Profis Montag, 25.01.2016

"Das war ein richtiger Kulturschock"

Foto: Sportfoto Zink

Mit knapp 37 Jahren hat der Club-Torwart bereits einige Trainingslager erlebt. Im Interview mit fcn.de spricht er über sein erstes Trainingslager, einige Zimmerkollegen und den Unterschied im Alter.

fcn.de: Hast du schon einmal deine Trainingslager gezählt?

Raphael Schäfer: Nein, bisher noch nicht.

fcn.de: Du müsstest nach unserer Rechnung steil auf die 30 zugehen. Bei zwei Trainingslagern pro Saison in 14 Jahren wären das 28. Zumindest beim Club.

Raphael Schäfer: So viele schon? Wobei es im Sommer auch immer mal wieder zwei Trainingslager gab… Wenn ich eine Schätzung abgeben müsste, würde ich eher 35 tippen.

fcn.de: So oder so: Das ist eine stolze Zahl! Kannst du dich noch an dein erstes Club-Trainingslager erinnern?

Raphael Schäfer: Ja – und zwar ganz genau. Ich bin nach Nürnberg gekommen und gleich nach dem ersten Training war schon bald Abfahrt. Es müsste der 17. Juni 2001 gewesen sein.

fcn.de: Unter welchem Trainer war das? Wohin ging die Reise?

Raphael Schäfer: Das war unter "Auge" (Klaus Augenthaler, AdR) – nach Bad Gögging. Erst haben wir trainiert und sind danach in den Bus gestiegen. Das war ein richtiger Kulturschock! Als wir angekommen sind, stand dort eine Blaskapelle in Dirndl und Lederhose und hat auf den Club gewartet und uns erstmal ein Ständchen gespielt.

fcn.de: Mit wem hast du dir das Zimmer geteilt?

Raphael Schäfer: (überlegt lange) Das ist echt schwer! Ich kann mich wirklich nicht erinnern.

fcn.de: Ist dir irgendetwas Kurioses aus den Trainingslagern in besonderer Erinnerung geblieben?

Raphael Schäfer: Gleich das erste.

fcn.de: Wegen der Blaskapelle?

Raphael Schäfer: Ja. Und weil ich mit drei Nüssen im Mund "Fuchs, du hast die Gans gestohlen" singen musste. Dort war so eine Art Animateur, der die neuen Spieler nach vorne geholt hat und jeder musste vor der Mannschaft etwas aufführen.

fcn.de: Irgendwelche Reisepannen?

Raphael Schäfer: Ab und zu hat man zwar mal einen Spieler vergessen… (lacht), aber eigentlich sind wir immer pünktlich überall angekommen.

fcn.de: Mit wem warst du in deiner Laufbahn denn so auf dem Zimmer?

Raphael Schäfer: Am Anfang mit Thomas Stehle, später mit Lars Müller. Unter Hans Meyer mit Ivan Saenko, auf den ich immer ein bisschen aufpassen musste – er war ein bisschen träumerisch (lacht). Nach meiner Rückkehr hatte ich aber meistens das Glück, auf ein Einzelzimmer zu dürfen, wenn es mit der Anzahl der Zimmer aufging. Aber auch mit Timmy Simons teilte ich eine Zeitlang das Zimmer.

fcn.de: Lässt man sich mit einem erfahrenen Spieler wie Timmy Simons gegenseitig eher in Ruhe oder verbringt man die Zeit auch miteinander?

Raphael Schäfer: Klar nimmt man Rücksicht aufeinander. Aber Timmy Simons war nun einer, der immer geschlafen hat. Ob er vor oder nach mir den Esstisch verlassen hat, war eigentlich egal, sobald er auf dem Zimmer war, hat er die Vorhänge zugezogen und geschlafen.

fcn.de: Wenn du dich zurückerinnerst: Ist es schwerer als junger oder als älterer Spieler, ein Trainingslager durchzustehen?

Raphael Schäfer: Definitiv als älterer Spieler! (lacht) Mal davon abgesehen, dass die Trainingseinheiten ohnehin anstrengender sind, sagt einem mit der Zeit auch das Hotelleben nicht mehr zu. Ich bin eher ein zurückgezogener Typ. Als junger Spieler gefällt einem das mehr. Auch unsere sind da im Moment viel unterwegs, nutzen die Angebote mit Billard, Basketball, Spielen an der Play-Station und so weiter. Früher habe ich das auch gemacht, aber heute nicht mehr.

fcn.de: Wir stellen uns für einen Moment vor, du bist der Trainer: Was würdest du abschaffen im Trainingslager?

Raphael Schäfer: Die sinnlosen Einheiten vor dem Frühstück. Die gibt es unter René Weiler zwar zum Glück nicht, aber aus meiner Erinnerung heraus, würde ich diese definitiv abschaffen.

fcn.de: Wie wichtig sind solche Reisen dennoch?

Raphael Schäfer: Sie helfen natürlich schon, weil man sich als Mannschaft mal zurückzieht, alle auf dem gleichen Flur untergebracht sind und man viel mehr miteinander spricht als im Trainingsalltag zuhause. Es ist schon insgesamt eine sinnvolle Einrichtung in der Vorbereitung.

fcn.de: Und war dieses Trainingslager in Belek dein letztes?

Raphael Schäfer: (lacht) Man weiß nie, was kommt... Wir haben uns dazu noch nicht zusammengesetzt. Ich bin der Meinung, dass man fair miteinander umgehen muss und das wird der Verein mit mir auch tun. Ob es dann weitergeht und in welcher Funktion und Form, das ist noch völlig offen.

fcn.de: Dein Körper würde das noch mitmachen?

Raphael Schäfer: Das kommt bei den Überlegungen dann auch noch dazu (lacht).

Danke dir, Rapha, fürs Gespräch!