Freitag, 07.05.2010

"Ich liebe Nürnberg!"

Vor dem Saisonfinale sprach fcn.de mit der Zaubermaus. Sergio Zarate im Interview.

fcn.de hat mit Sergio Zarate gesprochen, der vor wenigen Tagen in Nürnberg zu Besuch war. Sergio Fabian Zarate, heute 41 Jahre jung, raste als „Zaubermaus“ von 1990 bis 1992 und in der Saison 1993/94 beim 1. FC Nürnberg (69 Bundesligaspiele / 22 Tore) durchs Frankenstadion. Bei Deportivo Necaxa und America Mexico erlebte er seine sportlich erfolgreichste Zeit und holte sich dreimal den mexikanischen Meistertitel. Heute lebt er mit Lebensgefährtin Andrea Martin und seiner 17-jährigen Tochter Nahir Ludmilla sowie seinem 13-jährigen Sohn Oliver vor den Toren Buenos Aires und arbeitet als Berater und Manager

fcn.de: Wie geht es Dir?

Sergio Zarate: Danke, sehr gut.

fcn.de: Wo ist Deine wallende pechschwarze Lockenmähne geblieben?

Sergio Zarate: Ich habe sie vor längerer Zeit abgeschnitten, als ich mit dem Fußballspielen aufgehört habe. Da hat sich mein Leben radikal verändert.

fcn.de: Und wie schaut Dein radikal verändertes Leben aus?

Sergio Zarate: Ich spiele immer noch regelmäßig Fußball, allerdings nur noch zum Spaß. Im Sommer treffen sich der gesamte Zarate-Clan, mein Vater, alle meine Brüder und unsere Söhne bei uns zuhause – wir spielen dann Tag und Nacht Fußball auf unserem hauseigenen Fußballplatz. In meiner Familie dreht sich alles ums Fußballspielen – meine vier Brüder haben alle Fußball gespielt oder spielen noch. Ariel ist beim FC Malaga aufgelaufen, Rolando hat das Trikot von Real Madrid getragen, Mauro spielt bei Lazio Rom und war U20-Weltmeister. Nur einer von uns fünf Jungs ist Rechtsanwalt geworden. All deren Söhne haben auch Talent, das Zarate-Fußballgen wird immer weiter vererbt. Mein Vater trainiert die Enkelkinder und arbeitet zusätzlich als Scout.

fcn.de: Das Zarate-Fußballgen ist: Schneller Antritt, geniale Tricks, tolle Tore… 

Sergio Zarate: … habe ich alles noch drauf. (lacht)

fcn.de: Spielst Du auch noch außerhalb des privaten Familienkreises?

Sergio Zarate: In der Winterpause treten immer die besten argentinischen Fußballspieler, wie Javier Zanetti, Carlos Tévez, Fernando Redondo, gegeneinander für einen guten Zweck an. Damit unterstützen sie soziale Projekte für argentinische Straßenkinder. Trainer der Teams war Diego Maradona. Bei diesen Spielen laufen auch immer behinderte Kinder auf, die die Tore schießen dürfen – das ist immer ein tolles Event.

fcn.de: Verfolgst Du den Club noch intensiv?

Sergio Zarate: Selbstverständlich, zum Beispiel habe ich die Partie gegen Freiburg gesehen. Die Fans des 1. FC Nürnberg sind weltmeisterlich, solch eine Stimmung habe ich bei keinem anderen Fußballverein erlebt. Wenn meine Kinder größer sind, möchte ich gerne nach Nürnberg ziehen. Ich liebe Nürnberg! Argentinien ist ein gefährliches Pflaster, dort bin ich schon dreimal überfallen worden. Wenn ein Team in Argentinien absteigt, müssen die Spieler erst einmal untertauchen, denn die Fans greifen dort nicht nur verbal an. Eine Stadt wie Nürnberg darf keinen Fußballklub haben, der in der Tabelle hinten steht. Auf dem argentinischen Fußballmarkt gibt es viele Talente in den Armenvierteln, Rohdiamanten, die dem Club mit ihrem Kampfgeist und Herzblut, ihrer Leidenschaft weiterhelfen könnten.

fcn.de: Welcher Moment ist Dir aus Deiner Club-Zeit am meisten in Erinnerung geblieben?

Sergio Zarate: Bis heute erzähle ich meinem Sohn gerne davon, wie ich Oliver Kahn beim Auswärtsspiel des Club in der Saison 1991/92 zwei Tore beim 3:1 eingeschenkt habe. Das war Balsam auf meine Seele, denn ich habe Andy Köpke sportlich und auch menschlich immer für den besseren Torwart gehalten. Er war mein großes Idol.