"Einmaliges Erlebnis"

U16-Auswahl des BFV zurück aus Mosambik. 1. FCN-Nachwuchsspieler Danilo Dittrich, Patrick Eberl und Tobias Pachonik, sind am Sonntagabend wieder in Deutschland gelandet. fcn.de sprach mit Danilo über die Reise und seine Eindrücke.

fcn.de: Wie war’s insgesamt? Wie hat dir der Trip gefallen?

Danilo: Es war ein einmaliges Erlebnis. Ich kann das nur jedem weiter empfehlen. Ich denke, dass man viel für sein Leben davon mitnehmen kann, da man diese Erfahrungen nicht mehr vergisst. Besonders beeindruckt hat mich, dass die Menschen in Mosambik trotz ihres sehr niedrigen Lebensstandards, der ist mit Deutschland überhaupt nicht vergleichbar, immer glücklich und zufrieden sind. Obwohl die Menschen nichts haben, sind sie doch immer höflich und gut gelaunt - echt beeindruckend.

fcn.de: Du hast jetzt gerade schon deinen positiven Eindruck geschildert. Was ist dir negativ aufgefallen?

Danilo: Als wir am Mittwoch eine Schule besucht haben, haben wir Autogramme gegeben und Wimpel verteilt. Für die Kinder gab es dann kein Halten mehr, sodass alle auf uns los sind. Die älteren Kinder haben die jüngeren geschlagen, nur um etwas abzubekommen. Dann haben sogar die Lehrer auf alle Kinder geprügelt, damit wir gehen konnten. Aber der Bus konnte gar nicht losfahren, da sich viele Kinder darum versammelt hatten. Als wir endlich losgefahren sind, sind die Kinder uns sogar kilometerweit hinterher gelaufen, nur um auch Geschenke zu bekommen. Das war sehr überraschend.

fcn.de: Wie war dein erster Eindruck von dem Land als du aus dem Flugzeug gestiegen bist?

Danilo: Es war ein richtiger Schock. Wir haben den Flughafen verlassen und es hat überall komisch gerochen. Außerdem war uns total heiß in unseren langen Klamotten. Vor allem der Lebensstandard ist mit Deutschland ja nicht vergleichbar. Die Kinder haben uns um leere Wasserflaschen angebettelt und um T-Shirts. In die Flaschen wird wieder Wasser gefüllt, dann werden die Flaschen eingefroren, damit die Kinder das Eis schließlich auf der Straße verkaufen können. Das hat uns unser Teambetreuer erklärt.

fcn.de: Wie war eure Unterkunft?

Danilo: Die war ganz ok. Jeder hatte seinen eigenen Bungalow, in dem dann zwei Betten waren. Ich war mit Ricardo Basta vom FC Bayern München auf einem Zimmer. Das Wasser im Pool war zwar nicht so sauber, aber es hat alles gelangt. Wir waren ja eh nicht so oft im Hotel, sondern mehr auf Reisen.

fcn.de: Was habt ihr denn dann alles so gemacht?

Danilo: Am Montag waren wir zum Beispiel im Sport- und Schulzentraum des Mosambikanischen Verbandes in Namaacha. Dort haben wir auch Mittag gegessen. Auf der Fahrt dahin haben wir eine Krokodilfarm besucht. Die Fahrt in dem Bus war echt abenteuerlich: Es gibt ja keine richtigen Straßen und damit der Bus über einen Berg fahren konnte, mussten wir alle aussteigen und laufen.
Am Dienstag hatten wir dann unser erstes Spiel gegen die U17-Auswahl von Mosambik, dass wir leider 1:2 verloren haben. Wir haben uns echt schwer getan mit der Klimaumstellung und dem harten Rasen. Beim zweiten Spiel am Donnerstag waren die Umstände schon besser: Wir waren in einem richtigen Stadion mit sogar 150 Zuschauern und der Rasen wurde bewässert. Im Training vorher haben wir Freistöße trainiert, die uns dann auch zum 2:0-Sieg verhalfen. Das erster Tor habe ich geschossen und das zweite mein Zimmergenosse. Danach waren wir mit dem Mosambikanern Essen und habe ihnen zum Abschied Trikotsätze von uns geschenkt.
Am Freitag sind wir mit einem Boot auf eine Insel gefahren und haben alle zusammen gegrillt. Das war das beste Essen im ganzen Urlaub, sonst gab es nämlich nur Reis. Tja, und am Samstag war unsere Reise dann schon wieder zu Ende. Nach dem Heimflug haben wir noch zusammen Sportschau geguckt. Allerdings sind nicht alle von uns wieder mit nach Hause – Patrick Nothaft, der Torwart von FC Bayern München durfte wegen einer Blinddarmoperation noch nicht mit zurück. Noch am Flughafen haben wir ein Gruppenfoto mit dem Spruchband ‚Alles Gute. Wir denken an Dich!‘ gemacht.

fcn.de: Ihr habt also zwei Mal gegen die U17-Auswahl von Mosambik gespielt. Unterscheidet sich der afrikanische Fußball von dem deutschen?

Danilo: Auf jeden Fall. Unsere afrikanischen Gegner waren schneller und flinker. Und ihre Sprungkraft ist überragend. Aber sie haben kein Spielverständnis, kein System hinter ihren Laufwegen. Sie spielen einfach nur hohe Bälle, laufen einfach und kämpfen dann. Da sie sehr athletisch sind, ist das einfach ihr Spielsystem. Es ist aber nicht verwunderlich, dass sie nicht so sehr nach Taktik spielen, da sie zum Beispiel die Abseitsregel erst mit 15 Jahren lernen – auf der Straße existieren nämlich keine Regeln. Unser Trainer meinte allerdings, dass die mosambikanische Mannschaft sich im Vergleich zum letzten Jahr gut entwickelt hat. Mir ist auch noch aufgefallen, dass mosambikanische Nationalstolz sehr ausgeprägt ist. Einfach jeder kennt den Text der Nationalhymne und kann diese auf Anhieb singen. Das war bemerkenswert.

fcn.de: Was nimmst du für dich persönlich von der Reise mit?

Danilo: Dass die Leute dort trotz ihrer schlechten Lebensumstände einfach immer glücklich sind, so kam es mir zumindestens vor. Hier in Deutschland meckern die Menschen wegen überflüssigen Dingen. Außerdem fordern wir einfach immer mehr.

fcn.de: Was war dein schönstes Erlebnis?

Danilo: Das war der Schulbesuch am Mittwoch. Die Kinder dort, es waren bestimmt 500, waren der Größe nach aufgereiht. Sie haben für uns getanzt und die Nationalhymne gesungen. Es gab Reden von dem Direktor der Schule und dem BFV, wir haben einfach nur gefeiert. Bei der Autogrammstunde habe ich mich dann Gefühlt wie ein kleiner Star. Das war richtig schön. Leider lief die Sache ja dann außer Kontrolle.
Und es hat mich sehr geehrt, dass ich Kapitän unsere Mannschaft war. Generell war der Zusammenhalt in der Mannschaft und mit den Trainern und Betreuern super. Es hat echt viel Spaß gemacht.

Vielen Dank für deine Schilderungen und alles Gute für die nächsten Testspiele in Duisburg für die Sichtung zur Deutschen Nationalmannschaft.

Mittwoch, 16.03.2011


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