Mittwoch, 19.11.2008

Die Färdder scho widder...

...und zwar zum 252. Mal! Elf Jahre liegt der letzte Sieg des Club zurück! Martin Driller erzielte am 6.10.1997 das Siegtor zum 1:0-Auswärtssieg. fcn.de erzählt die kuriosesten und spannendsten Anekdoten des traditionsreichsten deutschen Lokal-Derbys zwischen den Nachbarn Club und Kleeblatt.

Ausgerechnet ein Sieg gegen Fürth bescherte dem Club seinen ersten Meistertitel! Im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft setzten sich die Rot-Schwarzen am 13. Juni 1920 vor sagenhafter Kulisse, 35.000 Zuschauer drängten sich dicht im voll besetzten Germania-Stadion in Frankfurt, gegen die SpVgg mit 2:0 (1:0) durch. Die Anhänger standen so dicht gedrängt, dass in den hinteren Reihen kaum mehr Sicht aufs Spielfeld möglich war. Aber der Fußballfreund war schon immer erfinderisch: heran geschleppte Backsteine dienten zur Erhöhung, Leitern wurden verpachtet (die oberste Sprosse für 25 Mark, jede weitere nach unten für 5 Mark weniger), andere "Verrückte" fuhren Omnibusse herein, um deren Dächer zu vermieten. Erstmals wurden Rekordpreise von bis zu 200 Mark für einen Sitzplatz geboten - meist vergebens, denn die Hütte war restlos ausverkauft.

Unser Rossi

An Faszinationskraft wird es bei den Zusammentreffen beider Teams sicher nie mangeln. In welcher anderen Region ist es vorstellbar, dass ein Drittliga-Spiel, wie das Derby 1. FC Nürnberg gegen Greuther Fürth in der Saison 1996/97, 45.000 Zuschauer anlockt?

Ein Schiedsrichter war den Cluberern sehr wohl gesonnen. In der Regel wurden die Derbys von den Referees sehr hart geführt, vor allem wenn der Schiedsrichter Rossi aus Stuttgart hieß. Der bekannte Club-Sympathisant, am Zabo sprach man stets von "Unser Rossi", wurde nach einer Niederlage der SpVgg von den Fürthern sogar verdächtigt, das Spiel für eine goldene Springdeckeluhr verschoben zu haben. Der Fall wurde nie aufgeklärt.

Spiel der Spiele

Die sportliche Bilanz spricht deutlich für den Club, wenngleich nur sehr selten deutliche Siege gelangen. (251 Partien insgesamt, davon zwei abgebrochen, 136 Siege, 70 Niederlagen, 45 Unentschieden, 561:337 Tordifferenz). Der erste Derby-Fußballkampf stieg 1902. Der Club fegte die Fürther mit 15:0 aus dem Schießanger. Acht Jahre später gelang den Kleeblättern der erste Sieg. 1914 wurde Fürth Deutscher Meister - mit dabei der zukünftige Cluberer Bumbes Schmidt. Mit dem 1920 errungenen Deutschen Meister-Titel läutete der Club seine Goldenen Zwanziger ein, in denen fünf Meisterschaften gewonnen wurden. Die Duelle beider Vereine in den 1920er Jahren waren legendär. Sprach man von der "Fußball-Hochburg" meinte man automatisch Nürnberg / Fürth, die Partien waren damals immer das "Spiel der Spiele". Beide Teams stellten den Großteil der Nationalmannschaft.

Sportliche Glanzlichter boten beide Teams jedoch nicht immer. Am 6. Oktober 1929 verzeichnete die Spielstatistik 87 Freistöße und 3 Platzverweise (2 Nürnberg, 1 Fürth). Die Presse schrieb: "Von einem 'Verlauf' kann man wohl nicht gut sprechen. Wohl aber von einer 'Verhauerei'. Von einer Holzauktion. Von einem Ereignis, über das man am besten gleich zwei Mäntel der christlichen Nächstenliebe deckt."

Mit der Wampe

Beim bislang letzten Derby um Punkte - am 7. März 2004 trennten sich die beiden Kontrahenten in Fürth mit 2:2 - jubelte am Ende ein Nürnberger ganz besonders: Stefan Kießling. Dem Club-Eigengewächs, mittlerweile bei Bayer Leverkusen eine große Nummer, gelang mit dem Tor zum Endstand sechs Minuten vor dem Ende sein allererstes Profitor - und wie: Eine Vittek-Hereingabe bugsierte er "mit meiner Wampe" (O-Ton-Kießling) in die Maschen. Später sollten auch viele normale Tore für "Kieß" dazukommen... Klar im übrigen, dass Kieß dem Club "natürlich die Daumen drückt!"

Besonders heftigen "Streit" gab es meist, wenn ein Spieler von der einen zur anderen Seite wechselte. Als erster ging Loni Seiderer vom Club zu den Kleeblättern - er wurde in Fürth zu einem der großen Stars der 20er Jahre. Den umgekehrten Weg gingen Bumbes Schmidt und Hans Sutor. In den 50er Jahren sorgten die Wechsel von Torjäger Horst Schade und Reinhold Gettinger für Schlagzeilen. 1997/98 lockten die Cluberer Thomas Richter und Jochen Weigl vom Playmobil- ins Frankenstadion. Zuletzt wechselte Juri Judt zu Beginn der Saison 2008/09 vom Ronhof an den Valznerweiher.

Was würde schließlich die rot-schwarzen und grün-weißen Fußballherzen noch höher schlagen lassen? Ganz klar: Ein Derby in der Bundesliga!