Profis Mittwoch, 27.01.2016

Club-Offensive: Flexibel, unberechenbar, gefährlich

Foto: Sportfoto Zink

In der ersten Saisonhälfte gelangen dem Club die zweitmeisten Treffer. Dabei verteilte sich die Last des Toreschießens auf mehrere Schultern.

Bei torgefährlichen Offensiven ist es immer so eine Sache: Meist überragt ein Spieler, oftmals der Mittelstürmer, und führt die interne Torschützenliste mit weitem Abstand an. Nils Petersen mit 15 von 43 Freiburger Toren ist ein Beispiel dafür, Simon Terodde mit zehn der 28 Bochumer Treffer ein anderes. Beide erzielten mehr als ein Drittel der Tore ihrer Mannschaft.

Der 1. FC Nürnberg erzielte im bisherigen Saisonverlauf 38 Tore in 19 Spielen. Nach dem SC Freiburg (43) sind das ligaweit die meisten. Doch entgegen dem Freiburger oder Bochumer Modell mit einem Topstürmer, verteilt sich die Last beim Club auf mehrere Schultern. "Flexibilität in der Offensive" nennt Club-Trainer René Weiler diese Tugend.

Elf unterschiedliche Torschützen

Zwar führt Guido Burgstaller mit neun Treffern die vereinsinterne Rangliste (auch nach dem Abgang von Alessandro Schöpf) mit einigem Abstand an. Doch prozentual gesehen kommt der Österreicher, der durchschnittlich in jedem zweiten Spiel traf, "lediglich" auf ein knappes Viertel. Burgstaller sorgte also längst nicht im Alleingang für Torgefahr.

Insgesamt elf Spieler aus dem aktuellen Kader (insgesamt 13) waren bereits in dieser Spielzeit für die Mannschaft von René Weiler erfolgreich. Hanno Behrens traf ebenso viermal wie Niclas Füllkrug, der in den letzten fünf Partien vor der Winterpause fünf Scorerpunkte sammelte. Mit Jan Polak, Tim Leibold und Patrick Erras netzten drei weitere Spieler zweifach ein. Der höchste Saisonsieg (4:0 beim FC St. Pauli) gelang ohne Burgstaller.

Möhwald - bester Vorlagengeber der Liga

"Nach vorne unberechenbar" will René Weiler den Club auch nach der Winterpause sehen. Unberechenbar, das heißt neben etlichen Torschützen auch eine Mischung aus herausgespielten Toren und erfolgreichen Standardsituationen. Bei Letzterem tat sich besonders Kevin Möhwald hervor, der die ruhenden Bälle in der Vorrunde gefährlich vors gegnerische Tor zirkelte und so zu den meisten seiner bislang acht Torvorlagen kam – ligaweiter Bestwert.

Über herausgespielte Tore zum Erfolg zu kommen gilt gemeinhin als die elegantere, weil schöner anzusehende Möglichkeit, ein Tor zu erzielen. Dass auch Neuzugang Zoltan Stieber seinen Beitrag dazu leisten kann, zeigte er gleich nach seiner Ankunft im Trainingslager. Im Test gegen den SV Grödig steckte er den Ball auf Danny Blum mustergültig durch, der Angreifer verwandelte zum 1:0. Gegen Ujpest Budapest vollstreckte der Ungar nach Füllkrugs Hackentrick und Laszlo Sepsis Flanke sehenswert per Direktabnahme.

Unberechenbar berechenbar

Ebenfalls gut in Form zeigte sich Sebastian Kerk in der bisherigen Vorbereitung. Der 21-Jährige Mittelfeldspieler konnte aufgrund von Verletzungen bislang nur drei Saisonspiele bestreiten, verbuchte dabei aber ein Tor und eine Vorlage. Und im Test gegen Darmstadt trat er die Ecke, die zum 1:0-Siegtreffer führte, wirkte zudem auch sonst agil, beispielsweise als er vor dem 1:0 gegen Grödig die Hereingabe von Niclas Füllkrug für Blum durchließ.

Mit Stieber und Kerk kommen für Trainer René Weiler also zwei Offensivspieler dazu, die auch mit ihrer Spielweise für mehr Flexibilität in der Offensive sorgen können. So können Tore auf "verschiedene Arten" erzielt werden – und so nur ein Stück weit berechenbar zu bleiben – nämlich mit einem Schnitt von zwei Toren pro Spiel.