Profis Teamcheck Donnerstag, 06.04.2017

FC St. Pauli: Die Freibeuter der Liga

Foto: Sportfoto Zink

Sie sind der "etwas andere Verein" und sorgen nicht nur auf dem Platz für besondere Momente. Am Freitag gastiert der FC St. Pauli in Nürnberg. fcn.de blickt auf den Kiezklub.

Die See lockte stets raue Männer. Pflichtbewusste stellten sich in Dienst der Hanse, freiheitsliebende und nicht immer gesellschaftskonforme frönten der Piraterie. Die Fans des FC St. Pauli sehen sich und ihren Verein mit einer gewissen Chuzpe in der Tradition der Freibeuter mit Totenkopfflagge. Am Freitagabend kommt es nun zum zweiten saisonalen Säbelrasseln zwischen dem "etwas anderen" Fußballklub und dem 1. FC Nürnberg.

Gegründet 1910, kultiviert der Kiezklub sein Image als hartgesottener Kultklub gegen finanziell potentere Flaggschiffe der Liga. Die Verbindung zum FCSP wird schon früh geknüpft, im Millerntor-Stadion erwartet den Nachwuchs das Piraten-Nest, eine Kita, die größeren Kids kommen zu den "Wilden Rabauken". Aber auch erfahrene Seebären engagieren sich in besonderem Maße für ihren Herzensverein. Man sieht sich als Stadtteilklub, der auch politisch Stellung bezieht.

Unkonventioneller Charme

Die Vielfalt der über 23.500 Mitglieder ist dabei ähnlich bunt wie die Piratenkutten von einst. Es war der FCSP der als erster Lizenzverein Deutschlands rassistische Rufe im Stadion verbot und 2009 bindende Leitlinien verabschiedete. Am Heiligengeistfeld, nur wenige Ruderschläge von der Reeperbahn entfernt, inmitten des Vergnügungsviertels, soll jederfrau und jedermann sich akzeptiert und willkommen fühlen.

Sein unkonventioneller Charme bringt dem FCSP weitreichende Sympathien ein. Gerät der Kahn einmal in Seenot, wird gerne geholfen – und die listigen Braun-Weißen angeln sich etwa mit einem 2:1-Erfolg im Bundesligaspiel 2002 gegen Bayern München nebenbei den Titel des "Weltpokalsiegerbesiegers". Die Fans kitten auch so manches Leck: Als alle Münzen verbraucht waren und 2003 der Schiffsbruch samt Absinken in die Untiefen der vierten Liga drohte, starteten sie die "Retterkampagne" und sackten in nur drei Monaten mit nahezu zwei Millionen Euro einen prächtigen Goldschatz ein. Ihre Trinkfestigkeit untermauerten sie dabei mit der angelagerten Aktion "Saufen für St. Pauli" inklusive Soliaufschlag auf Bier in den Kiezkneipen.

Nachbesserungen im Winter

Kein Wunder, dass sich die Verbundenheit seit jeher auf die Spieler überträgt. Harald Stender war zwischen 1945 und 1960 einzig für die Braun-Weißen aktiv, Thomas Meggle wechselte ganze dreimal ans Millerntor, Holger Stanislawski fungierte schon als Spieler, Teamchef, Trainer, sportlicher Leiter und Vizepräsident in Hamburg. Vor seinem Engagement in der Noris heuerte Martin Driller für 152 Kaperfahrten in der Hansestadt an.

Nachdem der FCSP 2015/16 als Vierter in den Hafen eingelaufen war, ist diese Saison für den ehemaligen Piratenkönig von Liga zwei die See weitaus stürmischer. Mit nur elf Zählern gelang in der Hinrunde keine fette Beute. Trotzdem hielt man auf St. Pauli am erfahrenen 63-jährigen Steuermann mit Zettel und Brille Ewald Lienen fest. Andreas Rettig verstärkte die Crew mit dem Trio Johannes Flum, Lennart Thy und Mats Möller Daehli im Winter durchaus prominent.

Schlechte Bilanz in Nürnberg

Mit Siegen wie gegen Braunschweig, Dresden, den KSC und 1860 haben die Kiezkicker in der Rückrunde wieder viel Wind unter den Segeln und nehmen mächtig Kurs auf den Klassenerhalt. Am Freitag wird in Nürnberg vor Anker gegangen. Von acht Zweitligaduellen gewann der FCSP hier nur ein einziges. Nun hoffen alle Club-Fans, dass die Seeräuber um den zweistellig treffenden Stürmer Aziz Bouhaddouz und den ersten Maat Sören Gonther ihren Kaperbrief am Kiez vergessen haben.

Spieldaten

28. Spieltag, 2. Bundesliga 2016/2017
0 : 2
1. FC Nürnberg
FC St. Pauli
51. Aziz Bouhaddouz 0:1
70. Aziz Bouhaddouz 0:2
Stadion
Stadion Nürnberg
Datum
07.04.2017 18:30 Uhr
Schiedsrichter
Daniel Schlager
Zuschauer
29000

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Mühl - Hovland (65. Matavz) - Bulthuis - Brecko - Djakpa - Kammerbauer - Behrens (60. Hufnagel) - Löwen - Kempe - Baumann (73. Gíslason)
Reservebank
Rakovsky, Förster, Gíslason, Hufnagel, Ishak, Matavz, Salli
Trainer
Michael Köllner
FC St. Pauli
Heerwagen - Hornschuh (74. Ziereis) - Sobiech - Gonther - Dudziak - Nehrig - Buchtmann - Sahin (75. Buballa) - Møller Dæhli (81. Flum) - Sobota - Bouhaddouz
Reservebank
Himmelmann, Buballa, Ziereis, Flum, Miyaichi, Sobiech, Thy
Trainer
Ewald Lienen

Ereignisse

0. min Spielstand: 0:0


51. min Spielstand: 0:1
Aziz Bouhaddouz

55. min Spielstand: 0:1
Even Hovland

59. min Spielstand: 0:1
Patrick Kammerbauer

60. min Spielstand: 0:1
Lucas Hufnagel kommt für Hanno Behrens

65. min Spielstand: 0:1
Tim Matavz kommt für Even Hovland

65. min Spielstand: 0:1
Bernd Nehrig

70. min Spielstand: 0:2
Aziz Bouhaddouz

71. min Spielstand: 0:2
Raphael Schäfer

73. min Spielstand: 0:2
Rúrik Gíslason kommt für Dominic Baumann

74. min Spielstand: 0:2
Philipp Ziereis kommt für Marc Hornschuh

75. min Spielstand: 0:2
Daniel Buballa kommt für Cenk Sahin

81. min Spielstand: 0:2
Johannes Flum kommt für Mats Møller Dæhli