. Rurik hat auf der rechten Außenbahn für viel Spielbetrieb gesorgt und einige gefährliche Situationen eingeleitet", zeigte sich Prinzen nach Abpfiff durchaus zufrieden mit den beiden Comebackern.

Während sich Mössmer nach seiner zehnmonatigen Pause erst einmal auf seinen Körper konzentrieren möchte, verfolgt Gislason bereits konkrete Ziele. "Während meiner Reha lag der Fokus klar darauf, wieder fit für den Club zu werden. Aber natürlich war in meinem Hinterkopf auch der Wunsch, im Sommer Teil des isländischen Nationalteams bei der EM zu sein. Und davon gehe ich fest aus", so der Rechtsfuß, der bisher auf 37 Länderspiele zurückblicken kann. Zunächst konzentriert sich Gislason allerdings voll auf den Club und hofft, im Endspurt nochmal eingreifen zu können: "Wenn der Trainer mich beruft, werde ich bereit sein."