26.05.2007

Traum wird wahr - Club holt den Cup!

Freude pur: Nach 39 Jahren endlich wieder ein Titel für den Club

Berlin - Deutscher Pokalsieger 2006/07 ist der 1. FC Nürnberg. Mit 3:2 n.V. (2:2, 1:1) gewann der Club am Samstag (26.05.07) vor 74.400 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion das Finale gegen den VfB Stuttgart. Was für dramatische und spannende 120 Minuten! Cacau (20.) hatte den Deutschen Meister in Front gebracht, Marek Mintal (27.) ausgeglichen und Marco Engelhardt (47.) die Club-Führung erzielt, ehe Pavel Pardo per Foulelfmeter (80.) traf. 2:2 - Verlängerung. Und dann das Traumtor von Jan Kristiansen mitten ins Glück (109.). 3:2 - die Legende lebt wieder!

Nach 39 Jahren, der deutschen Meisterschaft 1968, hat der 1.FCN erstmals wieder einen Titel gewonnen und damit sein Image als "Altmeister" gehörig aufpoliert. Nach dem verlorenen Endspiel vor 25 Jahren gegen die Bayern (2:4) war es der vierte DFB-Pokalsieg für die Franken, die zuvor 1935, 1939 und 1962 triumphiert hatten. Und die Krönung einer fantastischen Saison. Die Bilanz: Drittbeste Bundesliga-Spielzeit in der Club-Geschichte, direkte Qualifikation für den UEFA Cup, Teilnahme am Ligapokal zum Auftakt der kommenden Spielzeit und natürlich der Pokalsieg!

Meyer Pokalsieger in der DDR und in Gesamtdeutschland

Zudem schaffte Hans Meyer nach seinen drei Erfolgen mit Jena im FDGB-Pokal das Kunststück, als erster in der DDR ausgebildeter Trainer einen gesamtdeutschen Titel zu gewinnen. Dicker Wermutstropfen ist dagegen die erneute Verletzung von Marek Mintal, der nach einem brutalen Foul von Fernando Meira mit Verdacht auf eine Innenbandverletzung im rechen Knie nur wenige Minuten nach seinem Ausgleichstreffer vom Platz getragen werden musste.

Nachdem in den letzten vier Jahren Bayern München (3-mal) und Werder Bremen Meisterschale und Pokal jeweils in einem Trophäenschrank vereinen konnten, hat der VfB das erste Double in seiner Vereinsgeschichte verpasst. Stattdessen kassierten die Schwaben, die dreimal den nationalen Cup (1954, 1958, 1997) ins "Ländle" geholt hatten, nach dem 0:3 und 1:4 in der Liga ihre dritte Niederlage gegen den 1.FCN in dieser Saison. Auch weil der Ex-Cluberer Cacau nach einer Tätlichkeit die Rote Karte gesehen hatte und seine Kollegen ab der 31. Minute in Unterzahl spielen mussten.

Nikl rückt kurzfristig in die Startelf

Beide Mannschaften hatten ihre Startelf im Vergleich zum letzten Spieltag in der Bundesliga umgestellt. Stuttgart trat mit Antonio da Silva anstelle von Marco Streller an. Mario Gomez nahm wie zuletzt gegen Cottbus (2:1) erst einmal auf der Bank Platz. So lief Cacau beim VfB als einzige echte Spitze auf. Hans Meyer veränderte seine Anfangsformation nach dem 3:0-Sieg in Hannover auf zwei Positionen. Ivan Saenko ersetzte Jaouhar Mnari und Marek Nikl, der in der abgelaufenen Bundesliga-Saison nur siebenmal zum Einsatz gekommen war, sprang in der Innenverteidigung kurzfristig für den angeschlagenen Glauber ein. Robert Vittek stand verletzungsbedingt überhaupt nicht im Kader.

Die Nürnberger begannen mit aggressivem Vorchecking und ließen den Ball gut in den eigenen Reihen laufen. In der sechsten Minute die erste Chance. Kristiansen hatte von der rechten Seite geflankt, in der Mitte verpassten Markus Schroth und Mintal den Ball nur um wenige Zentimeter. Eine brenzlige Situation dann auf der Gegenseite: Nikl hatte Sami Khedira links im Strafraum am Bein getroffen. Schiedsrichter Michael Weiner entschied zum Glück für die Cluberer nicht auf Elfmeter (11.). Pech dann aber in der 20. Minute, nachdem Nikl das Leder in der eigenen Hälfte unfreiwillig für die Schwaben weitergeleitet hatte. Khedira köpfte über Andreas Wolf hinweg und schickte Cacau links im Strafraum auf den Weg. Der Stuttgarter Stürmer schoss aus zehn Metern unhaltbar für Club-Torhüter Raphael Schäfer ins Tor zum 1:0.

Mintal zum 1:1, kurz danach ist Schluss für den Torschützen

Die Nürnberger Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sieben Minuten später flankte Dominik Reinhardt von der rechten Seite, Mintal kam im Fünfmeterraum völlig frei an den Ball und markierte mit links den 1:1-Ausgleich. Kurz darauf eine der Spiel entscheidenden Szenen: Cacau hatte Wolf im Laufduell mit der Faust in den Magen geboxt und sah für die Tätlichkeit die Rote Karte (31.). Die hätte nur eine Zeigerumdrehung später auch Fernando Meira verdient gehabt. Der Portugiese hatte die Nerven verloren und Mintal mit einem brutalen Foul umgetreten. Referee Weiner zeigte "nur" Gelb. Der slowakische Nationalspieler musste verletzt ausgewechselt werden. Für den Torschützen zum 1:1 kam Jan Polak (35.).

Kurz vor der Pause hatte dann Kristiansen noch eine Riesenmöglichkeit, aber Hildebrand war rechtzeitig aus seinem Tor geeilt und hatte den Ball vor dem Strafraum mit dem Fuß abgewehrt (45.). So blieb's zur Pause beim 1:1.

Engelhardt mit Köpfchen

Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag. Nach einer Polak-Ecke von der linken Seite war Marco Engelhardt in der Mitte mutterseelenallein und köpfte das Leder mit einem Aufsetzer zum 2:1 ins Tor (47.). Danach drosselten die Nürnberger das Tempo und versuchten, die Partie mit Pässen in die Breite zu kontrollieren. Stuttgart hielt in Unterzahl mit einer großen kämpferischen Leistung dagegen. In der 73. Minute kam der eingewechselte Arthur Boka aus 18 Metern halblinker Position frei zum Schuss, verfehlte das Tor nur um Haaresbreite.

Wenig später setzte Thomas Hitzlsperger den ebenfalls eingewechselten Mario Gomez (46.) rechts im Strafraum in Szene. Der Stuttgarter Stürmer startete Richtung Grundlinie durch und wurde vom herauseilenden Club-Keeper Schäfer ungestüm zu Fall gebracht. Den fälligen Elfmeter verwandelte Pavel Pardo mit einem platzierten Schuss ins linke untere Eck zum 2:2-Ausgleich (80.). Fünf Minuten später noch einmal eine Doppelchance für die Schwaben. Zunächst hatte Schäfer nach einem Freistoß von der rechten Seite Khediras Kopfball abgewehrt. Matthieu Delpierres Nachschuss aus spitzem Winkel ging dann ans Außennetz. In der Schlussphase der regulären Spielzeit dann keine Gefahr mehr vor beiden Toren - die Verlängerung bzw. im Anschluss daran das mögliche Elfmeterschießen mussten die Entscheidung bringen.

Kristiansen schießt den Club in die Glückseligkeit

Die erste Chance nach Wiederanpfiff hatte Ivan Saenko in der 103. Minute. Der Russe war auf der linken Seite durchgestartet. Hildebrand eilte aus seinem Tor heraus und verpasste den Ball. Leider flankte Saenko anschließend zu ungenau, so dass Schroth in der Mitte nicht an den Ball kam, um ihn im leeren Tor unterzubringen. Die Kräfte ließen bei beiden Mannschaften merklich nach, was auch zu Ungenauigkeiten im Abspiel führte. Ohne weitere Chancen wurden zum dritten und letzten Mal die Seiten gewechselt.

Mit Beginn der zweiten 15 Minuten begann sich Nürnbergs zweiter Torhüter und "Elfmeterkiller" Daniel Klewer schon einmal vorsorglich für das drohende Shootout warm zu machen. Doch es kam anders: In der 109. Minute wurde Kristiansen auf der linken Seite nicht angegriffen. Der Däne nahm das Herz in die Hand und feuerte aus 25 Metern halblinker Position einen Sonntagschuss ab. Der Ball schlug im langen Eck unter der Latte im Tor ein - 3:2 für den 1.FCN, Hildebrand machtlos.

Die erneute Führung ließen sich die Nürnberger nicht mehr nehmen. Sie hätten sogar noch das 4:2 erzielen können, aber Banovic hatte nicht den besser postierten Schroth in dessen letztem Spiel für den Club angespielt, sondern es rechts im Strafraum aus spitzem Winkel selbst probiert und nur den Außenpfosten getroffen (115.). Wenige Sekunden später sollte diese Szene aber keine Rolle mehr spielen. Der erlösende Abpfiff ertönte und die Franken lagen sich erschöpft und überglücklich in den Armen. Was für ein historischer Abend im Berliner Olympiastadion für den Club, seine Fans und eine ganze Region.

Hier könnt ihr den Pokal-Sieg noch einmal im LIVE-Ticker nachlesen!


Das Spiel im Stenogramm:

VfB Stuttgart:
Hildebrand - Osorio (68. Boka), Fernando Meira, Delpierre, Magnin - Pardo - Khedira (100. Tasci), Hitzlsperger - Hilbert, da Silva (46. Gomez) - Cacau

1. FC Nürnberg: Schäfer - Reinhardt, Wolf, Nikl (73. Spiranovic), Pinola (115. Banovic) - Galasek - Kristiansen, Engelhardt - Mintal (35. Polak) - Saenko, Schroth

Tore: 1:0 Cacau (20.), 1:1 Mintal (27.), 1:2 Engelhardt (47.), 2:2 Pardo (80., Foulelfmeter), 2:3 Kristiansen (109.)

Zuschauer: 74.400

Schiedsrichter: Weiner

Gelbe Karten: Meira, Osorio, Khedira, Gomez/Nikl, Schroth, Spiranovic, Galasek

Gelb-Rote Karten: -/-

Rote Karten: Cacau (31., Tätlichkeit)/-