Profis Hintergründe Samstag, 08.04.2017

„Gierig auf das Tor ist jeder“

Der Club musste vor eigenem Publikum gegen St. Pauli nach starkem Beginn eine 0:2-Niederlage hinnehmen. Der Blick geht nach einer anstrengenden englischen Woche gen Aue.

  • Die Nachbetrachtung

„Die Enttäuschung ist riesengroß“ – es gab nur einen Tenor am Samstagmorgen, 08.04.17, am Sportpark Valznerweiher. Grund war das 0:2 gegen den FC St. Pauli, nach dem Lukas Mühl sich den Fragen der anwesenden Medien stellte. Und diese drehten sich um zwei zentrale Themen: Die Abschlussschwäche der letzten Wochen und die aktuelle Tabellenkonstellation. „Generell gibt es im Fußball nie die Situation, in der schon alles vorbei ist“, erklärte der Abwehrhüne. „Wir wollen weiterhin so viele Punkte holen wie möglich. Keiner denkt, dass die Saison gelaufen ist.“ Denn aktuell weist das Tableau trotz Platz acht nun auch sechs Punkte Abstand auf Relegationsplatz 16 auf.

Auch Chef-Trainer Michael Köllner nimmt die Tabelle wahr, ist jedoch der festen Meinung: „Man darf jetzt nicht darin verfallen, den Worst Case auszumalen. Sicherlich ist die Tabellenkonstellation immer im Hinterkopf. Nicht nur nach unten, sondern auch was die Fernsehtabelle angeht. Ich schaue da in alle Richtungen“, formuliert der Oberpfälzer den gebotenen Realismus. Freilich nach einem Spiel, das – ähnlich wie in Hannover drei Tage zuvor – auch anders hätte ausgehen können. Nach zwei verpassten Tor-Möglichkeiten und einer klaren spielerischen Überlegenheit in der ersten halben Stunde belohnte sich der Club vor eigenem Publikum allerdings nicht mit der Führung.

„Wenn du dich in der Phase, in der du einen taktischen Vorteil hast, nicht belohnst, ist das enttäuschend“, sagt der Trainer. Denn: „Es wird kaum ein Spiel geben, in dem man sich 90 Minuten lang einen taktischen Vorteil erarbeitet.“ Folglich durften sich die Gäste wenige Minuten nach der Pause über das 0:1 freuen. „Gegen so eine Mannschaft“, weiß Lukas Mühl, „wird es dann schwierig, wieder ranzukommen – gerade mit einer englischen Woche in den Beinen.“

Im Hinblick auf die Partie gegen den FC Erzgebirge Aue soll das Hauptaugenmerk darauf gelegt werden, Tore wieder zu erzwingen. Michael Köllner: „Jetzt haben wir ein paar Tage mehr Zeit, uns da voranzubringen, so wie wir es in einigen anderen Bereichen bisher auch schon getan haben.“ Denn in der englischen Woche sei es aufgrund der nötigen Regenerationsphasen nicht einfach, die Partien bis in die tiefsten Details vorzubereiten. In der Vorbereitung auf Aue müsse das Team „mehr Entschlossenheit, mehr Zug reinbringen.“ Am Willen soll es nicht scheitern: „Gierig auf das Tor ist jeder“, sagt Lukas Mühl.

  • Die Personalien

Nicht weniger als elf Ausfälle hatte der 1. FC Nürnberg am Ende der englischen Woche zu verzeichnen. Zu den Langzeitverletzten (Lippert, Erras, Leibold, Sepsi, Parker, Sabiri, Teuchert) und dem zuletzt an einer Bauchmuskelzerrung laborierenden Thorsten Kirschbaum gesellten sich im Laufe der Woche Ondrej Petrak, Georg Margreitter und auch Kevin Möhwald. Mit den letztgenannten vieren darf in der Vorbereitung auf die Heimpartie gegen Aue wieder gerechnet werden. Auch Cedric Teuchert und Laszlo Sepsi konnten ihren Trainingsrückstand aufholen und werden wohl wieder ins Teamtraining einsteigen.

Hatten unter der Woche nur 17 Mann die Reise nach Hannover angetreten, gehörte Tim Matavz nach überstandenen Knieproblemen am Freitagabend wieder zum Aufgebot und nahm zunächst auf der Bank Platz. Im Angriff feierte Dominic Baumann sein Startelfdebüt. Fehlen wird am anstehenden 28. Spieltag Even Hovland, der gegen St. Pauli in die Startelf zurückgekehrt war, im Spiel aber die fünfte Verwarnung der laufenden Saison kassierte.

  • Die Fakten

Nach dem zuletzt in Hannover praktizierten 4-3-2-1-System setzte Chef-Trainer Michael Köllner gegen St. Pauli auf ein 3-4-2-1. Even Hovland und Dave Bulthuis flankierten Lukas Mühl in der Dreierkette. „Die Dreierkette spiele ich auch bei der U20-Nationalmannschaft. Für mich war das ein Vorteil. Gerade in den ersten 20 Minuten ist St. Pauli gar nicht durchgekommen“, analysierte Mühl nach dem Spiel.

Dass unter dem neuen Trainer nicht nur spielerische Lösungen bevorzugt werden, sondern diese immer besser gelingen, zeigen auch die Zahlen: 80,16 % angekommene Pässe stehen 69,38% auf gegnerischer Seite gegenüber. Bei den Zweikämpfen schenkten sich beide Kontrahenten nichts (50,78 % zu 49,22 %). Nahezu 57 % Ballbesitz, 9:5 Ecken und 17:11 Torschüssen sprechen zwar auch für den Club – leider stehen an der spielentscheidenden Stelle, der Tore, 0:2 zu Buche. „Der letzte Schliff, der letzte Pass, die letzte Kombination klappt noch nicht. Daran arbeiten wir in den nächsten Wochen“, verspricht Lukas Mühl.

  • Das schreiben die Medien

Nürnberger Nachrichten: Zwei Niederlagen in vier Tagen, das war für den 1. FC Nürnberg eine Woche zum Vergessen. Der 1. FCN, Achter der 2. Bundesliga, verlor nach dem 0:1 in Hannover gestern im Frankenstadion mit 0:2 (0:0) gegen den Vorletzten aus St. Pauli. Beide Tore für die Gäste erzielte Aziz Bouhaddouz, nachdem der Club in der ersten Halbzeit seine Chancen nicht hatte nutzen können.

Nürnberger Zeitung: Am Ende war der Club nur ein dankbarer Aufbaugegner für den stark abstiegsgefährdeten FC St. Pauli. Stark begonnen und noch stärker abgebaut – unter diesem Motto stand das Zweitligaheimspiel der Franken gegen die Hamburger, die zuvor viermal sieglos geblieben waren. Matchwinner bei den Gästen, die erstmals seit 2001 wieder in der Noris gewinnen konnten, war Aziz Bouhaddouz.

Kicker: Die Kiezkicker gewannen in einem über weite Strecken durchschnittlichen Spiel dank Doppelpacker Bouhaddouz mit 2:0 und fuhren im Kampf um den Klassenerhalt einen eminent wichtigen Dreier ein.

Spieldaten

28. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
0 : 2
1. FC Nürnberg
FC St. Pauli
51. Aziz Bouhaddouz 0:1
70. Aziz Bouhaddouz 0:2
Stadion
Stadion Nürnberg
Datum
07.04.2017 18:30 Uhr
Schiedsrichter
Daniel Schlager
Zuschauer
29000

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Mühl - Hovland (65. Matavz) - Bulthuis - Brecko - Djakpa - Kammerbauer - Behrens (60. Hufnagel) - Löwen - Kempe - Baumann (73. Gíslason)
Reservebank
Rakovsky, Förster, Gíslason, Hufnagel, Ishak, Matavz, Salli
Trainer
Michael Köllner
FC St. Pauli
Heerwagen - Hornschuh (74. Ziereis) - Sobiech - Gonther - Dudziak - Nehrig - Buchtmann - Sahin (75. Buballa) - Møller Dæhli (81. Flum) - Sobota - Bouhaddouz
Reservebank
Himmelmann, Buballa, Ziereis, Flum, Miyaichi, Sobiech, Thy
Trainer
Ewald Lienen

Ereignisse

0. min Spielstand: 0:0


51. min Spielstand: 0:1
Aziz Bouhaddouz

55. min Spielstand: 0:1
Even Hovland

59. min Spielstand: 0:1
Patrick Kammerbauer

60. min Spielstand: 0:1
Lucas Hufnagel kommt für Hanno Behrens

65. min Spielstand: 0:1
Tim Matavz kommt für Even Hovland

65. min Spielstand: 0:1
Bernd Nehrig

70. min Spielstand: 0:2
Aziz Bouhaddouz

71. min Spielstand: 0:2
Raphael Schäfer

73. min Spielstand: 0:2
Rúrik Gíslason kommt für Dominic Baumann

74. min Spielstand: 0:2
Philipp Ziereis kommt für Marc Hornschuh

75. min Spielstand: 0:2
Daniel Buballa kommt für Cenk Sahin

81. min Spielstand: 0:2
Johannes Flum kommt für Mats Møller Dæhli